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Medizin
Tinnitus-Therapie soll Ohrgeräusche lindern

Marburg. Wissenschaftler der Universität Marburg untersuchen das sogenannte Neurofeedback.

(np) „Nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort. Ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu.“ Dieses Zitat wird dem bekanntesten Tinnitus-Patienten aller Zeiten zugeschrieben. Ludwig van Beethoven, der begnadete Komponist, soll schon im Alter von 30 Jahren über Ohrgeräusche geklagt haben. Ihm konnte kein Arzt seiner Epoche helfen. Doch auch 200 Jahre nach dem Tod des großen Komponisten tut sich die Medizin bei der Tinnitus-Behandlung schwer. Immerhin machen mehrere Behandlungsansätze den Patienten heute Hoffnung. Dazu gehört auch das Projekt einer Arbeitsgruppe an der Universität Marburg. Dort wird untersucht, ob Patienten mit einem sogenannten Neurofeedback-Training die Phantomgeräusche unterdrücken können.


Tinnitus-Patienten nehmen Geräusche wahr, die es nicht gibt. Wie viele Patienten es gibt, ist nicht bekannt, die Angaben für Deutschland schwanken stark. Es könnten zwischen zehn und 20 Prozent der Bevölkerung sein. „Leider gibt es derzeit keine Heilung“, sagt die Psychologin Cornelia Weise von der Universität Marburg. Sie sucht deswegen nach Methoden, um die Ohrgeräusche zu unterdrücken. Dazu gehört das sogenannte Neurofeedback. Dabei schauen die Betroffenen ihrer eigenen Hirnaktivität zu, die durch Elektroden auf der Kopfoberfläche aufgenommen und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht wird. Sie sollen trainieren, Kontrolle über Gehirnprozesse zu erlangen, die unter normalen Umständen unwillkürlich ablaufen, erklärt der Psychologe Martin Jensen.

Das Klingeln im Ohr an sich zu vermindern, ist jedoch nur eines von mehreren Zielen der Forschung. Die Wissenschaftler wollen auch beeinflussen, wie Patienten ihren Tinnitus wahrnehmen. Die Ohrgeräusche können bei Menschen, die damit nicht klarkommen, weitere gesundheitliche Probleme auslösen. „Wir hoffen, dass wir mit dem Neurofeedback-Training dieses sogenannte Tinnitus-Belastungs-Netzwerk unterbrechen, damit die Betroffenen mit dem ständigen Rauschen im Kopf besser zurechtkommen“, sagt Martin Jensen.