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Slowake macht CSU-Mann Konkurrenz
Ein Kommissionschef aus dem Osten der EU?

Der slowakische EU-Kommissar Maros Sefcovic (52).
Der slowakische EU-Kommissar Maros Sefcovic (52). FOTO: dpa / Soeren Stache
BRÜSSEL Maros Sefcovic gehört nicht zu den bekanntesten Mitgliedern der Europäischen Kommission von Jean-Claude Juncker. Doch das dürfte sich jetzt ändern. Gestern warf der slowakische Sozialdemokrat seinen Hut in den Ring, um als Spitzenkandidat seiner Parteienfamilie für die Europawahl 2019 ins Rennen zu gehen. Von Detlef Drewes

„Ich will ein Gefühl der Stabilität und Sicherheit sowie ein Gefühl der Zugehörigkeit zu unserem gemeinsamen Projekt stärken“, erklärte der 52-Jährige in Brüssel. „Alles in allem sehe ich unser Europa als zuversichtlich und stolz, intelligent und grün, sozial gerecht und solidarisch.“


Mit diesem Schritt ist allerdings noch nichts entschieden. Bis zum Stichtag 18. Oktober werden bei den Sozialdemokraten weitere Bewerbungen erwartet. Vor allem die von Frans Timmermans (57) aus den Niederlanden, früher Außenminister seiner Heimat und inzwischen – wie Sefcovic – Vizepräsident der EU-Kommission. Nur geringe Chancen werden dagegen dem Franzosen Pierre Moscovici (61) nachgesagt – er hat keinen Rückhalt im eigenen Land. Die Italienerin Federica Mogherini (45), Chefin des Auswärtigen Dienstes der EU, soll intern bereits abgewinkt haben.

Sefcovic stammt aus Bratislava. Er studierte in seiner Heimatstadt sowie fünf Jahre in Moskau Jura. Als Botschafter war er in Israel und Kanada stationiert, ehe er zum Chefunterhändler für den Beitritt seines Landes zur EU und zur Nato (beide 2004) aufrückte. 2014 führte er als Top-Kandidat die slowakischen Sozialdemokraten ins Europa-Parlament, wechselte aber dann in die Kommission und übernahm vom deutschen Kommissar Günther Oettinger das Ressort Energie. Sein zentrales Anliegen: Die EU solle ihre Energiequellen stärker verteilen, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren.



„Eine exzellente Persönlichkeit“, lobte der saarländische SPD-Politiker Jo Leinen die Kandidatur des verheirateten Vaters zweier Töchter und eines Sohnes. Seine Freizeit verbringt der Politiker gerne mit Skifahren, Joggen und Tennis. Doch ist Sefcovic der richtige Mann? Denn immerhin soll der Spitzenkandidat der Gewinner-Partei quasi automatisch als Nachfolger Junckers zum neuen Kommissionschef aufrücken.

In den eigenen Reihen herrschte gestern Schweigen. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, Udo Bullmann, wollte das Vorpreschen seines Parteifreundes nicht kommentieren. Man habe ein geregeltes Verfahren und warte das Gesamtbild ab. Tatsächlich müssen sich die Bewerber zunächst den eigenen Genossen stellen. Nur wer da eine Mehrheit hinter sich bringen kann, darf die Parteienfamilie auch in die ohnehin schwierige Europawahl 2019 führen.

Sefokovic, so heißt es in Brüssel, sei ohne Zweifel ein kompetenter und engagierter Politiker. Ob er aber den Elan und die Popularität mitbringt, die Anhänger der Sozialdemokraten in Europa aufzurütteln und an die Wahlurnen zu bringen, wird von einigen bezweifelt – zumal die Genossen in den Mitgliedstaaten bei den zurückliegenden Wahlgängen eher bescheidene Ergebnisse erzielen konnten.

Sollte Sefcovic am Ende wirklich nominiert werden, könnte er zum Gegenspieler des CSU-Politikers Manfred Weber (46) werden. Der derzeitige Fraktionschef der Europäischen Volkspartei hatte sich vor wenigen Tagen beworben. Doch auch bei den Christdemokraten werden noch weitere Bewerbungen erwartet: So will beispielsweise der frühere finnische Ministerpräsident Alexander Stubb (50) bis Ende des Monats entscheiden, ob er zunächst intern gegen Weber antritt.