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Holocaust-Forschung
Holocaust-Forscher Braham tot

New York/Budapest. 2014 gab er aus Protest seinen Verdienstorden der Republik Ungarn zurück.

Der Historiker und Holocaust-Forscher Randolph L. Braham ist im Alter von 95 Jahren in New York gestorben. Dies teilte der Verband der jüdischen Gemeinden in Ungarn (Mazsihisz) mit. Braham verfasste mehr als 60 Bücher, die sich mit dem Holocaust an den ungarischen Juden während des Zweiten Weltkriegs befassen. Die zweiteilige Studie „The Destruction of the Hungarian Jewry“ (Die Zerstörung des ungarischen Judentums) von 1963 gilt bis heute als ein Standardwerk zu dem Thema.


Braham wurde in Rumänien geboren und wuchs in jenem Teil Siebenbürgens auf, der 1940 unter ungarische Herrschaft geriet. Seine Eltern, Geschwister und viele Verwandte wurden in Auschwitz ermordet, nachdem sie von der ungarischen Gendarmerie verschleppt und an die Deutschen ausgeliefert worden waren. Insgesamt fielen dem Holocaust in Ungarn mehr als eine halbe Million Juden zum Opfer. Ungarn war unter seinem Führer Miklos Horthy (1868-1957) im Zweiten Weltkrieg mit Hitler-Deutschland verbündet.

Braham lehrte an der Universität New York und war auch im wissenschaftlichen Beirat des Holocaust Memorial Museums in Washington tätig, der wichtigsten Holocaust-Gedenkstätte in den USA. Die Entwicklungen in Ungarn beobachtete er mit Sorge. Unter dem seit 2010 amtierenden rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban etablierte sich eine offizielle Gedenkpolitik, die die Bedeutung des Holocaust zu mindern, die Verantwortung des damaligen Ungarns zu leugnen und die damaligen Täter zu rehabilitieren trachtet. Aus diesem Grund gab Braham 2014 seinen Verdienstorden der Republik Ungarn zurück.