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Mittelstand schrumpft
Armut und Reichtum verfestigen sich

Suppenküche oder Champagner-Bar: Es gibt immer mehr dauerhaft Arme – und Reiche.
Suppenküche oder Champagner-Bar: Es gibt immer mehr dauerhaft Arme – und Reiche. FOTO: dpa / Roessler
Berlin. Armut und Reichtum in Deutschland haben sich nach einer Studie in den vergangenen Jahren verfestigt. 5,4 Prozent der Bevölkerung oder gut jeder Zwanzigste lebt demnach dauerhaft, das heißt über fünf Jahre unverändert, unter der Armutsgrenze. dpa/kna

Das sei mehr als noch Mitte der 90er Jahre (3,1 Prozent) und zehn Jahre später (5,2 Prozent), teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung gestern in Berlin mit. Gleichzeitig sei seit 2005 der Anteil der dauerhaft Reichen wieder gestiegen, der Anteil der Haushalte mit mittleren Einkommen sinke.


Die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fielen immer weiter auseinander, sagte Studienautorin Dorothee Spannagel. Arme und Reiche lebten in eigenen Stadtvierteln und schickten ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Zudem gebe es wesentliche Unterschiede nach Geschlecht und Region, heißt es weiter. Westdeutsche Männer hätten am häufigsten ein dauerhaft hohes Einkommen: Etwa zwei Drittel der Wohlhabenden seien männlich, insgesamt lebten 95 Prozent der „Einkommensreichen“ in Westdeutschland. Im Osten dagegen lebten knapp 62 Prozent der dauerhaft Armen, obwohl dort nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ansässig sei.

Als reich gilt, wer als Single im Jahr über 40 639 Euro oder mehr verfügt. Dauerhaft fielen bis 2015 rund 3,4 Prozent der Bevölkerung in diese Kategorie, zehn Jahre zuvor waren es 2,8 Prozent gewesen. Bis 1995 lag der Anteil mit 3,3 Prozent höher, was Spannagel aber auf Sondereffekte nach der Wiedervereinigung zurückführt.