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Korea
Große Gesten und historische Worte

FOTO: dpa / Korea Summit Press Pool
Panmunjom. Hoffnung auf Entspannung: Nordkoreas Machthaber verspricht auf seinem ersten Gipfel mit Südkoreas Präsident eine atomare Abrüstung. Trotzdem bleiben Fragezeichen. Von Dirk Godder und Andreas Landwehr

Es sind Bilder für die Geschichtsbücher: Der Handschlag von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsidenten Moon Jae In über die Demarkationslinie zwischen den blauen Baracken hinweg. Wie einfach sie dann über die kalte Betonschwelle im Boden nach Süden, nach Norden hin und her schreiten – als ob die Teilung der zwei Koreas so leicht zu überwinden wäre. Dann der „Friedensbaum“, den beide an der Grenze pflanzen, die zu den gefährlichsten, am schwersten bewachten der Welt gehört. Es folgt ihre Umarmung, nachdem sie die gemeinsame Vereinbarung unterschrieben hatten, die „ein neues Kapitel“ in ihrer Geschichte aufschlagen soll, eine neue „Ära des Friedens“.


Ja, sie seien „gute Freunde geworden“, sagt der südkoreanische Präsident beim Abendessen und erhebt das Sektglas auf seine ungewöhnlichen Gäste aus Nordkorea. Ja, er meint den Machthaber, der am Neujahrstag noch mit dem „Atomwaffenknopf“ auf seinem Schreibtisch gedroht hatte. Er meint Kim, der die Region im Vorjahr mit Atom- und Raketentests an den Rand eines Krieges gebracht hatte. Der junge Machthaber entschuldigt sich bei dem historischen Gipfel am Freitag noch höflich, dass er Moon mit den meist frühmorgendlichen Tests um den Schlaf gebracht habe.

Beide Politiker halten sich am Ende sogar einträchtig an der Hand, als sie auf der Tribüne der bunten, musikalischen Abschiedszeremonie lauschen. Alles sehr beeindruckend. Aber das ist Südkorea. Das Land der großen Gesten, der großen Symbolik. Auch das Land der monumentalen Enttäuschungen, weil frühere Gipfel schon mit ähnlich vollmundigen Versprechen und leidenschaftlichen Plänen zu Ende gegangen waren, die am Ende nicht erfüllt wurden.



Auch US-Präsident Donald Trump feiert den Erfolg des Gipfels, aber der Abschaffung des Atomarsenals ist er nur einen ganz kleinen Schritt näher gekommen. Erstmals bekennt sich Kim in der gemeinsamen Erklärung öffentlich zu einer „kompletten Denuklearisierung“. Außerdem soll das seit dem Ende des Koreakrieges vor 65 Jahren gültige Waffenstillstandsabkommen noch in diesem Jahr durch einen Friedensvertrag ersetzt werden. Nach Jahrzehnten der Spannungen soll es endlich eine Aussöhnung geben.

Zwar hat derselbe Kim noch vor einer Woche den Aufbau seines Atomwaffenprogramms gefeiert. Das vage Versprechen ist aber ausreichend, um den Weg für das geplante Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump in wenigen Wochen zu ebnen. Bis zu einer vollständigen Beseitigung des Atomarsenals ist allerdings noch ein sehr weiter Weg. Hat Trump die Geduld? Ein Friedensvertrag, Sicherheitsgarantien, Entspannung: Die Charmeoffensive Kims und die Aussöhnung der zwei Koreas könnten es ihm schwer machen, seine Kampagne des „maximalen Drucks“ mit Sanktionen aufrechtzuerhalten.

„Nordkorea ist ein Atomwaffenstaat“, sagt Andrej Lankow von der südkoreanischen Kookmin-Universität. „Das ist eine Tatsache. Sie haben Atomwaffen und können sie explodieren lassen. Wir müssen uns mit der Realität auseinandersetzen.“ Genau das ist der Punkt: Die USA und ihre Verbündeten Südkorea und Japan wollen Nordkorea niemals als Atommacht anerkennen. Sie verlangen einen kompletten, überprüfbaren und unumkehrbaren Abbau des Programms. Genau davon hat Kim am Freitag nicht gesprochen.