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Agentur kippt Hartz-Projekt für Arbeitslose

Agentur kippt Hartz-Projekt für Arbeitslose

Das von Peter Hartz entwickelte neue Konzept zur erfolgreichen Vermittlung von Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt wird entgegen ersten Plänen nicht im Saarland getestet. Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit zog gestern überraschend ihre Zusage zurück, mit Peter Hartz zusammenzuarbeiten.

Saarbrücken. Das vom ehemaligen VW-Vorstand und Kanzlerberater Peter Hartz (Foto: ddp) speziell für das Saarland entwickelte neue Konzept zur erfolgreichen Vermittlung von Langzeitarbeitslosen am Arbeitsmarkt bleibt in der Schublade. Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit zog gestern überraschend ihre Zusage zurück, mit Peter Hartz zusammenzuarbeiten. Hartz war in der VW-Affäre zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Otto-Werner Schade (Foto: bub), Chef der Regionaldirektion, betonte, seit Bekanntwerden der Mitwirkung von Peter Hartz an dem Projekt habe es "eine Welle von Protesten quer durch die Republik" gegeben. Dies habe gezeigt, "dass mit einem objektiven Umgang mit dem Konzept und seiner Umsetzung nicht mehr zu rechnen ist". Deshalb, so Schade, "habe ich mich dazu entschlossen, das Konzept vorerst nicht umzusetzen. Ich habe keine Lust, meine Mitarbeiter und mich mit einem Makel zu behaften, den ich nicht bereit bin zu tragen." Offenbar stand auch die Spitze der Bundesagentur in Nürnberg nicht hinter den Plänen, das Konzept gemeinsam mit Hartz auf den Weg zu bringen. BA-Chef Frank Weise habe lediglich betont: "Es ist Ihre Entscheidung, Herr Schade."

Das Hartz-Konzept sah vor, Wissenschaftler, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft und Berufsberatung für mehrere Tage mit Langzeitarbeitslosen zusammenbringen, um diese in Gruppen und einzeln in einem speziellen Training fit zu machen, Stärken herauszufinden, Stress abzubauen, Motivation zu stärken. Auch sollten sie in die Lage versetzt werden, sich gegenseitig besser zu helfen. Die Reaktionen in Saar-Politik und Wirtschaft reichten von der Forderung nach seriöser Prüfung der Vorschläge bis hin zum Verständnis für den Rückzug der Regionaldirektion. > Seite A3: Bericht und Meinung