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Somalias Fischer wehren sich

Nairobi. Lange schien es, als seien die Seeräuber an der somalischen Küste weitgehend straffrei. Die chaotischen Verhältnisse in Somalia, wo selbst grundlegende staatliche Einrichtungen kaum funktionieren, machen die Strafverfolgung schwer

Nairobi. Lange schien es, als seien die Seeräuber an der somalischen Küste weitgehend straffrei. Die chaotischen Verhältnisse in Somalia, wo selbst grundlegende staatliche Einrichtungen kaum funktionieren, machen die Strafverfolgung schwer. Und auch die weit verbreitete Korruption begünstigt das Treiben der Gesetzlosen, die bei der armen, unter allgegenwärtiger Gewalt leidenden Bevölkerung des Landes am Horn von Afrika oft vor allem als erfolgreiche Geschäftsleute gesehen und beneidet werden. Doch nun bläst den Piraten Gegenwind nicht nur von der Armada internationaler Kriegsschiffe im Golf von Aden entgegen, sondern auch von somalischen Fischern, die eine Bürgerwehr gegründet haben. Sie setzten vor wenigen Tagen zwölf Piraten fest und nahmen auch deren Boote in Gewahrsam. "Wir haben ein Sicherheitskomitee gegründet und beschlossen, die Bekämpfung der Piraterie selbst in die Hand zu nehmen", sagte Fargi Mohamed, einer der Stammesältesten aus den Küstendörfern Alula und Bargaal. Durch die fortdauernden Angriffe der Piraten sehen die Fischer ihre Einkommensgrundlagen gleich doppelt bedroht: Zum einen sahen sie sich selbst schon öfter den Gewehrläufen der Piraten gegenüber, zum anderen können sie wegen der Kriegsschiffe im Golf nicht mehr zu ihren Fanggründen. Auch die Regionalregierung der halbautonomen Region Puntland, wo die meisten Piraten ihre Basis haben, macht seit einer Woche verstärkt Front gegen die Seeräuber, die durch die Erpressung von Lösegeldern für gekaperte Schiffe und ihre Besatzungen längst zu reichen Männern geworden sind. Abdirahman Mohamed Farole, der Präsident des Puntlands, kündigte die Bekämpfung der Piraten auch zu Lande an. Ihn schreckt vor allem die Vorstellung, dass amerikanische Marines, französische Fallschirmjäger oder andere Truppen in seinem Territorium auf Piratenjagd gehen könnten, wenn die puntländische Verwaltung nicht selbst etwas unternimmt. Die geistlichen Führer des Puntlands wiederum fürchten um den Zusammenbruch von Anstand und Moral. Traditionell ist den Gläubigen dort ein allzu radikaler Islam fremd, doch auch gemäßigte Muslime sehen die guten Sitten durch das schlechte Beispiel bedroht, das die Piraten der Jugend in den Küstenorten geben. Der Reichtum der Seeräuber habe "Prostituierte von überall her" ins Puntland gezogen, empörte sich ein Prediger in Garowe. Alkohol fließe in Strömen in den Piraten-Hochburgen. dpa