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„Good Aging Index“
Im Saarland haben Senioren mehr vom Leben

Spaß im Alter? Natürlich! So lassen sich die Ergebnisse des neuen „Good Aging Index“ der Initiative „7 Jahre länger“ zusammenfassen. Aber rosig ist längst nicht alles.
Spaß im Alter? Natürlich! So lassen sich die Ergebnisse des neuen „Good Aging Index“ der Initiative „7 Jahre länger“ zusammenfassen. Aber rosig ist längst nicht alles. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Saarbrücken. Das Bild des traurigen Rentners ist überholt. Denn wer in Deutschland alt wird, ist meist zufrieden, zeigt eine Studie. Gerade an der Saar.  Von Pascal Becher
Pascal Becher

Die Basis für das Zusammenleben der Saarländer ist einfach erklärt: Jeder kennt jemanden, der einen kennt, der einen anderen kennt. . . man kennt das. Für Außenstehende klingt das nach Klüngel – oder einfach einem „großen persönlichen Netzwerk“. Und so steht es auch im „Good Aging Index 2018“, der im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft erstellt wurde. „Das Saarland bietet Senioren die beste Lebensqualität“, urteilen die Studienautoren dabei. Das kleinste Flächenland bekommt in der Gesamtwertung 68,4 von 100 Punkten. Notiz am Rande: Schlusslicht im Westen ist ausgerechnet Nachbar Rheinland-Pfalz (61,9).


Die Sozialwissenschaftler Jürgen Bauknecht und Uwe Remer-Bollow haben im Index die Lebenswelt von Senioren anhand von 30 Faktoren bewertet – und in drei Bereiche untergliedert: „gesundes Altern/Wohlbefinden“, „finanzielle Sicherheit“ und „soziale Teilhabe“. Die Indikatoren umfassen sowohl objektiv messbare Kriterien als auch solche, die auf der Selbsteinschätzung der Gefragten beruhen. Die Informationen stammen unter anderem auch aus dem „Deutschen Alterssurvey“, dem „Correktiv Pflegewegweiser“ und der „Generali Altersstudie 2017“.

Dass die Saarländer beispielsweise bei der „sozialen Teilhabe“ den Rest Deutschlands übertreffen, liegt maßgeblich an der Liebe zum Netzwerken. Hier wurde beispielsweise von den Autoren geschaut, wie viele der befragten Senioren bis zu acht Personen angeben konnten, zu denen sie enge persönliche und soziale Kontakte pflegen. Hierzulande konnten das 94,2 Prozent und damit gut 19 Punkte mehr als der Bundesdurchschnitt (75,3 Prozent). Logisch, dass sich die Mehrheit der saarländischen Rentner nicht sozial ausgeschlossen fühlt (79,6: Platz zwei im Ranking). Auf Mitgliedschaften in Seniorengruppen haben bundesweit nur ein Viertel der deutschen Rentner Lust. Das ist auch hierzulande nicht anders (26,6). Sportvereine, Kirchengruppen, Musikvereine und Parteienleben stehen gerade an der Saar hoch im Kurs. 77,2 Punkte gab es hier. Zweiter Platz im Ranking. Klar über dem Durchschnitt (60,2), aber auch deutlich hinter Spitzenreiter Bremen (85,6 ). Aber auch einem Schwätzchen mit Nachbarn sind die Saarländer nie abgeneigt. Ganz offiziell von der Studie bescheinigt.



Stark beeinflusst wird die Reihenfolge im Ländervergleich von der finanziellen Lage der Bürger. Normalerweise nicht gerade die Stärke der Saarländer. Hier reichte es noch für den siebten Platz und für einen leicht überdurchschnittlichen Wert von 71,1 Punkten. Bemerkenswert für ein Bundesland, das wegen seiner angespannten Haushaltslage gern als „Osten des Westens“ beschrieben wird. Die neuen Bundesländer landen übrigens im Ländervergleich aller drei großen Teilbereiche unterhalb des bundesweiten Durchschnitts.

Spitzenreiter bei den Finanzen ist – wenig überraschend – Baden-Württemberg mit 73,6, gefolgt von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern. Im Schnitt haben mehr Senioren im Saarland mit Überschuldung oder Altersarmut zu kämpfen als im Durchschnitt. Aber anders als beispielsweise die Stuttgarter, Münchner oder Frankfurter haben die Saarlouiser, Saarbrücker oder St. Wendeler eben das Gefühl, genug Geld in der Tasche zu haben, um sich ihre Bedürfnisse erfüllen zu können. 87,7 Prozentpunkte erzielte das Saarland hier. Ein überragender Wert, denn es sind über 21 Punkte mehr als der Durchschnitt. Schlusslicht sind die Sachsen mit 41,5. Schon fast eine Fußnote, da nichts Neues: Die Saarländer weisen die höchste Eigenheimquote auf.

Aber Geld allein ist bekanntlich nicht alles. Gesundheit ist auch wichtig. Und beim „Gesund altern“ macht den Saarländern niemand was vor. „Sie stechen hervor“ – mit 65,2 Punkten, heißt es in der Studie. In Zahlen: Acht Punkte über dem Durchschnitt und sechs vor dem Zweitplatzierten (Brandenburg). Und das liegt nicht zwingend an der Qualität der Pflegeheime. Damit sind die Saarländer nur durchschnittlich zufrieden. Die saarländischen Senioren zeichnet laut Good-Aging-Index eher ein überdurchschnittlicher „Gesundheitszustand“ und „körperliche Funktionsfähigkeit“ aus. Dabei fühlen sich nur zwei von drei Saarländern jünger, als sie wirklich sind (65). Bundesweit sind es drei von vier. In Berlin sogar über 84 Prozent.

Weniger gern werden die Saarländer das hören: Die „Restlebenserwartung mit 60“, wie die Studienautoren mit Blick auf Destatis-Daten bürokratisch unterkühlt feststellen, beträgt an der Saar im Schnitt nur 24,6 Jahre. Das ist die schlechteste Prognose aller Bundesländer. Am ältesten werden die Baden-Württemberger. Sie haben mit 60 noch fast 26 Jahre vor sich.

Gut, dass den Saarländern aber beim Optimismus niemand etwas vormacht. 87,7 Prozent der Senioren blicken laut Studie positiv in die Zukunft. Beinahe Schlusslicht sind hier ausgerechnet die langlebenden und vermögenderen Baden-Württemberger (50,1). 

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26SZ-Lebensqualität FOTO: SZ / Steffen, Michael