Schall und Wasser

Berlin. Das Kanzleramt hat der Berliner Volksmund bereits zur "Waschmaschine" gemacht. Mit derselben Liebenswürdigkeit werden die Hauptstädter demnächst wohl das neueste Werk des israelischen Starkünstlers Dani Karavan zur "Gedenkpfütze" küren

Berlin. Das Kanzleramt hat der Berliner Volksmund bereits zur "Waschmaschine" gemacht. Mit derselben Liebenswürdigkeit werden die Hauptstädter demnächst wohl das neueste Werk des israelischen Starkünstlers Dani Karavan zur "Gedenkpfütze" küren. Das zentrale Mahnmal für die Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma wird heute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeweiht.Die von Wasser überflutete, kreisrunde Granitplatte ist so unscheinbar, dass Passanten des Spazierwegs zwischen Reichstag und Brandenburger Tor sie als kleinen Brunnen ansehen könnten. Nur die Einfassung des umliegenden Rasens durch beschriftete Glaswände, ein Tag und Nacht zu hörender Geigenton und eine immer frische Blume inmitten des zwölf Meter großen "Sees" geben einen Fingerzeig auf dessen tiefere Bedeutung.

Nach dem Willen Karavans soll die Tiergarten-Lichtung zu einem Ort innerer Anteilnahme werden, "ein Ort, den Schmerz zu fühlen, sich zu erinnern und die Vernichtung der Sinti und Roma durch das nationalsozialistische Regime niemals in Vergessenheit geraten zu lassen". Dem Völkermord dürften etwa 500 000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Die vergleichsweise unscheinbare Gedenkstätte hat am Ende 2,8 Millionen Euro gekostet. Die ursprünglich veranschlagte Summe von zwei Millionen Euro war bis zum Frühjahr fast komplett ausgegeben worden. Doch auf das Mahnmal wies damals nicht viel mehr als ein kreisrundes Loch in der Erde hin. Aber eigentlich gab es beim Sinti-und-Roma-Mahnmal keinen Beteiligten, der sich nicht blamierte: Die Bundesregierung genauso wie die Baubehörden, die Opferverbände und auch der Künstler von Weltrang. Nicht zu vergessen ein Regierender Bürgermeister wie Eberhard Diepgen (CDU), der das Projekt lieber gleich an den Stadtrand verlegen wollte. Oder ein namhafter NS-Historiker, der es vor Jahren mit dem Argument ablehnte, dass man dann auch ein Denkmal für getötete Wale errichten könnte.

Zeit für Blamage hatten die Beteiligten durchaus: Bereits vor 20 Jahren hatte die Regierung den Sinti und Roma eine Gedenkstätte versprochen. Auf Betreiben insbesondere des von der Publizistin Lea Rosh initiierten Förderkreises für das damals ebenfalls beschlossene Holocaust-Mahnmal sollte das Gedenken an die verschiedenen Opfergruppen klar getrennt werden.

Während das Stelenfeld für die ermordeten Juden 2005 eingeweiht wurde, warteten die Sinti und Roma bis zuletzt auf das ersehnte Zeichen der Anerkennung für ihr Leiden. "Das zeigt den Stellenwert, den wir in dieser Gesellschaft haben", bilanziert der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Romani Rose.

Der Zentralrat war selber allerdings nicht ganz unschuldig daran, dass die Grundsteinlegung erst 2008 erfolgen konnte. Jahrelang lieferte er sich einen zähen Inschriftenstreit mit einem anderen Opferverband. Dass es danach über drei Jahre lang nicht richtig voranging, lag wiederum am Künstler. Karavan änderte immer wieder seine Pläne ab, zuletzt war ihm das Wasser im "See" nicht schwarz genug.