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Kalte Dusche für den guten Zweck

 Mark Zuckerberg traute sich unter die Eiswasser-Dusche ebenso wie Natascha Ochsenknecht. Bei dem früheren US-Präsidenten George W. Bush half Ehefrau Laura nach. Fotos: dpa (2)/Wenn
Mark Zuckerberg traute sich unter die Eiswasser-Dusche ebenso wie Natascha Ochsenknecht. Bei dem früheren US-Präsidenten George W. Bush half Ehefrau Laura nach. Fotos: dpa (2)/Wenn
Berlin. Manche nervt es, aber der Hype im Internet geht weiter: Duschen mit Eiswasser. Die „Ice Bucket Challenge“ bringt Spenden, Aufmerksamkeit für eine seltene Krankheit und Schlagzeilen für Prominente. Dpa-Mitarbeiterincaroline Bock

Die Kennedys haben es gemacht. Sogar die 86 Jahre alte Großmutter Ethel ließ sich in der Sommerfrische einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat es hinter sich, Bill Gates , Justin Timberlake , Oprah Winfrey , Lady Gaga - und seit gestern auch der frühere US-Präsident George W. Bush. Seit Tagen rauschen Videos der "Ice Bucket Challenge", der Eiseimer-Herausforderung, durch das Internet und um die Welt.

Die Teilnehmer der Dusch-Aktion wollen damit auf die seltene Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen. Vor der Dusche nominiert man drei Kandidaten, ebenfalls mitzumachen oder für den guten Zweck zu spenden. Auch wer die Dusche gemeistert hat, darf gerne spenden. Bislang brachte die Aktion in wenigen Wochen weltweit umgerechnet 23,8 Millionen Euro Spenden zusammen - im Vorjahreszeitraum waren es 1,4 Millionen Euro. Mit dem Geld soll die seltene Krankheit besser erforscht und Betroffenen geholfen werden.

ALS, in den USA auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt, ist tödlich. Die Krankheit führt zu Nervenzerstörungen und Muskellähmungen. Der Maler Jörg Immendorff starb daran. Der Physiker Stephen Hawking lebt dank einer künstlichen Beatmung seit Jahrzehnten mit der Krankheit, wie der Berliner Mediziner Thomas Meyer erläutert. ALS sei zwar nicht heilbar, aber zu behandeln, wobei sich der Patient darauf einstellen muss, im gelähmten Körper eingeschlossen zu sein. Die Eiswasser-Aktion findet der Mediziner "genial". Es gebe bereits erste Spenden, die die Ambulanz erreichten.

Inzwischen schwappt der Trend aus den USA nach Deutschland. Gerade hat Ex-Handballer Stefan Kretzschmar sich übergossen. Tennisprofi Sabine Lisicki ließ sich von zwei Helfern nass machen und kreischte unter dem eisigen Schwall. Vorher nominierte die 24-Jährige mit den Worten "Sorry, Darling" ihren Freund Oliver Pocher . Der brachte die Aktion an einer Tankstelle mit Eiswürfeln aus der Truhe hinter sich. Auch Schauspieler Matthias Schweighöfer machte mit.

Prominent muss man bei der "Ice Bucket Challenge" nicht sein, aber es hilft natürlich bei den Klicks im Internet. Fußballer Marco Reus hatte Helene Fischer herausgefordert. Die Schlagersängerin, Liebling der Nationalelf, stellte sich durchtrainiert der "Challenge", was ihr einen Platz auf den Titelseiten und Hunderttausende "Gefällt-mir"-Daumen bei Facebook bescherte. Eine hält sich bei der Spendenaktion dagegen lieber bedeckt: Angela Merkel. "Ich bitte um Verständnis, dass wir grundsätzlich nicht darüber berichten, wem die Bundeskanzlerin persönlich Geld spendet", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert gestern auf Twitter .

Aus den USA kam derweil eine traurige Nachricht. Einer der Pioniere der Internetaktion zugunsten der Nervenkrankheit ALS starb laut US-Medien bei einem Badeunfall. Spendensammler Corey Griffin (27) sprang demnach am Wochenende am Hafen von Nantucket (Massachusetts) ins Wasser und ertrank. Sein Freund Pete Frates, ein ALS-Patient, gilt als Aushängeschild der Aktion.