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Islam-Konferenz
Seehofer: „Muslime gehören zu Deutschland“

Zum Auftakt der Deutschen Islam-Konferenz kamen gestern in Berlin 240 Teilnehmer zusammen.
Zum Auftakt der Deutschen Islam-Konferenz kamen gestern in Berlin 240 Teilnehmer zusammen. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Der Bundesinnenminister hat gestern in Berlin die Islam-Konferenz eröffnet. Dabei soll es vor allem um Fortschritte bei der Imam-Ausbildung in Deutschland gehen. Von Corinna Buschow

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gibt Buch-Empfehlungen, feilscht mit Verbandschef Aiman Mazyek um die Imam-Ausbildung, das Publikum lacht: So heiter wie am gestrigen Mittwoch in Berlin ist es in der zwölfjährigen Geschichte der Deutschen Islam-Konferenz wohl noch nie zugegangen. Es gibt aber auch heftigen Disput: Vertreter der konservativen Verbände und liberale Muslime liefern sich schon in der ersten Diskussionsrunde ein heftiges Wortgefecht. Es erinnere ihn alles sehr an einen Kirchentag, sagt Seehofer, sichtlich zufrieden mit der hitzigen Diskussion, die er für die erste Islam-Konferenz unter seiner Führung wollte. „Kritischen Dialog“ forderte er in seiner Eröffnungsrede.


Mehr als seine Vorgänger hat der CSU-Chef muslimische Einzelpersonen aus der ganzen Bandbreite islamischen Lebens in Deutschland eingeladen. 240 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Seehofers Ziel – das hatte er schon vorher klar gemacht – ist ein in Deutschland verwurzelter Islam mit eigenständigen Strukturen ohne Einfluss aus dem Ausland und mit hierzulande ausgebildeten Imamen. „Muslime gehören zu Deutschland“, betonte der Minister in seiner Eröffnungsrede. Den umstrittenen Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ aus einem Interview zu Beginn seiner Amtszeit wiederholt er nicht.

Versöhnliche Töne seien das, erkennt auch der Islamexperte Bülent Ucar an. Der Osnabrücker Wissenschaftler, der vor allem an einer deutschen Imamausbildung arbeitet, hatte zuvor noch Untätigkeit der Bundesregierung kritisiert. „Ich bin inzwischen ratlos“, sagte er. „Es wird geredet, ohne dass gehandelt wird.“



Bei der Ausbildung der Imame – der Vorbeter einer muslimischen Gemeinde – will das Bundesinnenministerium in dieser Wahlperiode unbedingt Fortschritte erzielen. Es gebe mittlerweile viele hundert deutschstämmige muslimische Theologie-Studenten, die nach dem Studium nicht als Imame arbeiten könnten, sagte der für die Islamkonferenz zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber. Grund sei das Fehlen einer an das Studium anschließenden Praxis-Ausbildung.

Damit fehlt die auch bei den Kirchen übliche Verknüpfung zwischen der akademischen Ausbildung und dem Einsatz als Seelsorger. Die müssten die religiösen Vertretungen auf die Beine stellen. Der Staat dürfe sich da aufgrund des Neutralitätsgebots nicht einmischen, betonten Seehofer und Kerber. Die meisten etablierten Verbände taten sich aber in der Vergangenheit schwer mit der Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen für islamische Theologie in Deutschland.

Inzwischen scheint aber Bewegung auch in die Verbände zu kommen. Er wolle langfristig auch keine Imame aus dem Ausland mehr, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, vor der Konferenz. Auf dem Podium der Konferenz fordert Seehofer von ihm konkrete Schritte innerhalb des kommenden Jahres. Mehrere Dutzend Imame seien kein Problem, antwortet Mazyek. „24 Imame 2019“, hält Seehofer das Verhandlungsergebnis fest.

Kurz vor dem Start der Konferenz hatte sich die nordrhein-westfälische Integrationsstaatsekretärin Serap Güler (CDU) für eine vom Ausland unabhängige Finanzierung muslimischer Gemeinden in Deutschland ausgesprochen. „Ein Islam, der zu Deutschland gehört und sich weiter vom Ausland finanzieren lässt, das passt nicht zusammen, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Auslandsfinanzierungen auch mit Einflussnahme zu tun haben“, sagte Güler im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Sie verwies etwa auf den türkisch islamischen-Verband Ditib.

Anderthalb Tage Diskussion waren für den Auftakt der inzwischen vierten Auflage der 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufenen Islam-Konferenz in Berlin eingeplant. Jeder Innenminister brachte bislang andere Themen und Formate auf die Agenda. Seehofers Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) konzentrierte sich von 2013 bis 2017 auf Sacharbeit in Fachgruppen. Seehofer will nach eigenen Worten auf feste Gremien verzichten. Er wolle eine flexiblere Arbeitsweise mit unterschiedlichen Formaten, sagte er.