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Merzig-Wadern: Wie Kommunen und Landkreis versuchen, die Wirtschaft zu stützen

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfen für die lokale Wirtschaft : Viele Fragen seitens der Wirtschaft im Kreis

Die Kommunen und der Landkreis Merzig-Wadern befassen sich in Zeiten von Corona vermehrt mit den Sorgen der Unternehmen vor Ort.

Die Corona-Krise trifft uns alle hart, wir müssen mit teils massiven Einschränkungen unseres Alltags leben. Ganz besonders trifft es Unternehmen und Betriebe landauf, landab. Nicht nur, dass vielen im Zeichen der vermehrten Ausbreitung des Virus von Staats wegen untersagt wurde, ihre Geschäftstätigkeit weiterzuführen, wie etwa vielen Gastronomen, den Friseuren, Boutiquen oder Floristen. Auch jene, die ihrer Tätigkeit noch nachgehen dürfen (die meisten Handwerker etwa), verzeichnen angesichts der Krise massive Einbußen durch wegbrechende Aufträge. Hier versucht die Politik auf Landes- und Bundesebene durch Hilfsprogramme gegenzusteuern, die aber oft mit bürokratischen Hürden verbunden sind. Aber auch in den Kommunen und Landkreisen gibt es diverse Bestrebungen, die heimische Wirtschaft zu unterstützen.

Viel zu tun hat in diesen Tagen etwa die Wirtschaftsförderung der Stadt Merzig. „Zahlreiche Unternehmen melden sich aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation telefonisch oder per Mail bei der Wirtschaftsförderung der Kreisstadt Merzig“, heißt es auf SZ-Anfrage aus dem Rathaus der Kreisstadt. Dabei versuche die Wirtschaftsförderung ihr Möglichstes, um die Unternehmen in dieser schweren Zeit zu unterstützen. In erster Linie bestehe diese Unterstützung in der Vermittlung von Hilfsangeboten. Dabei würden entsprechende Kontakte hergestellt, um den Unternehmern bei ihren Anliegen (beispielsweise Sofort-Kredite, Kurzarbeit oder Steuerstundungen) weiterzuhelfen. Diese Hilfen könnten auch über die städtische Internetseite www.merzig.de abgerufen werden.

Darüber hinaus bietet die Wirtschaftsförderung nach Mitteilung der Stadtverwaltung auch Unterstützung durch andere Maßnahmen an. „So wurde bereits eine Plattform mit Informationen über den Lieferservice von Gastronomen und Apotheken aufgebaut.“ Diese Liste mit Restaurants, Imbissbetrieben, und Apotheken ist unter www.merzig.de/merzig-macht-mut einsehbar. Hier finden sich auch weitere Informationen für Unternehmen und Kunden. Eine weitere Auflistung von Einzelhändlern, die einen Abhol- oder Lieferservice anbieten, sei zurzeit im Aufbau. Hierzu können sich Unternehmen unter der E-Mail-Adresse wirtschaftsfoerderung@merzig.de melden. Bürgermeister Marcus Hoffeld richtet in diesem Zusammenhang einen Appell an die Merziger Bevölkerung, auch in dieser schwierigen Zeit an die Wirtschaftsunternehmen, Einzelhändler und Selbstständigen zu denken: „Helfen Sie mit, die hiesige Wirtschaft durch Käufe über die auf der städtischen Internetseite aufgeführten Wege zu unterstützen.“

Bei der Stadtverwaltung in Wadern arbeiten die Kämmerei, die Abteilung Wirtschaftsförderung/Stadtmarketing, der Touristiker und die Ortspolizeibehörde (Gewerbeamt) gemeinsam an dem Thema. Sophie Schäfer, zuständig für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, erläutert: „Wir haben auf www.wadern.de eine Infoseite für Unternehmen erstellt mit hilfreichen Links zu zum Beispiel Kurzarbeitergeld, Antragsformularen für Hilfen der Landesregierung, Kontaktmöglichkeiten und so weiter.“ Sollten sich Unternehmen bei der Stadt melden, stehe diese zur Verfügung, um geeignete Ansprechpartner für spezielle Anfragen zu recherchieren, sagte Schäfer. „Als Kommune können wir in den meisten Fällen jedoch nur vermitteln.“

Doch die Hochwaldstadt ergreift auch selbst die Initiative, ergänzt Schäfer, die parallel auch Geschäftsführerin des Wirtschaftsverbandes Stadt Wadern ist: „Über den Wirtschaftsverband habe ich die 90 Mitgliedsbetriebe per Mail angeschrieben. Bisher gab es auch hier noch keine Rückfragen oder Anfragen.“ Mit einigen Unternehmen habe sie bereits persönlich gesprochen – dabei gehe es vor allem um das Thema Kurzarbeitergeld und die Beantragung. Hier wenden sich die Betriebe nach ihrer Erfahrung aber meist gleich an die Arbeitsagentur oder die für sie zuständigen Kammern.

Speziell um die Hotelleriebetriebe kümmert sich in Wadern Martin Vorreiter, zuständig für Tourismus. Er erklärt: „Auf kommunaler Seite werden die Aufgaben gebündelt.“ So informiere die Tourismusgesellschaft des Landkreises, Saarschleifenland Tourismus GmbH (STG), die Gastgeberbetriebe des Landkreises regelmäßig per Newsletter über die Hilfen des Landes und des Bundes, über aktuelle Stornoregelungen und Übernachtungsverbote sowie über weitere wichtige Fragen rund um die Corona-Krise. Vorreiter: „Diese Aufgabenteilung ist insofern sinnvoll, als dass die Herausforderungen für alle Gastgeberbetriebe im Landkreis gelten, deshalb werden die einschlägigen Informationen bei der touristischen Landkreiseinrichtung gebündelt.“ Zudem sei es essentiell, dass die Informationen aktuell gehalten werden in dieser ständig sich ändernden Lage. Diese Infos seien seitens der STG am Donnerstag zum fünften Mal aktualisiert und verschickt. „Auch steht die STG im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch für individuelle Beratungen der Betriebe zur Verfügung und plant Maßnahmen zur Ankurbelung der Nachfrage nach Beendigung der Krise“, sagt Vorreiter.

