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Kinderheld aus der Tschechoslowakei: Kleiner Kinderheld mit großem Herzen

Kinderheld aus der Tschechoslowakei : Kleiner Kinderheld mit großem Herzen

Der beliebte Zeichentrick-Maulwurf feiert seinen 60. Geburtstag.

(kna) „Ahoj!“ – „Halla!“ – „Ach jo...!“ Na, klingelt es schon? Es ist der Kleine Maulwurf, tschechoslowakischer Held von Millionen Kindern auf der ganzen Welt. Er spricht so wenig und sagt doch so viel: über Freundschaft, Lebensfreude und Sorgen. Vielen Generationen von Kindern hat „Krtek“ (Maulwurf) oder „Krtecek“ (Kleiner Maulwurf) seit 1957 echte Gefühle ohne Worte vermittelt. Darüber ist er 60 Jahre alt geworden.
 Tschechoslowakische Filmemacher hatten in der Zeit des Sozialismus eine gute Hand für Kindergeschichten. Zdenek Miler (1921-2011) war einer von ihnen. Der Grafiker spezialisierte sich nach dem Studium auf Animationsfilme. Für einen eher technischen Kinderfilm über die Herstellung von Flachs suchte Miler einen animierten kleinen Helden – am besten ein Tier, das vor ihm noch niemand gewählt hatte. Er selbst erzählte später, bei einem Spaziergang zum Nachdenken sei er über einen Maulwurfshügel gestolpert. Die Idee für „Krtek“ war geboren.
 Und der kleine Mann mit der Schaufel schlug auf Anhieb ein. Der Erstling „Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam“ erhielt beim Filmfestival in Venedig im Sommer 1957 einen Silbernen Löwen. Mit seinen besten Freunden, der Maus, dem Hasen und dem Igel, stand die Welt für immer neue Entdeckungen und Abenteuer offen.
 Am Anfang sprach der Maulwurf noch, doch dann entschied sich Miler, ihn nur noch einige signifikante Laute ausstoßen zu lassen, die weltweit verstanden werden. Die wurden von seinen Töchtern auf Tonband eingesprochen. So ruft Krtek „oi!“, wenn er staunt, „jej!“, wenn er sich freut, und „jäääi!“ bei Furcht.
 Einer seiner wichtigsten Antriebe ist die Liebe zur Natur. Wo es gilt, Bagger zu stoppen oder den Teich zu retten, da fällt ihm stets eine Lösung ein. Ebenso wichtig: den Freunden zu helfen. Als die Maus an Grippe erkrankt, empfiehlt die weise Eule „Matricaria Chamomilla“. Nun ist guter Rat teuer. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft sucht der Maulwurf verzweifelt diese Pflanze. Er findet Tulpen aus Amsterdam und allerlei europäische Flora. Fündig wird er erst ganz am Ende im heimischen Wald. Gesucht war schließlich nur Kamille.
 Ab den 60er Jahren war der Maulwurf regelmäßiger und geliebter Gast im tschechoslowakischen Fernsehen. Länge und Themen der am Ende über 60 Kurzfilme waren ganz unterschiedlich: Rakete, Autos, Fernseher, Fliegender Teppich oder Weihnachten. In mehr als 80 Ländern gewann der fröhliche Gräber mit der roten Nase Fans. In Westdeutschland waren seine Geschichten seit 1972 regelmäßig Bestandteil der „Sendung mit der Maus“; in der DDR war er beim „Sandmännchen“ zu sehen.

Eine späte Ehre wurde Krtek und seinem Schöpfer Zdenek Miler im Juli 2011 zuteil. Der US-Astronaut Andrew Feustel schenkte Miler einen Stoff-Maulwurf, den er kurz zuvor bei der letzten Mission der Raumfähre „Endeavour“ mitgenommen hatte. Schon 1965, vier Jahre vor der Mondlandung, hatte der Zeichner seinen damals noch jungen Helden mit einer Rakete ins All geschickt. Im November 2011 starb Miler im Alter von fast 91 Jahren. Sein Geschöpf, der Maulwurf, wird wohl immer jung bleiben. Mit 60 allemal noch.