Trump-Nachfolger? Joe Biden denkt laut über Präsidentenkandidatur nach

Möglicher Trump-Nachfolger : Joe Biden, das Präsidentenamt – und die Frage des Alters

Ronald Reagan zog mit 73 zum zweiten Mal ins Weiße Haus ein. Donald Trump war 2016 schon 70. Nun erwägt der 76-jährige Ex-Vizepräsident eine Bewerbung.

Wie alt ist zu alt? Diese Frage stellt sich nach Angaben von Freunden und Anhängern der ehemalige Vizepräsident Joe Biden. Der Demokrat ist sich bewusst, dass seine 76 Jahre ihm möglicherweise im Weg stehen, sollte er sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bemühen – und das besonders in einer Zeit, in der viele Demokraten sich nach neuen Gesichtern in der Führungsriege sehnen.

Biden wäre bei einem Sieg der älteste Mann, der je ins Weiße Haus gewählt wurde. Aktuelle und ehemalige Berater haben in vielen Treffen Möglichkeiten abgewägt, wie Sorgen über das hohe Alter des möglichen Kandidaten zerstreut werden könnten. Eine Option: ein junger Kandidat für die Vizepräsidentschaft. Dabei fiel offenbar immer wieder der Name des texanischen Abgeordneten und Hoffnungsträgers Beto O‘Rourke. Der wäre mit 46 Jahren gut für die Rolle geeignet, könnte aber auch eigene Ambitionen auf das Präsidentschaftsamt haben. Mit seiner knappen Niederlage gegen den republikanischen Senator Ted Cruz bewies er zudem bei den Zwischenwahlen im November, dass er der politischen Konkurrenz gefährlich werden kann. Bei einer Bürgerversammlung in El Paso erklärte O‘Rourke am Freitag, er habe noch nicht entschieden, ob er sich um das Weiße Haus bewerben wolle.

Die Altersfrage beschäftigt die Demokraten schon seit den Zwischenwahlen. Mit ihren 78 Jahren kann sich Nancy Pelosi wohl noch einmal das Amt der Sprecherin des Repräsentantenhauses sichern. Allerdings musste sie dafür mehrheitlich jüngeren Abgeordneten zusichern, nicht länger als vier Jahre auf dem Posten zu bleiben. Andere mögliche Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten sind die Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, 69 und 77 Jahre alt, sowie der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, 76.

Sie müssten sich eventuell Bewerbern stellen, die Jahrzehnte jünger sind als sie. Herausforderer könnten die Senatoren Cory Booker, Kirsten Gillibrand oder Kamala Hariss sein sowie Gouverneur Steve Bullock und der ehemalige Wohnungsbauminister Julian Castro. Alle sind in ihren 40ern und 50ern. Der demokratische Aktivist Dale Todd aus Iowa, der sich schon 2007 hinter Barack Obama stellte, hat Zweifel, dass die Erfahrung der Älteren ausreicht, um Wähler zu überzeugen. „Kann man jüngere Wähler mit älteren Kandidaten mobilisieren?“, erklärt er. „Bernie hat uns gezeigt, dass man kann. Aber kann man mit einem älteren Kandidaten eine siegreiche Koalition effektiv mobilisieren? Das ist das Rätsel, und ich glaube, das kann man nicht.“

Biden wird nach Einschätzung von Beobachtern im Januar oder Februar über seine Bewerbung für die Kandidatur der Demokraten entscheiden. Er betont, sein Alter bedeute viel Erfahrung. Immerhin saß er 36 Jahre im Senat, war acht Jahre lang Vizepräsident und ist mit den Details der Innen-, Außen- und Verteidigungspolitik vertraut. Bei einem Auftritt in Montana erklärte er kürzlich, er sei „die qualifizierteste Person im Land für das Präsidentenamt“.

Ungeachtet seines Alters kann man Biden Energie und Leidenschaft nicht absprechen. In diesem Monat flog er von einem Auftritt in San Francisco zurück in seine Heimat Delaware und von dort zurück nach Kalifornien – alles innerhalb von 24 Stunden. In den Tagen vor den Zwischenwahlen absolvierte er ein straffes Programm, mit dem wohl seine Durchhaltefähigkeit für eine landesweite Kampagne getestet wurde. Und Ende Oktober besuchte er innerhalb eines Tages Wisconsin, Iowa und Missouri.

Mehr von Saarbrücker Zeitung