Offener Brief an Landesregierung: Abbau der Hochwaldbahn soll gestoppt werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Protestschreiben : Landesregierung soll Abbau der Hochwaldbahn stoppen

Offener Brief an Ministerpräsident Hans und Verkehrsministerin Rehlinger. CDU-Bundestagsabgeordneter plädiert für neue Bahnlinie.

Einen Stopp des geplanten Abbaus der Hochwaldbahn-Teilstrecke von Türkismühle bis zur Landesgrenze bei Bierfeld beziehungsweise Hermeskeil fordern die Verfasser eines offenen Briefes. Adressaten des Schreibens sind der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) sowie Verkehrs-Staatsekretär Jürgen Barke.

Und darum geht es: Der Landkreis St. Wendel sowie die Anliegerkommunen Nohfelden und Nonnweiler wollen auf dem ehemals zweigleisigen Planum einen Radweg bauen – unterstützt von der Landesregierung, die das Vorhaben im Koalitionsvertrag als Leuchtturmprojekt bezeichnet. Dafür soll der noch liegende Gleisstrang abgebaut, der Schotter als Unterbau verwendet und die Trasse mit Asphalt versiegelt werden. Ausführendes Unternehmen ist die Naturland Ökoflächen Management Gesellschaft (ÖFM). Anders als bei der Trasse der Hochwaldbahn geplant, beschreibt die ÖFM, eine Tochtergesellschaft der Naturlandstiftung Saar, ihr Tätigkeitsfeld dahingehend, dass sie Industriebrachen oder landschaftsfremde Elemente zurückbaue.

Unterzeichner des Briefes sind unter anderem der Förderverein Bahn + Rad, Fridays for Future Saarland, die Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft Saarbrücken, Hunsrück Velo, die Zukunftswerkstatt Saar, die IG Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald, die Attac Regionalgruppe Untere Saar, die UBNN Nohfelden sowie die Plattform Mobilität SaarLorLux. An die Adressaten wende man sich „mit der dringenden Forderung, den Erhalt sämtlicher Gleisanlagen im Saarland zu gewährleisten“.

Weiter heißt es, dass die Bundesregierung in ihrem kürzlich verabschiedeten Klimaschutzpaket die Bedeutung des schienengebundenen Verkehrs als umweltschonende und zukunftsfähige Form der Mobilität erkannt und den Ausbau des Schienennetzes für den Personen- und Güterverkehr beschlossen habe. Gerade die Randregionen des Saarlandes wie der Landkreis St. Wendel, mit teils fehlenden oder unattraktiven Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), bräuchten eine klima- und umweltfreundliche Infrastruktur „und vornehmlich in touristisch relevanten Bereichen eine deutliche verkehrsmäßige Aufwertung über die derzeitigen Buslinien hinaus“.

In deutlichem Widerspruch dazu drohe der derzeit stillgelegten Bahnstrecke zwischen Türkismühle und Bierfeld an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz ein baldiger Rückbau. Das habe die Unterzeichner veranlasst, diesen Brief aufzusetzen. Weiter heißt es: „Durch die unmittelbare Nähe zum 2015 gegründeten Nationalpark Hunsrück-Hochwald kommt der Bahnstrecke Türkismühle-Hermeskeil mit dem Nationalparktor in Otzenhausen eine besondere Bedeutung zu.“ In Hermeskeil ergebe sich darüber hinaus perspektivisch ein Anschluss an die angestrebte Wiederinbetriebnahme der Strecke Richtung Büchenbeuren. „Wir fordern daher: einen Stopp des geplanten Abbaus Türkismühle-Hermeskeil und den Erhalt der gesamten Bahnstrecke.“

Aber nicht nur die Hochwaldbahn soll unangetastet bleiben. „Wir fordern, grundsätzlich auf einen Rückbau vorhandener – auch stillgelegter – Gleisanlagen zu verzichten und die notwendigen Maßnahmen zu deren Sicherung zu ergreifen.“ Zudem wird die saarländische Landesregierung aufgefordert, gemeinsam mit ihrem Pendant in Mainz „ein umfassendes, länderübergreifendes Verkehrskonzept für Rheinland-Pfalz und das Saarland unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen des Klimaschutzes zu entwickeln und eine Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken zu prüfen“. Ziel müsse es sein, die Anbindung an den Schienen-Personennahverkehr (SPNV) im ländlichen Raum zu verbessern.

Dazu passt, dass der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Steier neue Bahnverbindungen für die Region Trier und Luxemburg vorschlägt. Dafür sollen auch neue Strecken gebaut werden, wie Steier im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund erläuterte. Er schlägt unter anderem eine neue Direktverbindung von Luxemburg über Trier nach Frankfurt vor. Diese soll aber nicht entlang der Mosel verlaufen. Vielmehr schwebt Steier, der seine Vorschläge mit dem Verband der Deutschen Verkehrsunternehmen (VDV) erarbeitet hat, der Neubau einer 46 Kilometer langen Bahnstrecke von Trier-Ruwer und entlang der Autobahn A 1 bis Hermeskeil und von dort ins saarländische Sötern vor. Zur Anbindung von Türkismühle mit guten Anschlüssen Richtung Neunkirchen und Saarbrücken sei eine Überleitung der Züge des Regionalverkehrs in Sötern auf die dort kreuzende – aber vom Abbau bedrohte – Hochwaldbahn Richtung Türkismühle sinnvoll. Die Kosten beziffert Steier mit 630 Millionen Euro.

Die Finanzierung werde durch das Klimapaket der Bundesregierung möglich, in dem einiges an Geldmitteln für den Ausbau des Schienenverkehrs vorgesehen seien. Auch Luxemburg müsse bei der Finanzierung mit ins Boot genommen werden, da das Land auch von der neuen Verbindung profitiere.

Weiter erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete, dass neben der Funktion für den Fernverkehr der Abschnitt Trier Hauptbahnhof bis Türkismühle beziehungsweise Neubrücke auch Nahverkehrsfunktionen übernehmen könnte. Als Haltepunkte für den Nahverkehr böten sich auf diesem Streckenabschnitt Nonnweiler, Otzenhausen und Sötern an.

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