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Lebenserwartung steigt nur noch langsam

Wissenschaft stößt an ihre Grenzen : Forscher sehen Limit für längeres Leben

Weltweit liegt die Lebenserwartung heute bei 71 Jahren. Und viel Luft nach oben ist nicht mehr.

() Die seit Jahrzehnten steigende Lebenserwartung könnte an ihre Grenzen stoßen – besonders in den Industriestaaten. Eine der Ursachen sei die soziale Spaltung der Gesellschaften, sagte  Sabine Sütterlin vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bei der Vorstellung einer aktuellen Studie. Hinzu kämen die ausufernden Kosten für die Gesundheitssysteme sowie ein biologisches Limit. So steige die Kurve bei den über 100-Jährigen ungeachtet der Fortschritte in der biomedizinischen Forschung seit den 80er Jahren nicht mehr an, sagte Sütterlin. In vielen Industriestaaten stießen zudem die Gesundheitssysteme an ihre finanziellen Grenzen, denn die Altersmedizin sei teuer.

Sozialstatus und Bildungsniveau haben demnach einen starken Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Gesellschaft sei in vielen Industrieländern gespalten in Gruppen, die ein sehr hohes Alter erreichen und lange fit bleiben, und weniger Privilegierte, die eher riskante Verhaltensweisen pflegen. Rauchen, Drogenkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel seien dort  stärker verbreitet. Auch in Deutschland gibt es  große regionale und soziale Unterschiede, wie die Studie zeigt. So könnten neugeborene Jungen im wohlsituierten bayerischen Landkreis Starnberg mit rund acht Jahren mehr Lebenszeit rechnen als ihre Geschlechtsgenossen im pfälzischen Pirmasens.

Nach Angaben des Berlin-Instituts ist die Lebenserwartung weltweit seit Beginn des 20. Jahrhunderts von durchschnittlich 30 auf heute 71 Jahre gestiegen, in Deutschland von 43 auf 81 Jahre. Das bedeute einen Zugewinn von drei Jahren pro Jahrzehnt. Am schnellsten steigt der Wert in Afrika und Südostasien. Allerdings gleichen sich die Ernährungsgewohnheiten der dortigen Mittelschichten an den Lebensstil des Westens an. „Zu süß, zu fett, zu salzig – das gilt dann leider auch dort“, warnte das Berlin-Institut.