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Experten: Aufschwung bringt keine neuen Jobs

Experten: Aufschwung bringt keine neuen Jobs

Frankfurt/Paris. Deutschland und seine Nachbarn überwinden das tiefste Konjunktur-Tal der Nachkriegsgeschichte rascher als erwartet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhöhte gestern ihre Wachstums-Prognosen für Deutschland spürbar, auch die Bundesbank hält die Erholung im Kern für gesichert

Frankfurt/Paris. Deutschland und seine Nachbarn überwinden das tiefste Konjunktur-Tal der Nachkriegsgeschichte rascher als erwartet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhöhte gestern ihre Wachstums-Prognosen für Deutschland spürbar, auch die Bundesbank hält die Erholung im Kern für gesichert. Deutschland kann nach Einschätzung der OECD dank anziehender Exporte dieses Jahr mit 1,9 Prozent Wachstum rechnen, für 2011 liegt die Erwartung bei plus 2,1 Prozent. Im Krisenjahr 2009 war das reale Brutto-Inlandsprodukt um 4,9 Prozent eingebrochen. Für die Euro-Zone rechnen die Experten mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr.

Am derzeit noch robusten deutschen Arbeitsmarkt sehen die Experten dennoch eine Verschärfung der Lage voraus. Viele Betriebe hatten die Krise mit flexiblen Arbeitszeitregelungen überbrückt, statt Mitarbeiter zu entlassen. Mit dem Aufschwung steige zwar der Bedarf an Arbeitskraft, so die OECD. Er werde jedoch vor allem über längere Arbeitszeiten und höhere Produktivität gedeckt. Neue Jobs seien nicht in Sicht. Für 2010 wird daher ein Anstieg der Erwerbslosen-Quote um 0,2 Punkte auf 7,6 Prozent erwartet.

Gefahr für den Aufschwung wittern OECD und Bundesbank aufgrund der enormen Staatsverschuldung in Europa. Eine glaubwürdige Sanierungs-Strategie sei Voraussetzung, um "verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen", erklärten die Währungshüter. Die Stimmung der Verbraucher sank vor dem Hintergrund von Euro-Schwäche und Schuldenkrise spürbar. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts GfK wächst die Angst vor starker Inflation, die Erwartung an die Entwicklung des eigenen Einkommens sinkt. Das Statistische Bundesamt meldete derweil erfreuliche Zahlen: Im ersten Quartal 2010 stiegen die Brutto-Löhne der Beschäftigten erstmals seit Anfang 2009 wieder an. Das Plus lag bei 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. dpa/afp