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Neue grenzüberschreitende Ausbildungsklasse
Zwei Berufsabschlüsse in drei Jahren sind das Ziel

Harry Recktenwald (links) und Nicole Mohr von der Firma Steag im Saarland freuen sich auf ihre neuen lothringischen Auszubildende Francis Bournigault (Zweiter von links) und Stefano Binz.
Harry Recktenwald (links) und Nicole Mohr von der Firma Steag im Saarland freuen sich auf ihre neuen lothringischen Auszubildende Francis Bournigault (Zweiter von links) und Stefano Binz. FOTO: Hélène Maillasson
Saargemünd. Neuer grenzüberschreitender Ausbildungszweig zwischen Lothringen und dem Saarland startet im Bereich Elektrotechnik. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Mit fünf jungen Männern ist der erste Jahrgang der neuen grenzüberschreitenden Ausbildungsklasse noch bescheiden. Doch muss man bedenken, dass die Idee dieses Ausbildungsweges erst vor ein paar Monaten auf den Tisch kam. Für den zweiten Jahrgang „ab nächsten September gibt es bereits jetzt einen Interessenten“, sagt Jean-François Reinert. Auch während der Sommerferien hat sich der Schulleiter der Berufsfachschule Henri Nominé in Saargemünd mächtig ins Zeug gelegt, damit der erste Jahrgang der grenzüberschreitenden Ausbildung „Elektroniker für Betriebstechnik“ bereits in diesem Schuljahr an der Start gehen kann. Dieses Ausbildungsangebot gibt es in Lothringen schon, in Yutz bei Thionville. Doch von Saarbrücken ist es bis dahin über eine Stunde Autofahrt, und nicht jeder Azubi besitzt einen eigenen Wagen. „Das Interesse an einer binationale Ausbildung über die Grenze hinweg ist da. Doch die Mobilität bleibt in vielen Fällen ein Hindernis, das schwierig zu überwinden ist“, berichtet Agnès Febvay, die bei Region Grand Est für den Bereich Ausbildung zuständig ist. „Wir hatten in den letzten Monaten vermehrt Anfragen von deutschen Unternehmen, die gerne französische Lehrlinge aufnehmen wollten, sich aber eine Kooperation mit einer Berufsschule in unmittelbarer Grenznähe wünschten.“


Einer dieser Betriebe ist der Energiekonzern Steag. „Wir haben viele Projekte mit Frankreich. Mitarbeiter, welche die deutsche Ausbildung absolvieren und zugleich Französisch sprechen, werden deshalb immer wichtiger“, sagt Nicole Mohr. Das war der Grund, warum ihr Unternehmen sich dazu entschieden hat, mit Francis Bournigault und Stefano Binz gleich zwei jungen Franzosen als Azubis aufzunehmen.

Der 23-jährige Bournigault aus Creutzwald startet mit einem großen Vorteil: Er ist in einer binationalen Familie aufgewachsen und daher sehr gut Deutsch. Seine Schullaufbahn absolvierte er dennoch in Frankreich. „Der Bereich Elektrizität und Energieerzeugung interessiert mich sehr. Ich wäre auch bereit gewesen, eine reine deutsche Ausbildung zu machen, aber das grenzüberschreitende Angebot mit der Fachschule in Saargemünd und dem Betrieb im Saarland gefällt mir besser“, sagt er. Nach drei Jahren wird er sowohl den französischen als auch den deutschen Abschluss besitzen. „Das ist in diesem Bereich sehr wichtig, weil Mitarbeiter, die keinen deutschen Abschluss haben, oft nicht befähigt sind, alle Geräte zu bedienen“, sagt Franziska Prinz, Vermittlerin bei der Arbeitsagentur. Den Absolventen stehen nach der Ausbildung sowohl der französische als auch der deutsche Arbeitsmarkt offen, um nach einer Stelle zu suchen. Ein Angebot haben Binz und Bournigault schon. Steag bildet für den Eigenbedarf aus und würde die beiden bei erfolgreichem Abschluss gerne übernehmen.