Automobil : Es gibt noch keine alternativen Antriebe für Reisemobile

Die Caravaning-Branche jagt von einem Zulassungshoch zum nächsten, es ist kein Ende der Rekordjagd in Sicht. Geld zu verdienen, macht Spaß, das war auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf deutlich spürbar und ist auf der ersten Camping-Messe des Frühjahrs, der CMT in Stuttgart, nicht anders gewesen.

Die meisten Hersteller schauen auch lieber aufs Konto als in die Zukunft. Die Fragen nach möglichen Fahrverboten für die in aller Regel dieselgetriebenen Reisemobile stellen eher die Besucher als die Anbieter. Dabei sind die ersten Sperrungen von feinstaubbelasteten Innenstädten schon in Sichtweite, die lokalen Behörden setzen damit lediglich geltendes Recht um.

Doch wie der Antrieb des Reisemobils der Zukunft aussehen soll, kann zurzeit kaum jemand nachvollziehbar beantworten. Martin Brandt, Vorstand der Hymer-Gruppe, die mit ihren Tochtermarken fast die Hälfte des Marktes in Deutschland bedient, sieht jedoch Lösungsansätze. Elektromobilität wird es in absehbarer Zeit wohl nicht sein, auch wenn Dethleffs, ebenfalls ein Mitglied der Hymer-Familie, bereits 2017 auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf den e-home gezeigt hat, die Studie eines Elektro-Reisemobils.

Dieses Alkovenmodell ist rundum mit Photovoltaik-Zellen bestückt, ein batteriegespeister Elektromotor sorgt für den Vortrieb. Es wird die Nachbarn auf dem Campingplatz erfreuen, wenn ein Reisemobil fast geräuschlos auf die Parzelle rangiert. Dort wird es jedoch eine Weile stehen, denn die Ladezeit der Akkus ist lang. Auch die Reichweite ist mit etwa 120 Kilometern eher bescheiden, es bedarf eben eines hohen Energieaufwandes, um mehr als drei Tonnen Masse zu bewegen.

Allerdings gehen die Hersteller von Basisfahrzeugen auf dem Weg in die Zukunft der Nutzfahrzeugbranche stramm voran. Mercedes-Benz zeigte bereits rein elektrisch angetriebene Liefer- und Lastwagen, VW kündigt die Serienproduktion des i-Buzz an, einem eher als Lifestyle-Auto denn als Transporter gedachten Van. Eckhard Scholz, ehemaliger Vorstandschef von VW-Nutzfahrzeuge, sieht den Elektroantrieb mittelfristig sehr wohl im Reisemobil. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Batterietechnik den nötigen Energievorrat bereitstellen könne.

Der oft bemühte Vergleich mit dem Elektro-Transporter der Post hinkt jedoch, denn der ist wesentlich leichter und fährt auf festgelegten Routen, was bei einem Reisemobil wohl selten der Fall sein dürfte. Andere Hersteller setzen dagegen auf Erdgas. Fiat etwa hat gasbetriebene Nutzfahrzeuge im Programm. Warum sollte ein Reisemobil nicht mit dieser Energieform angetrieben werden?

Dieser Ansicht ist auch Hymer-Chef Martin Brandt. Schon vor etwa zehn Jahren entwickelte die Marke in Kooperation mit einer Fachzeitschrift ein Reisemobil mit Gasmotor. Die schwachen Fahrleistungen rührten vom niedrigen Drehmoment der 2,0-Liter-Maschine her. Heute könnte fortschrittliche Technik dieses Manko beheben.

„Gas“, sagt Brandt, „haben wir im Reisemobil ja sowieso an Bord, wir nutzen es zum Betrieb von Heizung und Wasserkocher sowie des Kühlschranks“. Unter dem Boden der Fahrzeuge gebe es genügend Platz, um ausreichend große Tanks einzubauen, die eine angemessene Reichweite ermöglichten. Der Hymer-Chef gibt dieser Technik weitaus größere Chancen als möglichen Hybrid-Systemen, die von der Autoindustrie als Brückentechnik präferiert wird. „Das ist ganz einfach zu schwer für unsere Fahrzeuge.“ Martin Brandt weiß, wovon er spricht. Rund 100 Millionen Euro investiert sein Unternehmen in den kommenden Jahren in Leichtbau-Technik.

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