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USA: Der Verstoßene kehrt zurück ins Rampenlicht

USA : Der Verstoßene kehrt zurück ins Rampenlicht

Ex-Chefberater Bannon trommelt zum Aufstand gegen Trumps Kritiker.

Als Steve Bannon seinen Schreibtisch im Weißen Haus räumen musste, sah es für kurze Zeit so aus, als habe er den Zenit seiner Macht überschritten. Zwei Monate später steht er wieder im Rampenlicht, ein strammer Ideologe, der Donald Trump dafür lobt, dass er endlich durchzieht, was er seinen Anhängern auf Wahlkampfbühnen versprach.

Am Freitag leitete der US-Präsident einen Prozess ein, der mit dem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran enden kann. Zuvor hatte er Zuschüsse des Fiskus für Krankenversicherer gestrichen, de facto ein Sargnagel für die Gesundheitsreform Barack Obamas, nachdem der Versuch, letztere im Kongress abzuwickeln, blamabel gescheitert war. „Sieg folgt jetzt auf Sieg“, triumphiert Bannon. „Dies ist das Trump-Programm. Es ist das, was wir immer schon wollten.“

Wer glaubte, mit dem Rückzug des Strategen aus der Regierungszentrale schwinde auch dessen Einfluss, womöglich sogar dessen Selbstbewusstsein, sieht sich eines Besseren belehrt. Bannon denkt nicht daran, sich mit dem Posten zu begnügen, auf den er zurückgekehrt war, nachdem er einen kurzen, heftigen Machtkampf gegen Trumps neuen Stabschef John Kelly verloren hatte. Der Chefposten bei Breitbart News, dem rechtspopulistischen Internetportal, wird seinem Ehrgeiz nicht annähernd gerecht. Also gefällt sich der 63-Jährige in der Rolle des Zuchtmeisters, der Trumps innerparteilichen Kritikern mit der Rache der Basis droht, falls sie nicht einschwenken. Bannon sieht sich, so sagt er das, in einem Guerilla­krieg. Sein Feind ist das Establishment der „Grand Old Party“.

„Es ist an der Zeit, in die Schlacht zu ziehen gegen das republikanische Establishment“, polterte der frühere Goldman-Sachs-Banker neulich auf dem „Values Voter Summit“, einem Kongress rechtskonservativer Aktivisten. Durch eine Mischung aus Sabotage und Inkompetenz versuchten die Arrivierten, US-Präsident Trump Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Das aber würden rebellische Fußsoldaten resolut bestrafen, kündigte Bannon an. Bei den Primaries, die darüber entscheiden, welche Republikaner sich beim Kongressvotum im November 2018 zur Wahl stellen, würden sie die Elite zur Rechenschaft ziehen.

Es ist vor allem ein Mann, der Bannons Zorn auf sich zieht: Mitch McConnell, jener Buchhaltertyp aus Kentucky, der die republikanische Fraktion im Senat anführt und von dem es heißt, dass er ausnahmslos jeden parlamentarischen Verfahrens­trick kennt. Im Sommer, als Trump seinen Unmut angesichts ausbleibender Erfolge an McConnell ausließ, revanchierte sich der altgediente Senator mit einem feinen Konter. Der Präsident, bemerkte er kühl lächelnd, habe offenbar übertriebene Vorstellungen davon, wie schnell etwas im demokratischen Prozess gehe. Nun trommelt Bannon zum Aufstand, um McConnell aus dem Amt zu drängen. „Noch ist Zeit für ein Mea culpa“, droht er dessen Verbündeten. Wer bisher McConnell statt Trump gefolgt sei, müsse in Sack und Asche gehen. Der müsse jetzt deutlich machen, dass er den Mann nicht länger an der Spitze des Senats wolle. Wer die Chance nicht nutze, den erwarte ein Sturmgewitter.

Dass solche Sätze, so bombastisch sie auch klingen mögen, kein leeres Gerede sind, hat Bannon bereits im September in Alabama demonstriert. In dem südlichen Bundesstaat setzte sich ein rechter Außenseiter überraschend klar gegen den Platzhirsch durch. Im Rennen um die Nachfolge des vom Kongress ins Justizministerium gewechselten Jeff Sessions ließ der frühere Richter Roy Moore, ein evangelikaler Fundamentalist, dem gemäßigteren Interims-Senator Luther Strange keinen Stich. Bannon hatte Moore unterstützt, während Trump Strange empfahl – in den Augen seines früheren Chefberaters ein einmaliger Ausrutscher. Was in Alabama geschah, werde sich im ganzen Land wiederholen, orakelt Bannon. Und wenn sich McConnell für Julius Cäsar halte, dann finde sich bald ein Brutus mit einem Messer in der Hand. „Die Frage ist nur, wer dieser Brutus sein wird.“