| 20:11 Uhr

EU jagt Piraten künftig auch im Indischen Ozean

Brüssel. Die EU verschärft ihren Kampf gegen die Piraten am Horn von Afrika. Nachdem die somalischen Banden Schiffe inzwischen auch über tausend Kilometer von der Küste entfernt zu entern versuchen, soll der Auftrag der Marine-Einheiten auf das gesamte Seegebiet bis zu den Seychellen ausgedehnt werden. Das beschlossen die EU-Außen- und Verteidigungsminister gestern in Brüssel Von SZ-Korrespondent Detlef Drewes

Brüssel. Die EU verschärft ihren Kampf gegen die Piraten am Horn von Afrika. Nachdem die somalischen Banden Schiffe inzwischen auch über tausend Kilometer von der Küste entfernt zu entern versuchen, soll der Auftrag der Marine-Einheiten auf das gesamte Seegebiet bis zu den Seychellen ausgedehnt werden. Das beschlossen die EU-Außen- und Verteidigungsminister gestern in Brüssel. "Dadurch wird der bisherige Operationsplanes verändert", sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung in Brüssel. "Deshalb werden wir auch die Zustimmung des Bundestages einholen." Bisher ist die Bundesmarine mit 1400 Soldaten und den beiden Fregatten "Karlsruhe" und "Rheinland-Pfalz" sowie dem Versorger "Spessart" an dem Einsatz der insgesamt 13 Schiffe beteiligt, von denen sieben die EU und weitere sechs andere Nato-Staaten stellen. Neuerdings beteiligt sich auch das iranische Militär am Schutz der Frachter. Jung zeigte sich vom Erfolg der Operation überzeugt. "Wer sich ordentlich anmeldet und begleitet wird, kommt auch sicher in den Hafen." Dennoch seien von den registrierten 102 Attacken auf Handels- und Passagierschiffe 31 erfolgreich gewesen. 19 Frachter in Piraten-HandDerzeit befinden sich noch 19 Frachter in der Hand der Piraten, die damit Lösegeld zu erpressen versuchen. Der britische Kommandeur der EU-Operation "Atalanta", Admiral Philip Jones, betonte in Brüssel, die Freibeuter würden allerdings zunehmend ungeduldiger und unterliefen langwierige Verhandlungen um millionenschwere Auslösegelder immer häufiger dadurch, dass sie einfach die Fracht der gekaperten Schiffe auf dem Markt verkaufen würden. Die Nato, deren Mandat im indischen Ozean Ende nächsten Monats ausläuft, will ebenso wie die EU, deren Präsenz bis Dezember beschlossen ist, den Kampfeinsatz noch bis mindestens Mitte oder gar Ende nächsten Jahres ausweiten. Unklar blieb am Montag, ob es sich bei dem neuen Auftrag für die Marine-Einheiten nur um eine Vergrößerung des Überwachungsgebietes handelt oder ob auch zusätzliche Schiffe von den Mitgliedstaaten gefordert werden sollen. Der französische Verteidigungsstaatssekretär Jean-Marie Bockel sprach von bis zu 20 Prozent mehr Soldaten und kampfbooten, die "dringend nötig" seien. Einigkeit herrschte bei den EU-Ministern darüber, dass man die Bemühungen der afrikanischen Staaten noch tatkräftiger unterstützen will, die sich gegen die Aktionen der Piraten wenden. Am Wochenende hatten der kenianische Vizepräsident Kalonzo Musyoka und tansanische Regierungsvertreter vereinbart, die Seeräuber-Überfälle auch mit eigenen Kampftruppen und S6chiffen zu bekämpfen, da die Piraten zunehmend auch eine Bedrohung für die ostafrikanische Schifffahrtsrouten darstellen. Mehr SicherheitskräfteGleichzeitig wollen die afrikanischen Anrainerstaaten die Ausbildung ihrer Sicherheitskräfte ausweiten, um dem Kampf gegen Terroristen, Waffenschmuggler und Schleuserbanden an Land zu intensivieren.