Wieder mal der beste 911 aller Zeiten

Automobil : Wieder mal der beste 911 aller Zeiten

Porsche hat die achte Generation seiner Sportwagen-Ikone vorgestellt. Assistenzsysteme und Konnektivität überlagern fast das Leistungsvermögen.

„Jede Generation des 911 hat sich durch technische Highlights ausgezeichnet und den Carrera immer jung gehalten.“ August Achleitner, der Entwicklungsleiter der Porsche-Baureihe 929 oder besser der nunmehr achten Generation der Sportwagen-Ikone 911 Carrera, ist sichtbar stolz auf den Erfolgslauf des Kernmodells der Marke

Seit 1964 auf dem Markt, ist es gerade zum Millionär geworden, die Produktionszahl hat siebenstellige Höhe erreicht. Die jüngste Ausgabe des Elfer, kürzlich auf der Auto-Show in Los Angeles vorgestellt, tanzt nicht aus der Reihe. Eine komplette Seitenwand aus Aluminium, noch stärkere Motoren, die dank Partikelfilter so sauber sind wie nie zuvor, und eine ganze Reihe von Assistenzsystemen, darunter ein Fahrmodus, der dem Heckmotor-Coupé bei nasser Fahrbahn die Schärfe nimmt, sind die herausragenden Konstruktionsmerkmale des neuen 911.

Die Gestalt der Neuauflage neigt zur Opulenz. Aus dem einst so schlanken Sportler ist ein dicker Batzen geworden, das Heck prahlt mit wuchtigen Formen.

Verschiedene Raddurchmesser vorne und hinten verbessern die Fahreigenschaften, LED-Matrix-Scheinwerfer und ein Nachtsichtassistent die Sicht des Piloten. Für günstigere aerodynamische Verhältnisse sorgen stufenlos schließende Lufteinlässe vorn. Der Wet-Mode-Assistent warnt den Fahrer akustisch vor Aquaplaning mithilfe von Sensoren in den vorderen Radhäusern, die aufgewirbeltes Wasser registrieren. Erkennt das System eine nasse Fahrbahn, wird das Ansprechverhalten des Stabilitäts-Managements und des Traktions-Managements so geändert, dass beide Systeme früher und sensibler eingreifen. Bei den allradgetriebenen Versionen werden der Vorderachse höhere Momente zugeschlagen. Auch die Gangwechsel des Doppelkupplungsgetriebes passen sich an nasse Fahrbahnen an, um die Spurstabilität zu verbessern.

Der 3,0-Liter-Biturbo-Boxer holt aus sechs Zylindern 450 PS/331 kW und 530 Newtonmeter Drehmoment. Die Nürburgring-Nordschleife bezwingt der Wagen in 7:25 Minuten und ist somit fünf Sekunden schneller als der Vorgänger.

Aufgeräumt hat Porsche den Innenraum. Das digitale Kombiinstrument mit zwei 7-Zoll-Displays und dem traditionell mittig angesiedelten analogen Drehzahlmesser korrespondiert mit dem zentralen 10,9 Zoll großen HD-Monitor. Die Mittelkonsole ist von der Vielzahl der Knöpfe und Tasten befreit, die meisten Funktionen werden über Menüs gesteuert. Unter dem Bildschirm gibt es fünf frei programmierbare Tasten für schnellen Zugriff auf die am meisten gewählten Bedienungsschritte. Die verschiedenen Fahr-Modi lassen sich ebenfalls direkt über einen Drehsteller am Lenkrad anwählen.

Der Sechszylinder-Boxermotor hat einen asymmetrischen Ventilhub für bessere Verbrennung und vergrößerte Turbolader bekommen. Er liefert nun 30 Newtonmeter mehr als bisher. Auch das Doppelkupplungsgetriebe PDK steht in zweiter Generation zur Verfügung. Es hat nun aus Gründen der Effizienz eine Einspritzschmierung und ist fit für die Hybridisierung.

Ob die jüngste Elfer-Generation weiterhin mit einem manuell schaltenden Getriebe ausgerüstet werden soll, wurde in den Weissacher-Entwicklungsabteilungen dem Vernehmen nach heftig diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass auch der neue Elfer mit handgeschalteten sechs Gängen ab März 2019 zu den Kunden kommt. Denn von den Käufern des Vorgängermodells wollten immerhin zehn Prozent eine Handschaltung. Es ist erstaunlich, dass in den Vereinigten Staaten, einem der wichtigsten Automatik-Märkte schlechthin, sogar 20 Prozent der Handschaltung den Vorzug gaben.

Ein Dieselmotor war für den 911 nie im Gespräch. Zwar sind weitere Porsche-Baureihen wie die SUVs Macan und Cayenne sowie die Luxuslimousine Panamera mit Dieselantrieb erhältlich, allerdings geht der gerade aufgefrischte Macan ohne Diesel in die zweite Lebenshälfte, und vermutlich wird es auch für die Nachfolger von Cayenne und Panamera keinen mehr geben.

Porsche setzt lieber auf den Hybridantrieb. Nachdem dieses Antriebskonzept sogar im Hochleistungssportler 918 im Renneinsatz überzeugt hat, wird die Marke wohl diesen Weg beschreiten, bevor in ferner Zukunft auch das Brüllen der Sechszylinder-Boxermotoren dem leisen Säuseln eines Elektroantrieb weichen muss.

Schon heute folgt Porsche den technischen Trends und rüstet selbst den Carrera mit einer Fülle von elektronischen Helfern aus. Manch einen Puristen, der das bisweilen giftige Fahrverhalten vor allem bei Nässe gerade als Kaufargument für seinen Elfer gewertet hat, wird das nicht erfreuen. Aber angesichts der Produktionsrekorde, die der Stuttgarter Sportwagen in schönster Regelmäßigkeit aufstellt, und der damit verbundenen Zahl von vielleicht nicht so enthusiastischen Autofahrern wird Porsche um mehr Sicherheitssysteme und eine bessere Konnektivität nicht herum kommen.

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