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Gentherapie kann das Leben von Fliegen um die Hälfte verlängern

Ein einzelnes Gen kann den Alterungsprozess von Fruchtfliegen bremsen, haben Biologen der Uni Bern herausgefunden. Dieser Abschnitt der Erbinformation sorgt dafür, dass kranke Zellen im Körper zerstört werden. Nico Pointner

Bern. Was ist das Geheimnis eines langen und gesunden Lebens? Biologen versuchen diese Frage zu beantworten, indem sie zunächst nach Wegen suchen, die Lebensdauer von Fliegen oder Mäusen zu verlängern. Das ist Forschern des Instituts für Zellbiologie der Universität Bern nun gelungen. Sie fanden ein Gen, das die Lebensspanne von Fliegen entscheidend verlängern kann.

Der normale Alterungsprozess führt dazu, dass sich in den Zellen im Lauf der Jahre Fehler in der Erbinformation häufen, erklärt Studienleiter Professor Eduardo Moreno. Diese Defekte sind aber nicht gleichmäßig verteilt. "Wir kamen deshalb auf die Idee, dass wir die Gesundheit des Zellgewebes und damit die Lebensdauer eines Organismus erhöhen können, indem wir die gesunden Zellen auslesen und die beschädigten eliminieren."

Die Schweizer Forscher konzentrierten sich auf die Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Morenos Team entdeckte dabei ein Azot genanntes Gen, das geschädigte Zellen zerstört und von dem es normalerweise in jeder Zelle zwei Kopien gibt. Fügten die Schweizer Wissenschaftler bei ihren Versuchstieren eine dritte Kopie des Gens ins Erbgut ein, habe das "äußerst aufregende" Effekte zur Folge gehabt, so Moreno. Die Fliegen seien langsamer gealtert. Ihre Lebensspanne habe sich um mehr als 50 Prozent verlängert. Weil das Azot-Gen auch im menschlichen Körper vorkommt, wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, welche Auswirkungen es dort auf den Alterungsprozess von Gewebe- und Nervenzellen hat.