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Ungewöhnliche Energienutzung
Tomatenernte auf Ex-Bergbaufläche

Tomate, Paprika oder Aubergine sollen künftig reifen, wo früher Bergleute mit der Förderung von Steinkohle beschäftigt waren.
Tomate, Paprika oder Aubergine sollen künftig reifen, wo früher Bergleute mit der Förderung von Steinkohle beschäftigt waren. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Homburg/Großrosseln. Auf dem Gelände des früheren Bergwerks Warndt soll ein Riesen-Gewächshaus entstehen. Es soll eine Fläche von zehn Hektar umfassen. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Warndt sollen demnächst Tomaten, Paprika oder Auberginen reifen. Der Unternehmer Albert Winzent will dort mit einem Partner aus der Großgärtnerei-Branche, der aus Baden-Württemberg kommt, ein Riesen-Gewächshaus bauen, Zehn Hektar soll es umfassen. Das sind mehr als 14 Fußball-Felder.


Schon vor zwei Jahren hatte Winzent das Vorhaben, das jetzt konkret wird, in groben Zügen vorgestellt. Es sollen rund 70 Arbeitsplätze entstehen. Pro Jahr sollen in diesem Mega-Gewächshaus 5300 Tonnen Tomaten oder 2700 Tonnen Paprika geerntet werden. Abnehmer sollen Einzelhandels-Filialketten sein, die auch im Winter frisches Gemüse aus der Region in ihren Regalen haben wollen. Das Gelände gehört der Firma Neue Energie Saar (NES), deren Inhaber Winzent ist. Zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner, der Bau-Unternehmensgruppe Geiger aus Oberstdorf (Allgäu), hat er die Firma Geiger Energietechnik mit Sitz in Homburg gegründet. Diese projektiert und entwickelt Energie-Konzepte für kleinere Unternehmen auf der Basis von Blockheizkraftwerken  (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von 50 Kilowatt (kW). Diese können mit Diesel oder Gas betrieben werden. „Wir wollen in erster Linie Strom produzieren, die Wärme soll an zweiter Stelle kommen“, sagt Alexander Paul, der bei Geiger Energietechnik das operative Geschäft leitet. Der Vorteil des Konzepts sei, dass die Projektierer unabhängig von den BHKW-Anlagenbauern sind und auch nicht zu einem Versorgungsunternehmen gehören. Daher könnten neutrale Kundenlösungen entwickelt werden.

Für Winzent sind große Gewächshaus-Betreiber der ideale Partner, um die BHKW-Lösungen von Geiger Energietechnik umzusetzen. „Die Häuser benötigen jede Menge  Strom für die vielen Lampen, mit denen sie künstliches Sonnenlicht ins Gewächshaus bringen wollen“, erläutert er. Mit dem Kühlwasser des BHKW werden die Glashäuser zudem beheizt. Daher soll die Anlage, die im Warndt geplant ist, eine Art Referenzobjekt werden.



Eine weitere interessante Branche ist für Projektleiter Paul die Lebensmittel-Industrie. Diese braucht neben Strom viel Kälte, die das BHKW über einen Absorber ebenfalls sicherstellen kann. Hier kann Geiger Energietechnik mit der Privat-Brauerei Zötler aus Rettenberg (Allgäu) bereits ein Referenz-Unternehmen vorweisen. Die traditionsreiche Familienbrauerei spare nach der Umsetzung des Geiger-Konzepts die Hälfte des bisherigen Strombedarfs ein – rund 400 000 Kilowattstunden (kWh). Das Investitionsvolumen habe bei 400 000 Euro gelegen. Als Kunden in diesem Segment kämen auch kleinere Molkereien und Käsereien infrage.

Seit Anfang des Jahres gibt es für die Geschäftserwartungen jedoch einen Dämpfer. Denn die EU hat festgelegt, dass jetzt auch auf BHKW­-Strom die volle Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) gezahlt werden muss – bisher waren es 40 Prozent. Die Bundesregierung läuft zwar Sturm gegen diese Entscheidung. Doch solange sie keine Änderung erreicht hat, sind die 6,8 Cent pro kWh fällig.

Albert Winzent ist Mit-Inhaber der Homburger Firma Terrag.
Albert Winzent ist Mit-Inhaber der Homburger Firma Terrag. FOTO: Lothar Warscheid

Mit Geiger verbindet Winzent eine langjährige Geschäftsbeziehung. Beide sind Gesellschafter der Homburger Firmengruppe Terrag, die sich unter anderem auf den Bau und Betrieb von Abfall-Deponien spezialisiert hat. Geiger beschäftigt 2000 Mitarbeiter und erwirtschaftet 400 Millionen Euro Umsatz.

Alexander Paul ist seit Jahren Geschäftspartner von Albert Winzent.
Alexander Paul ist seit Jahren Geschäftspartner von Albert Winzent. FOTO: Lothar Warscheid