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Liebe ist eben Ansichtssache

Saarbrücken. Jeder hat seine eigene Version der Dinge - auch in einer Liebesbeziehung. Das findet bei Angelika Böck künstlerischen Ausdruck in der Installation "Plots": Auf Tischen liegt privates Fotomaterial dreier Paare und Bilder. Aus Kopfhörern dringen dazu die unterschiedlichen Versionen der Partner bezüglich ihrer Geschichte

Saarbrücken. Jeder hat seine eigene Version der Dinge - auch in einer Liebesbeziehung. Das findet bei Angelika Böck künstlerischen Ausdruck in der Installation "Plots": Auf Tischen liegt privates Fotomaterial dreier Paare und Bilder. Aus Kopfhörern dringen dazu die unterschiedlichen Versionen der Partner bezüglich ihrer Geschichte. Dabei handelt es sich zum Teil auch um fiktive Szenenabfolgen, geschrieben von Autorinnen und Autoren nach Schilderungen der Liebespaare, die Böck an sie weitergegeben hatte. Das Ergebnis: ein Sammelsurium aus individuellen Eindrücken der Partner, obendrein fiktionale Gedankengebäude der Autoren sowie eigene Assoziationen der Künstlerin.Das Thema ergänzt die Installation "Ca. 300 Liebesbriefe VB" mit Notizen, Zeitungsartikeln, Grußkarten und Korrespondenzen. Dokumente, die Böck von einer Privatperson erworben hat.Wenn auch gedanklicher Hintergrund und Installationsanordnung der "Plots" plausibel scheinen: Das Geräuschgewirr der gleichzeitig ertönenden Erzähler-Stimmen bleibt irritierend, fast störend, da es die Aufnahmefähigkeit des Hörers erheblich vermindert. Folglich fällt es jeweils schwer, einer - geschweige denn beiden Versionen - der Partner zu folgen. Doch der Clou: Wer möchte, kann sich aktiv ins Geschehen einbringen. Unter der Telefonnummer (06 81) 37 26 86 besteht die Möglichkeit, die eigene Liebesgeschichte anonym zu erzählen. Per Anrufbeantworter kann dieser "Love talk" anschließend von den Gästen der Ausstellung angehört werden. So wird der Besucher, bewusst oder unbewusst, zum Teil des Experiments: Schließlich geht er am Ende mit imaginärem "Gepäck" nach Hause - mit seiner persönlichen Version des Erlebten und vielleicht auch mit der nicht ganz neuen Erkenntnis, dass Männer und Frauen sehr unterschiedlich sein können. mzBis 21. 6., Künstlerhaus (Sb).