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Forscher untersuchen Flüssigkeitsatmung für Lungenkranke

Wissenschaftler der Universität Freiberg wollen Perfluorcarbon, eine synthetische Substanz, die auch als Blutersatz genutzt wird, als Atemflüssigkeit testen. Sie soll Sauerstoff zu den Lungenbläschen transportieren. Nico Pointner

Freiberg. Keine Luft, sondern Flüssigkeit in der Lunge zu haben, ist eine Vorstellung, die den meisten Menschen Albträume bereitet. Dabei ist das Atmungsorgan jedes Menschen in seinen allerersten Lebensmonaten als Embryo mit Flüssigkeit gefüllt, auch wenn das ungeborene Kind selbst nicht atmet.

Weil Flüssigkeiten bei geringem Druck sehr viel Sauerstoff transportieren können, untersuchen nun Wissenschaftler der Technischen Universität Freiberg das Verfahren der Flüssigkeitsatmung für mögliche Anwendungen in der Medizin. "Patienten mit Erkrankungen der Lunge können von der Flüssigkeitsbeatmung profitieren. Denn sie arbeitet mit weit geringeren Drücken als es bei der Überdruckbeatmung der Fall ist, die heute bei Atemnot meist angewandt wird", so Dr. Katrin Bauer vom Institut für Mechanik und Fluiddynamik. Bislang gebe es diese Technik allerdings nur in experimenteller Form in der Akutmedizin bei Frühgeborenen oder schwer lungenkranken Patienten. Bei der Flüssigkeitsatmung wird die Kohlenwasserstoffverbindung Perfluorcarbon (PFC) in die Lunge gepumpt. Die synthetische Substanz, die auch als Blutersatz benutzt wird, sei bei identischem Volumen doppelt so schwer wie Wasser, könne jedoch im Vergleich die 20-fache Menge an Sauerstoff transportieren und gelte darüber hinaus als gesundheitlich unbedenklich.

Die Forscher gehen davon aus, dass diese Flüssigkeit einfach in kollabierte Lungenbereiche eindringen kann, sie öffnet und so diese Zonen wieder für die Sauerstoffversorgung verfügbar macht, erklärt Katrin Bauer.

Dabei sind allerdings noch zahlreiche Fragen zu klären: Wie verteilt sich die Substanz in der Lunge ? Und wie verhalten sich der Sauerstoff und das ausgeatmete Kohlendioxid? Das soll an einem Modell der oberen Atemwege getestet werden, das die Forscher während in den kommenden zwei Jahren bei ihrer Untersuchung benutzen.