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Stephen Hawking
Der Erklärer des Universums

                   Der britische Astro-Physiker Stephen Hawking bei einer Konferenz im Jahre 2008. Das Genie war so etwas wie ein Popstar der Wissenschaft. Seine Bücher verkauften sich millionenfach. Im März 2018 starb der schwer kranke Hawking mit 76 Jahren.
            Der britische Astro-Physiker Stephen Hawking bei einer Konferenz im Jahre 2008. Das Genie war so etwas wie ein Popstar der Wissenschaft. Seine Bücher verkauften sich millionenfach. Im März 2018 starb der schwer kranke Hawking mit 76 Jahren. FOTO: dpa / Stefan Zaklin
Astro-Physiker Stephen Hawking war eines der größten Genies unserer Zeit. Dennoch hat er immer versucht, schwierigste Fragen auch der breiten Masse näher zu bringen. Von Katrin Pribyl

Als Stephen Hawking anlässlich seines 70. Geburtstags nach Cambridge zu einer Party einlud, flankierte eine Konferenz „zum gegenwärtigen Stand auf dem Feld der Schwarzen Löcher und Kosmologie“ das Fest. Das klang nicht gerade nach einem glamourösen Gesellschaftsereignis. Doch es sagt viel über die große Anziehungskraft des britischen Astro-Physikers aus, dass neben Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern unter anderem der milliardenschwere Geschäftsmann Richard Branson und das Model Lily Cole erschienen.


Es gehörte immer zu den Anliegen von Hawking, schwierigste Fragestellungen auch Menschen außerhalb der Wissenschaftswelt näher zu bringen. Dafür nutzte er jede Möglichkeit. Seiner eigenen Geburtstagsparty musste Hawking damals aus gesundheitlichen Gründen zwar fernbleiben. Der Popstar der Wissenschaft sollte aber noch etliche Gelegenheiten erhalten, über die großen Themen dieser Zeit zu sprechen, während die Welt gebannt der markanten Roboterstimme aus dem Sprachcomputer lauschte – bis sie in diesem Jahr für immer verstummte.

Am 14. März starb Stephen Hawking im Alter von 76 Jahren. Ausgerechnet an dem Datum, an dem Albert Einstein im Jahr 1879 geboren wurde. Mit dem Genie wurde Hawking immer wieder verglichen aufgrund seiner bahnbrechenden Erkenntnisse über den Urknall, Schwarze Löcher und die Quantenphysik. Zu seinen bedeutendsten Erfolgen gehörte etwa, dass er vor mehr als 40 Jahren prognostizierte, dass Schwarze Löcher – gewaltige, massereiche Objekte im Kosmos – unter bestimmten Umständen Energie verlieren. Deren Strahlung wurde nach Hawking benannt. Sein populärwissenschaftliches Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wurde weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft.



Der „Erklärer des Universums“ redete regelmäßig über den Tod. Doch Angst davor, so sagte er stets, verspüre er nicht – auch wenn er nicht an das Konzept eines Jenseits glaubte. „Ich betrachte das Gehirn als einen Computer, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren“, sagte Hawking einmal. „Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer. Das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.“

Geboren am 8 Januar 1942 in Oxford, studierte Hawking erst Physik an der Universität Oxford, dann Kosmologie am Trinity College in Cambridge. 1964 teilten ihm seine Ärzte mit, er habe nur noch zwei Jahre zu leben, vielleicht drei. Der 21-jährige Student, der gerne ruderte und ritt, war verzweifelt, als bei ihm die Muskelschwäche Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert wurde. Doch er fand neuen Mut und lebte letztlich mit der degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, die nach und nach jeden Muskel lähmt, mehr als ein halbes Jahrhundert länger als vorhergesagt. Er heiratete zweimal und bekam drei Kinder. Seit 1968 saß Hawking im Rollstuhl. 1979 erhielt er in Cambridge die Lucasian Professur für Mathematik, die einst Isaac Newton innehatte.

Mitte der 80er Jahre hatte ein Luftröhrenschnitt aufgrund einer Lungenentzündung die Folge, dass er nicht mehr selbst sprechen konnte. Seine mächtige Stimme aber verlor Stephen Hawking nie. 2009 setzte er sich zwar zur Ruhe. Doch er äußerte er sich weiterhin zu den großen Fragen der Menschheit, zum Universum, zu Gott wie auch zu politischen Themen.

Für einige wird er als einer der größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Viele andere werden ihn für etwas in Erinnerung bewahren, das nicht weniger wertvoll ist: Stephen Hawking war ein Mann, der sich durch seine feste Entschlossenheit definierte, sein Leben nicht durch seine Krankheit bestimmen zu lassen.