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So lernen Menschen im Schlaf

Hirnforschung : So können wir Vokabeln auch im Tiefschlaf lernen

Forscher der Universität Bern berichten nach einem Test im Schlaflabor über eine verblüffende Fähigkeit des menschlichen Gehirns.

(np) Was geschieht beim Schlaf in unserem Gehirn? Es verarbeitet Eindrücke des Tages und trennt dabei Wichtiges von Unwichtigem. An wesentliche Ereignisse können wir uns danach besser erinnern, Unwichtiges gerät in Vergessenheit. Wissenschaftler der Universität Bern haben nun herausgefunden, dass diese Datenverarbeitung im Gehirn dazu genutzt werden kann, um in Phasen des Tiefschlafs neue Vokabeln zu lernen. Dabei seien Hirnstrukturen aktiv, die auch beim Lernen im Wachzustand beteiligt sind.

Im Tiefschlaf wechsele die Aktivität der Nervenzellen in schnellem Rhythmus zwischen einem aktiven Zustand (Up-State) und Inaktivität (Down-State). Etwa für eine halbe Sekunde seien Nervenzellen gemeinsam aktiv und fielen kurz darauf in eine ebenso kurze Phase der Inaktivität, berichten die Forscher um Katharina Henke. Sie untersuchten, ob das schlafende Gehirn im aktiven Zustand in der Lage ist, Vokabeln einer neuen Sprache aufzunehmen.

Die Wissenschaftler testeten das Lernen im Schlaf mit zwei Vokabeln einer Kunstsprache, „Tofer“ stand für „Schlüssel“, „Guga“ für „Elefant“. Sie richteten es so ein, dass die Übersetzung der Wortpaare ihren Testpersonen wiederholt in einem Up-State des Hirns eingespielt wurde. Wer die Vokabeln im Schlaf über Kopfhörer gehört habe, habe nach dem Aufwachen oft gewusst, dass „Guga“ für etwas Großes und „Tofer“ für einen kleinen Gegenstand steht. „Besonders interessant war die Tatsache, dass Sprachareale und der Hippocampus, die normalerweise waches Lernen von Sprache vermitteln, auch beim Erinnern der im Tiefschlaf gelernten Vokabeln aktiviert waren“, sagt Marc Züst von der Uni Bern. Ob das Lernen im Schlaf tatsächlich funktioniere und welche Folgen diese nächtliche Aktivität habe, müsse in den kommenden Jahren untersucht werden, sagt Katharina Henke.