Die Stadt habe zudem kleineren Firmen angeboten, „dass sie die von uns bestellten Produkte, die aufgrund der Corona-Situation noch nicht ausgeliefert werden konnten, dennoch normal bezahlt bekommen, um ihnen keine Liquiditätsprobleme zu verursachen“. Gleiches gelte für Dienstleitungsaufträge, die die Stadt nicht storniere, sondern nach Möglichkeit verschiebe oder umbuche, so Vorreiter. „Das trifft zum Beispiel für Lieferanten, die für uns Waren extra für die mittlerweile abgesagte Trendmesse produziert haben.“

Seitens der Finanzverwaltung der Stadt kümmert sich Kämmerin Elke Simon um die Belange der Gewerbetreibenden. „Bezüglich Gewerbesteuer informieren wir die Unternehmer, dass sie zur Anpassung der Vorauszahlung mit dem zuständigen Finanzamt in Kontakt treten sollen, wir erhalten dann den geänderten Bescheid und können die zu zahlende Vorauszahlung entsprechend anpassen“, teilt sie mit. Zudem stehe die Kämmerei den Betrieben bei allen Fragen zu Vorauszahlungen, Stundungen und Vollstreckungen zur Verfügung und versuche, gemeinsam individuelle vertretbare Lösungen zu finden. Simon: „Zudem prüfen wir zurzeit, wie wir mit der Pacht für stadteigene Gebäude im Gastronomiebereich umgehen können.“

Wolfgang Birtel vom Gewerbeamt erlebt die Krise auf andere Weise, wie er berichtet: „Derzeit fragen einige Unternehmen Gewerberegisterauszüge an, die für verschiedene Anträge benötigt werden.“ Dies versende die Stadt gratis per Mail oder Post.

Die Gemeinde Mettlach möchte nach eigenem Bekunden die Steuer- und Gebührenstundungen für Unternehmen großzügig behandeln und Vollstreckungen vorerst aussetzen. Bürgermeister Daniel Kiefer hofft, dass jeder seinen Teil dazu beitrage, das Schlimmste für die Gemeinde zu vermeiden: „In den letzten Jahren gab es nochmals einen merkbaren Aufschwung durch touristische und gewerbliche Neuansiedlungen und wir haben mit unserer Wirtschafts- und Tourismuspolitik erste kleine Erfolge erzielt. All diese Mühe droht aber durch den Corona-Virus in kürzester Zeit zunichtegemacht zu werden.“ Nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung könne es gelingen, die Wucht der Krise für die Firmen vor Ort abzumildern und diesen eine Überlebenschance zu geben.

Zum Schutz der Arbeitsplätze in der Gemeinde sollten Anträge auf Herabsetzung von Gewerbesteuervorauszahlungen von den Finanzämtern ab sofort bevorzugt bearbeitet und bewilligt werden. Stundungsanträgen werde seitens der Gemeinde großzügig, für vier Monate zunächst zinslos, entsprochen. Verspätungszuschläge würden vorerst nicht mehr festgesetzt. Aber auch die Vermieter von gewerblich genutzten Räumen sollten, so der Wunsch des Mettlacher Verwaltungschefs, wohlwollend prüfen, ob sie für eine beschränkte Zeit den Unternehmen die Netto-Kaltmiete komplett oder zu mindestens teilweise erlassen können. „Wir brauchen jetzt vor allem pragmatische und unkonventionelle Lösungen, damit wir die Überlebenschance für unsere Unternehmer erhöhen.“ Gewerbetreibende können sich bei Rückfragen unter Tel. (0 68 64) 83 37 oder -40 oder per E-Mail finanzen@mettlach.de an die Finanzabteilung der Gemeinde wenden.

Auf Fragen aus dem Bereich der Wirtschaft vorbereitet sind nach Worten des Landkreises Merzig-Wadern auch die Mitarbeiter des Bürgertelefons. Betroffene seien oft auf der Suche nach Antragsformularen für die Hilfsprogramme oder benötigten Erläuterungen dazu. „Wir sind ständig bestrebt tagesaktuell, auf vorhandene Informationen, Links und FAQs auf unseren Internetseiten hinzuweisen“, teilt der Landkreis auf Anfrage der SZ mit. Dabei würden Informationen weitergegeben oder der Kreis stelle Kontakt zu den zuständigen Stellen im Wirtschaftsministerium oder je nach Lage an die Kammern her.

Generell gelten laut Landkreis für Unternehmen und Selbstständige auch die Förderprogramme der Bundes- und Landesregierung. „Zusätzliche Möglichkeiten, insbesondere finanzieller Art, haben wir nicht“, heißt es weiter. Als Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse habe Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich gemeinsam mit den beiden Vorständen sichergestellt, dass dem Thema Unterstützung und Hilfen für von der Corona-Krise betroffene Kunden höchste Priorität eingeräumt werde.

Der Kreis weist generell darauf hin, dass der direkte Weg zum Land oder zu den Kammern der zweckmäßigste sei, um Hilfe zu erhalten. Kontaktdaten gebe es auf www.merzig-wadern.de. Auch die Hausbanken könnten weiterhelfen.