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Frauen im Cockpit
Lufthansa will mehr Pilotinnen

Elke Hieber ist eine von 600 aktiven Pilotinnen der Lufthansa. Als Kapitänin fliegt sie regelmäßig einen Riesen-Airbus A 380.
Elke Hieber ist eine von 600 aktiven Pilotinnen der Lufthansa. Als Kapitänin fliegt sie regelmäßig einen Riesen-Airbus A 380. FOTO: dpa / Oliver Rösler
Frankfurt. Vor 30 Jahren hoben bei der Lufthansa erstmals Frauen als Co-Pilotinnen ab. Nach wie vor finden sich nur wenige Interessentinnen. Von Christian Ebner

Die Pilotin Elke Hieber ist es gewohnt, dass ihr Beruf und ihre Uniform Aufsehen erregen. Die 53-Jährige fliegt bei der Lufthansa als Kapitänin das größte Passagierflugzeug der Welt: einen Airbus A 380. Sie sagt: „Natürlich war das von Anfang an Thema, dass ich als Frau ins Cockpit wollte.“ Doch Nachteile wie auch Bevorzugungen habe sie nie erlebt. Bei Europas größter Fluggesellschaft sitzen Frauen erst seit 30 Jahren ganz vorn im Flugzeug, Hieber war die zehnte Flugschülerin im Dienst der Lufthansa. Am 23. August 1988 waren Nicola Lisy und Evi Hetzmannseder erstmals als Co-Pilotinnen abgehoben. Heute liegt der Frauenanteil bei den Piloten im Konzern bei sechs Prozent.


Auch nach 30 Jahren ist bei der Lufthansa trotz mehr als 600 aktiven Pilotinnen wie bei allen anderen Fluggesellschaften der Welt immer noch Thema, was in Zeiten der Gleichberechtigung eigentlich keines mehr sein sollte: Die Steuerknüppel oder -hörner sind überwiegend in Männerhand. Der Pilotenverband Alpa geht weltweit von einem Frauenanteil um die fünf Prozent aus. Bei einzelnen Gesellschaften wie der israelischen El Al ist nicht einmal jeder 100. Pilot weiblichen Geschlechts.

Als die Lufthansa im April 1986 erstmals Frauen an ihrer Fliegerschule aufnahm, wurde dieser Schritt als überfällig empfunden. Die konservative Airline gehörte keineswegs zu den Pionieren der Gleichstellung. So ist aus den 60er Jahren vom damaligen Leiter der Verkehrsfliegerschule, Alfred Vermaaten, das Zitat überliefert: „Eher wird eine Frau Boxweltmeister im Schwergewicht als Kapitän bei der Lufthansa.“ Als Stewardessen waren Frauen hingegen willkommen. Noch heute stellen sie vier von fünf Flugbegleitern bei der Lufthansa.



Eigentlich ist Niki Lauda dafür verantwortlich, dass die 29 Jahre alte Grazerin Magdalena Gruhn demnächst in Lufthansa-Cockpits an den Start geht. Im Alter von sechs Jahren ist sie mit „Nikis Kids Club“ der Lauda Air zu einem Rundflug über Österreich aufgebrochen und seitdem fasziniert von der Fliegerei. Trotzdem arbeitete sie zunächst an einer Hotelkarriere. Bei einem Job als Flugbegleiterin einer kleinen Privat-Airline lernte sie aber eine „ganz junge und tolle Co-Pilotin“ kennen – und dachte sich: „Das kann ich auch.“

Wegen der regelmäßigen Beförderungen nach Erfahrung müssen Pilotinnen, die Kinder bekommen, keine beruflichen Nachteile fürchten. „Pilot ist der perfekte Beruf, weil man komplett ersetzbar ist. Wenn ich den Job nicht mache, sitzt dort ein anderer, der ihn genauso gut erledigt wie ich“, erklärt Elke Hieber. Sie hat als Mutter zweier Kinder je zwei 18-monatige Auszeiten genommen und in unterschiedlichsten Teilzeitmodellen gearbeitet.

Im Lufthansa-Konzernvorstand ist der Frauenanteil nach Ausscheiden von Finanzchefin Simone Menne von 40 auf 20 Prozent gesunken. Gleichwohl wolle man im Management wie in den Cockpits mehr Frauen, kündigt die verbliebene Personalchefin Bettina Volkens an. In den aktuellen Pilotenlehrgängen sind bereits 15 Prozent weiblich, es gehen aber immer noch deutlich mehr Bewerbungen männlicher Kandidaten ein. Eine Frauenquote soll es nicht geben, aber eine auf weibliche Bewerber ausgerichtete Kampagne.