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Studie
Kitas sehen Anstieg bei Kinderarmut

Mehr als Spielecken: Kitas fordern mehr Anerkennung.
Mehr als Spielecken: Kitas fordern mehr Anerkennung. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Düsseldorf. Erzieherinnen beklagen mangelnde politische Unterstützung für ihren Berufsstand.

In deutschen Kindertagesstätten steigt der Anteil der Kinder aus armen Familien. Das geht aus einer Studie für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) und den Informationsdienstleister Wolters Klüwer hervor, für die rund 2400 Kita-Leiter aus ganz Deutschland befragt wurden. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass immer mehr arme Kinder betreut würden. Allerdings verfüge nur die Hälfte der Einrichtungen über spezielle Angebote für diese Zielgruppe, erklärte der Sozialwissenschaftler Professor Ralf Haderlein gestern bei der Vorstellung der Studie in Düsseldorf.


„Die Kinderarmut nimmt zu“, sagt Kita-Leiterin Barbara Nolte, ehrenamtliche VBE-Referatsleiterin. „Immer mehr Kitas sorgen für Frühstück, weil viele Kinder nie Frühstück mit haben – oder etwas, das niemand essen möchte.“ Außerdem veranstalteten immer mehr Kitas Flohmärkte für Kleidung und „Mitnahmeschränke“ etwa für Bücher.

Bemerkenswert sei, dass trotz aller Politiker-Bekenntnisse nur vier Prozent der Kita-Leiter den Eindruck äußerten, ihre Arbeit erfahre seitens der Politik tatsächlich starke Wertschätzung, sagte Haderlein. Über 80 Prozent beklagten ausdrücklich mangelnde Wertschätzung. „Das müsste Politikern die Schamesröte ins Gesicht treiben“, unterstrich der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. „Die Politik lässt ihren Versprechungen keine Taten folgen.“ Er forderte mehr Unterstützung für „die Herkulesaufgabe frühkindliche Bildung“.

Die Erzieher – zu 95 Prozent Frauen – leiden auch unter dem hartnäckigen Vorurteil, sie seien noch „die Spiel- und Basteltanten“, sagte Haderlein. „Dass Bildung ein Mittelpunkt in jeder Kita geworden ist, spiegelt sich in der Gesellschaft nicht wider.“ Neben mangelnder Anerkennung bleibe auch fehlendes Personal ein großes Problem. Bis 2025 drohe bundesweit eine Fachkräftelücke von rund 300 000 Beschäftigten. Derzeit arbeiten laut Haderlein rund 700 000 Angestellte in rund 40 000 Kitas. Für die Angleichung der deutschen Kita-Verhältnisse an europäische Standards seien jährlich bis zu zehn Milliarden Euro nötig.