| 20:37 Uhr

Jahresbilanz
V&B modernisiert seine Klassiker

Das Design des klassischen Dekors Wildrose hat V&B für jüngere Kunden modernisiert.
Das Design des klassischen Dekors Wildrose hat V&B für jüngere Kunden modernisiert. FOTO: Foto © Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra
Frankfurt/Mettlach. Der Keramikkonzern will in Deutschland jüngere Kunden ansprechen und die schwächelnde Tischkultur nach vorne bringen. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Der Mettlacher Keramik-Konzern Villeroy & Boch (V&B) bekommt die Auswirkungen der Digitalisierung zu spüren. „Vor allem im Bereich Tischkultur wandert vieles ins Internet ab“, sagte gestern V&B-Vorstands­chef Frank Göring anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Beim Online-Verkauf von Tellern, Tassen, Gläsern oder Bestecken der Marke V&B werde der saarländische Traditionskonzern allerdings nicht auf die Schnäppchen-Angebote setzen, wie sie täglich auf irgendeiner Plattform angeboten werden.  „Dann würde unsere Marke erodieren. Das müssen wir vermeiden“, sagte Göring. Er will online vielmehr die  Zielgruppen ansprechen, die bereits V&B-Produkte besitzen – rund zehn Millionen Deutsche – und diejenigen, bei denen Umfragen ergaben, dass Villeroy & Boch für sie „eine Marke mit Stil“  und  eine „sympathische Marke“ ist. Das sind noch einmal rund neun Millionen Frauen und Männer in Deutschland. Die sollen online gezielt auf Neuheiten im Bereich Tischkultur angesprochen werden können.


Die Mettlacher Keramik-Designer setzen künftig auf klassische Dekore in neuem Gewand. So ist das Design der „Wildrose“ einer Frischzellen-Kur unterzogen worden, um auch jüngeren Leuten dieses florale Wechselspiel von Blatt und Blume näherzubringen. Zudem hat V&B sein Ur-Dekor „Alt Luxemburg“ neu aufgelegt, mit dem der Keramik-Konzern, der in diesem Jahr seinen 270. Geburtstag feiert, den Grundstein für seinen Tischkultur-Erfolg legte.

Diese Sparte ist im vergangenen Jahr ein wenig unter die Räder gekommen. So sank der Umsatz der Tischkultur um 5,8 Prozent auf 278,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis ging dort um 9,3 Prozent auf 8,8 Millionen Euro zurück. „Ein Großteil davon war allerdings auch währungsbedingt“, wie Göring betonte. Das Unternehmen hat auf das Abwandern von Tischkultur-Umsatz ins Internet reagiert und unter anderem 14 eigene Läden geschlossen. Derzeit gibt es noch etwa 100. Außerdem hat V&B bei den Rabatten an den Großhandel die Bremse gezogen. Göring glaubt, dass in diesem Jahr der rückläufige Umsatz bei der Tischkultur gestoppt werden kann, zumal er damit rechnet, dass auch die ersten Online-Gegenmaßnahmen  greifen.



Gut gelaufen ist es bei V&B im vergangenen Jahr allerdings in der Sparte Bad und Wellness. Hier stieg der Umsatz um 6,4 Prozent auf 558,1 Millionen Euro. Wachstumstreiber war vor allem das Projektgeschäft – also die Ausstattung von Hotels mit Bädern der Marke V&B. In Deutschland war dies beispielweise das neue Westin-Hotel in der Hamburger Elbphilharmonie. Insgesamt kletterte der Umsatz im Projektgeschäft um 22 Prozent auf 81 Millionen Euro. Allerdings beflügelte auch die gute Baukonjunktur die Erlöse. Ein noch stärkeres Wachstum werde vor allem in Deutschland und Frankreich dadurch behindert, „dass es zu wenig qualifizierte Handwerker gibt“, sagte Göring. Daher lag der Auftragsbestand bei V&B Ende 2017 mit 107 Millionen Euro „deutlich über dem Vorjahr von 73,9 Millionen Euro“.

Trotz der Schwächen in der Sparte Tischkultur zeigte sich Finanzvorstand Markus Warncke mit der Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres  zufrieden. Der Gesamt-Umsatz stieg um zwei Prozent auf 836,5 Millionen Euro. Das Ebit verbesserte sich um 8,5 Prozent auf 49,8 Millionen Euro. „Damit sind die Erträge kräftiger gewachsen als die Erlöse.“ Dieser Trend soll sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Warncke erwartet für 2018 ein Umsatzplus zwischen drei und fünf Prozent sowie eine Steigerung des operativen Ergebnisses von fünf bis zehn Prozent. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung, die am 23. März stattfindet, eine Dividende von 57 Cent je Vorzugsaktie (Vorjahr 53 Cent) vor.

Villeroy & Boch hat im vergangenen Jahr allerdings auch kräftig investiert – insgesamt 35,9 Millionen nach 26,2 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Mehr als fünf Millionen Euro flossen hiervon in die Modernisierung der Waschbecken-Fertigung und der WC-Produktion in Mettlach. Der Keramik-Konzern beschäftigt insgesamt mehr als 8000 Frauen und Männer – davon knapp 1920 an der Saar.