Der Bio-Sprit floppt an den Tankstellen

Berlin. Die Politik hat der Mineralölbranche mit E10 ein massives Problem eingebrockt, die Tankstellen werden das Bio-Benzin nicht los. Daher soll nun an den Zapfsäulen verstärkt für den Sprit mit zehn Prozent Ethanol geworben werden. Bei deutschen Marken sind laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Importeurverband VDIK nur 400 000 Autos nicht E10-kompatibel

Berlin. Die Politik hat der Mineralölbranche mit E10 ein massives Problem eingebrockt, die Tankstellen werden das Bio-Benzin nicht los. Daher soll nun an den Zapfsäulen verstärkt für den Sprit mit zehn Prozent Ethanol geworben werden.Bei deutschen Marken sind laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Importeurverband VDIK nur 400 000 Autos nicht E10-kompatibel. Insgesamt rund 93 Prozent aller in Deutschland gemeldeten Pkw könnten mit E10 betankt werden.

Nach Schätzungen der Unternehmen meiden sieben von zehn Autofahrern den Bio-Sprit E10 und weichen auf das ihnen bekannte Super Plus mit 98 Oktan aus, das nur fünf Prozent Ethanol hat und auch E5 heißt.

Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftverbands, veranschaulicht das in den Tanks unter den Zapfsäulen entstehende Problem mit zwei großen Whiskeygläsern für herkömmlichen Sprit und einem kleinen Whiskeyglas. Das kleine Glas ist eigentlich nur für Autos vorgesehen, die E10 nicht vertragen und stattdessen den Super-Plus-Sprit mit 98 Oktan tanken. Da aber immer mehr Autofahrer diesen teureren Sprit - pro Tankfüllung sind das bis zu fünf Euro - aus Sorgen vor einer Zerstörung ihrer Motoren tanken, leert sich das kleine Whiskeyglas bis zu vier Mal täglich.

Die Raffinerien bleiben auf ihrem E10-Stoff sitzen, während es bei dem 98-Oktan-Superbenzin zu Engpässen kommt. Denn Raffinerien können maximal 20 bis 30 Prozent Super Plus herstellen. Ein Investment für größere Tanks lohne sich aber nicht - da E5 in den nächsten Jahren eigentlich vom Markt verschwinden soll, sagt Picard.

Notfalls droht die Branche mit einer Rückkehr zum Auslaufmodell E5. Das würde zwar Strafzahlungen von zwei Cent je Liter bedeuten - doch das könnten die Tankstellen notfalls einfach auf die Kunden umlegen.

Picard betont, es sei ein Glück, dass bundesweit erst rund 45 Prozent der 15 000 Tankstellen E10 eingeführt haben. Wenn sich E10 nicht bald an der Tankstelle durchsetze, müssten bereits Ende der Woche die ersten Raffinerien heruntergefahren werden.

Laut einer Umfrage von auto. de mit 20 000 Teilnehmern lehnen 95 Prozent der Deutschen den neuen Biosprit weiterhin ab. Zum einen fürchten viele Fahrer, dass ihre Tanks Schaden nehmen, zum anderen ist der Sprit von schlechterer Qualität. Er enthält weniger Energie, was zu Mehrverbrauch von zwei bis drei Prozent führt. Das relativiert auch die Zusatzkosten der Autofahrer, die jetzt Super Plus tanken.

Die Bundesregierung will mit mehr Biosprit unabhängiger vom Öl werden und den Verkehr klimafreundlicher machen. Umweltverbände bezweifeln wegen des riesigen Flächenbedarfs für Pflanzen-Sprit nachhaltige Klimaschutzeffekte. dpa