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Strafzölle
EU hofft im Handelsstreit noch auf eine Einigung

Die EU droht den USA mit Strafzöllen auf Motorräder der Marke Harley Davidson.
Die EU droht den USA mit Strafzöllen auf Motorräder der Marke Harley Davidson. FOTO: Daniel Reinhardt / dpa
Brüssel. Falls die USA von Einfuhrabgaben für Stahl nicht abzubringen sind, droht Brüssel aber mit spürbar höheren Zöllen für amerikanische Waren. Von Detlef Drewes

Sollte US-Präsident Donald Trump wirklich die Zölle auf Stahl und Aluminium anheben, weiß die EU seit gestern, welche Produkte aus den USA sie im Gegenzug teurer machen will. Besonders ärgert die EU-Kommission, dass Trump seine Maßnahme mit der nationalen Sicherheit begründet und die Union somit zum Gegner erklärt.


Auch Whiskey-Importe will die EU teurer machen.
Auch Whiskey-Importe will die EU teurer machen. FOTO: Simone A. Mayer / dpa

Noch ist zwar nichts geschehen. Doch die EU hat sich schon einmal gewappnet. Auf sechs Seiten trug die Brüsseler Behörde in den vergangenen Tagen zusammen, welche amerikanischen Produkte mit zusätzlichen Abgaben belegt werden könnten: Cranberries, Bohnen, Erdnussbutter, Mais, T-Shirts, Herrenschuhe, kalifornischer Orangensaft, Makeup- und Kosmetikartikel, Sportboote und Motorräder. Insgesamt wären Waren und Produkte im Wert von rund 2,8 Milliarden Euro betroffen, heißt es in dem Papier, das vorerst noch unveröffentlicht bleibt, unserer Zeitung aber vorliegt. Auch für Whiskey, Zigarren und Zigaretten sowie übrigen Tabak will die EU-Kommission statt der bisher üblichen 75 Prozent an Zöllen deutlich mehr von den USA verlangen. Außerdem hat Brüssel die amerikanische Aluminiumproduktion im Visier. Auf fast eineinhalb Seiten drehen sich die EU-Strafmaßnahmen nur um Produkte der Stahlindustrie, die Trump mit seinem Protektionismus eigentlich schützen will – und sie damit umgekehrt für ein europäisches Embargo freigeben würde.

Doch noch ist es nicht so weit. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, die die Antwort der Gemeinschaft gestern präsentierte, zeigte sich gestern sogar noch hoffnungsvoll, dass Washington auf die Maßnahme entweder ganz verzichtet oder zumindest die EU ausnehmen werde. Denn: „Es ist einfach unfair“, eine Abschottung der USA auf die rechtliche Grundlage des Artikels zur Landessicherheit zu stellen. „Wir sind doch keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, sondern Verbündete“, betonte Malmström. „Wir sind immer noch zuversichtlich, einen großen Handelskrieg vermeiden zu können.“ Und „wir bitten die USA, das alles nochmal zu überdenken“.

Deswegen habe die Kommission „in enger Übereinstimmung mit den Mitgliedstaaten“ auch eine dreistufige Antwort ausgearbeitet, sagte die Kommissarin: An erster Stelle steht eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO). Außerdem müsse die Behörde die europäische Stahlbranche schützen – vor weiteren Billigimporten, die sich nach den USA nun neue Märkte suchen würden. Erst an dritter Stelle listet das Dokument höhere Abgaben auf US-Waren auf.



Brüssel will erkennbar niemanden verärgern. Dabei gibt man sich durchaus selbstkritisch. Denn der Vorwurf Trumps, sein Land sei von anderen „abgezockt worden“, scheint nicht völlig aus der Luft gegriffen. Je nachdem, wer welche Statistik in die Hand nimmt, ergeben diese durchaus Nachteile zu Lasten der Vereinigten Staaten – aber auch umgekehrt. Laut WTO erhoben die USA 2016 Einfuhrzölle von im Schnitt 3,5 Prozent. Die EU forderte 5,2 Prozent von ihren amerikanischen Freunden. Während Washington auf importierte Pkw nur 2,5 Prozent Zoll veranschlagt, langt die Union mit zehn Prozent deutlich spürbarer hin – bei Nutzfahrzeugen sei es umgekehrt, sagte Malmström.

Noch drastischer fallen die Unterschiede bei Tabak auf: Die USA schlagen 350 Prozent drauf, die EU nur 75 Prozent. Das seien alles Ungleichgewichte, die beide Seiten eigentlich im TTIP-Freihandelsabkommen beseitigen wollten. Doch Gespräche darüber sind bis auf weiteres vom Tisch.