1. Nachrichten
  2. Panorama

Dem bayerischen "Neger" geht es an den Kragen

Dem bayerischen "Neger" geht es an den Kragen

München. Für viele Oberbayern ist ein "Neger" keine abwertende Bezeichnung für einen dunkelhäutigen Menschen, sondern ähnlich wie früher der "Mohrenkopf" positiv besetzt: Die Bezeichnung für ein Cola-Weißbier-Mischgetränk findet sich immer noch auf so mancher Speisekarte im ländlichen Süden des Freistaats. Und niemand denkt sich Böses dabei

München. Für viele Oberbayern ist ein "Neger" keine abwertende Bezeichnung für einen dunkelhäutigen Menschen, sondern ähnlich wie früher der "Mohrenkopf" positiv besetzt: Die Bezeichnung für ein Cola-Weißbier-Mischgetränk findet sich immer noch auf so mancher Speisekarte im ländlichen Süden des Freistaats. Und niemand denkt sich Böses dabei. Im Rest der Welt schon: Im vergangenen Sommer schickte der "Arbeitskreis Panafrikanismus München e.V." Späher aus. Es kam eine stattliche Liste von Gaststätten zusammen, die das Getränk mit dem politisch unkorrekten N-Wort anbieten, darunter ein Spezialitätenrestaurant im Münchner Osten. Ein peinlicher Vorgang für die "Weltstadt mit Herz", die sich große Hoffnungen macht, den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 zu erhalten und dann die Jugend der Sport-Welt zu empfangen. Doch der "Neger" führt ein zähes Leben in der oberbayerischen Gastronomie. Schon 2009 appellierten der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und der bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG), eine andere Bezeichnung zu finden. In anderen Regionen des Freistaats, so BHG-Sprecher Frank-Ulrich John, kenne man das Gemisch ohnehin nur unter "Cola-Weizen" oder "Diesel"."Wir dürfen Ihnen daher dringend empfehlen, bei Neuerstellung Ihrer Speisen- und Getränkekarte eine Berichtigung vorzunehmen", heißt es in einem neuerlichen Rundschreiben des BHG - "in der Hoffnung, auch den Letzten überzeugen zu können", so John. Etliche Betriebe, weiß man im bayerischen Wirtschaftsministerium, seien dem bereits gefolgt. Schon wird befürchtet, dass einer Durchforstung bayerischer Speisekarten auch das "Zigeunerschnitzel" zum Opfer fallen und zum "Sinti- und Roma-Schnitzel" umbenannt werden könnte. Da gab es nie Bitten auf Umbenennung, sagt BHG-Sprecher John. Beim "Zigeunerschnitzel" gehe es "um die Farbenfrohheit der Beilage sowie die Verwendung von Paprika". So mancher Sinto oder Roma betrachtet die Bezeichnung als "Zigeuner" auch nicht als ehrenrührig. "Zigeuner ist kein Schimpfwort, solange man es nicht in schlechten Kontext setzt", sagt der Aschaffenburger Sinto Freddy Walter dazu.