Jaguar F-Pace SVR: Kraftprotz aus britischer Edelschmiede

Jaguar F-Pace SVR : Kraftprotz aus britischer Edelschmiede

Außergewöhnliche Kundenwünsche werden bei Jaguar von einer eigenen Abteilung erfüllt. Aus dem Bereich kommt auch das jüngste Modell F-Pace SVR.

Für Kunden von Jaguar-Land Rover, die kein Auto von der Stange kaufen möchten, ist der Besuch im SVO-Technikzentrum in der Stadt Coventry in Zentralengland eine freudvolle Pflicht. Nach eigenen Vorstellungen und Wünschen können sie dort Ausstattungen in allen möglichen Kombinationen zusammenstellen. Individualisierung ist das oberste Gebot, was natürlich seinen Preis hat. Selbst eine Karosserie-Panzerung wird in der hauseigenen SVO-Werkstatt durchgeführt.

In jedem Fall ist Handwerkskunst gefragt, gerade bei der Anfertigung von Kleinserien wie etwa dem Jaguar Project 7, der auf Basis des F-Type Cabriolets in einer limitierten Auflage von 250 Autos gebaut wurde. Das Modell ist längst ausverkauft. Aktuell tüfteln die SVO-Spezialisten am bislang leistungsstärksten Jaguar mit Straßenzulassung. Der 600 PS/441 kW starke Project 8 basiert auf der XE-Limousine und kostet über 180 000 Euro – 150 der geplanten 300 Exemplare sind bereits fertiggestellt.

Mit dem Jaguar F-Pace SVR haben die Raubkatzenzüchter jetzt ihr neuestes Baby aus dem Käfig gelassen. Bei diesem Allrad-SUV wurde der aus anderen Modellen bekannte Achtzylindermotor mit 550 PS/405 kW unter die vordere Haube implantiert. In Verbindung mit der Achtgang-Automatik sprintet der gut zwei Tonnen schwere F-Pace in 4,3 Sekunden von null auf hundert und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h. Das sind deutlich höhere Werte als beim bislang stärksten F-Pace 300 Sport, dessen Vierzylinder-Turbo 300 PS/221 kW leistet. Die Interessenten dürfte es kaum kümmern, dass ein Preissprung von knapp 30 000 Euro auf die dann mindestens 100 100 Euro für den SVR einhergeht.

Darin enthalten sind weitere Anpassungen und Veränderungen unter dem Blech sowie an Innen- und Außengestaltung. Das neue Fahrwerk mit strafferen Federn und Dämpfern sowie verstärkten Stabilisatoren hält den Leistungssportler nach allen Regeln der Physik zuverlässig in der Spur und verringert die Seitenneigung der Karosserie. Seine leichten geschmiedeten Felgen mit ihren vorn und hinten unterschiedlich breiten Gummiwalzen sind mindestens 21 Zoll groß. Dahinter findet die Bremsanlage mit größeren und zweiteiligen Bremsscheiben sowie den rot lackierten Bremssätteln problemlos Platz. Nicht sichtbar sind dagegen das neue elektronische Hinterachsdifferential sowie die Anpassung der Software für Getriebesteuerung, Lenkung und die adaptiven Stoßdämpfer. In dem per Tastendruck wählbaren Dynamik-Modus werden all diese Funktionen nochmals schärfer eingestellt.

Damit der Motor ausreichend Sauerstoff bekommt, wurden die Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger vergrößert. Neue Öffnungsschlitze in der Motorhaube tragen dafür Sorge, dass es darunter nicht zu einem Hitzestau kommt. Breiter geworden sind Kotflügel und Seitenschweller, der Dachspoiler in neuer Form hat in der Größe zugelegt. Der heiße Atem des Motors wird über eine vierflutige Titan-Abgasanlage, deren Klappen auf Knopfdruck geöffnet werden können, unter lautem Fauchen und Brüllen nach außen abgeleitet.

Hat ein meist männlicher, PS-hungriger Fahrer auf dem Ledersportsitz mit Rautenmuster Platz genommen und den Startknopf gedrückt, blickt er auf einen 12,3 Zoll großen Bildschirm, auf dem die Instrumentenanzeigen digital und je nach Fahrmodus in wechselnden Farben dargestellt werden. Der Drehregler in der Mittelkonsole ist verschwunden und wurde durch den Getriebewählhebel aus dem F-Type ersetzt. Schaltwippen am Lenkrad ermöglichen zusätzlich manuelle Eingriffe in die Gangwechsel. Unsere erste Testfahrt über kurvenreiche Bergstraßen zeigte allerdings, dass die Automatik jederzeit und ohne spürbare Verzögerung auch ohne eigenes Zutun die passende Schaltstufe fand.

Am Sportwagen Project 8 wird derzeit gearbeitet. Er soll der bislang leistungsstärkste Jaguar mit Straßenzulassung werden. Foto: Jaguar
Trotz seiner knapp zwei Tonnen Gewicht sprintet der Jaguar F-Pace SVR in 4,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Foto: Jaguar

Der angegebene Normverbrauch von 11,9 Litern Super entlockt dem SVR-Eigentümer gemeinhin nur ein müdes Lächeln – fünf Liter mehr auf hundert Kilometer sind in der Praxis keine Seltenheit. Apropos selten: Aussterben werden die Heißsporne mit den überbordenden Kraftpaketen wohl nie. Aber wo und wie oft sie damit noch Gassi gehen können, vermag derzeit niemand zu prophezeien.

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