| 21:17 Uhr

Machtwechsel
Cyril Ramaphosa ist neuer Präsident Südafrikas

Bonn/Kapstadt. Erleichterung in Südafrika. Die Ära Jacob Zuma ist Geschichte. Sie steht für Korruption und Vetternwirtschaft, Fehlentscheidungen, einen schillernden Politikstil, wirtschaftlichen Niedergang und ein systematisches Verprellen der weißen Minderheit. Allerdings soll niemand behaupten, Zuma sei der Nation aufgedrückt worden. Es hatte an Warnungen nicht gefehlt – und als Wahlempfehlung hatte der ANC-Funktionär und vormalige Vizepräsident fast 800 einschlägige Klagen gegen sich im Gepäck. Sie wurden mit seinem Amtsantritt 2009 kassiert.

Erleichterung in Südafrika. Die Ära Jacob Zuma ist Geschichte. Sie steht für Korruption und Vetternwirtschaft, Fehlentscheidungen, einen schillernden Politikstil, wirtschaftlichen Niedergang und ein systematisches Verprellen der weißen Minderheit. Allerdings soll niemand behaupten, Zuma sei der Nation aufgedrückt worden. Es hatte an Warnungen nicht gefehlt – und als Wahlempfehlung hatte der ANC-Funktionär und vormalige Vizepräsident fast 800 einschlägige Klagen gegen sich im Gepäck. Sie wurden mit seinem Amtsantritt 2009 kassiert.


Nun also Cyril Ramaphosa, langjähriger Vizepräsident und ewiger Hoffnungsträger. Wäre es nach National-Ikone Nelson Mandela gegangen, so wäre dessen Stunde schon vor 20 Jahren gekommen und nicht erst gestern. Ramaphosa hatte sich als junger Widerständler in der Apartheid seine Sporen verdient, als er eine ANC-treue Arbeitergewerkschaft aufbaute und straff organisierte.

Doch als es Ende der 90er Jahre um Mandelas Nachfolge ging, kam die Partei nicht an Thabo Mbeki vorbei – der für den Friedensnobelpreisträger über Jahre das Tagesgeschäft im Inland erledigt hatte. Seither hat der schwer reiche Funktionär Ramaphosa in der ersten Reihe der Partei noch viel dazugelernt. Was alles, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



Der 65-Jährige gilt als geschickter und wandlungsfähiger Taktiker – was man so oder so bewerten kann. Der Nimbus als Korruptionsbekämpfer und Hoffnungsträger ist ihm bislang nicht abhanden gekommen, auch wenn er lange als Zuma-Vize in einer korrupten Regierung lawieren musste.

Schon Mbeki brach als Präsident (1999-2008) mit dem Versöhnungskurs seines legendären Vorgängers Mandela und steuerte auf „Schwarze first“ um. Zeitweise herrschte ein regelrechter Run auf schwarze Uni-Absolventen, um alle Leitungsposten im Land neu vergeben zu können. Die weiße Minderheit sah sich nun umgekehrt mehr und mehr an den Rand gedrängt. Unzählige verließen das Land.

Die „Regenbogennation“, das gemeinsame Südafrika von Schwarz, Weiß und „Coloured“, geriet in die Sackgasse. Denn auch wirtschaftlich verfehlte die ANC-Politik den Anschluss Südafrikas an die Länder des Nordens – und die meisten Schwarzen den Anschluss an die Mittelschicht. Schon unter Mbeki begann der ANC-Sog von Korruption und Vetternwirtschaft. Dass es nach Zumas Partei-Putsch gegen Mbeki besser würde am Kap, konnte niemand ernsthaft hoffen. Seine politische Biografie, seine fast unverhohlene Selbstbedienung und seine schillernden Auftritte waren eher dazu angetan, jene Vorbehalte zu bekräftigen, die das „neue Südafrika“ eigentlich vergessen machen wollte: Gewalt, Kriminalität, Bestechlichkeit, Diskriminierung.

Dabei hatte Südafrika – wie zuvor das Simbabwe von Robert Mugabe – gute Voraussetzungen, zu einem Erfolgsmodell für ganz Afrika zu werden. Nun sind Mugabe wie Zuma Geschichte – ebenso wie der einstige Vorzeigestatus ihrer Länder.