Große Kappensitzung ging in Oberthal über die Bühne

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : Astronaut und Greta zeigten Humor

Ausverkaufte Halle und tolles Programm beim Oberthaler Carneval-Verein. Für die zweite Prunksitzung gibt es keine Karten mehr.

Großes Narrenkino in der ausverkauften Bliestalhalle. Mit super Tänzen, erlesenen Show-Acts, Stimmungsmucke und Geschwätz rissen die Akteure des Oberthaler-Carneval-Vereins (OCV) bei ihrer Gala-Prunksitzung das überwiegend verkleidete Publikum mit. Feinsinnig und mit viel Wortwitz führte Teilzeit-Sitzungspräsident Manuel Setz durchs Programm und ließ die Gardemädels wie Schmuckstücke im Narrenhaus tanzen. Schräg, schrill, bunt servierte die Jugend-Schautanzgruppe ein Best-of deutscher Popmusikkultur. In den 1980-er-Jahren erlaubte die „Neue Deutsche Welle“ alles was Spaß macht.

Zurück zum Ernst des Lebens. OCV-Nachrichtensprecher Klaus Schank verlas tiefgründig recherchierte Meldungen aus Weltmetropolen bis zum eigenen Gartentor. „Losentscheid nach der Kommunalwahl in Oberthal. Ein Schwarzer zieht Rot“, zitierte Schank die Schlagzeile einer großen Boulevardzeitung. Zwischendrin durften alle Narren bei den bekannten Skihütten-Schlager des Duos Schmackes (Timo Backes, Michael Schmitt) mitgrölen. „Es folgt Knaller auf Knaller“, versprach Setz.

Für den übergewichtigen Vincent (Mathias Schmitt) endete das „First Date“ als Minusgeschäft. „Willst Du für 50 Euro mit mir schlafen?“, fragte er seine Bekanntschaft (Melina Biehl). Schade, stöhnte Vincent nach der Abfuhr: „Ich hätte das Geld gut gebrauchen können.“ Die geistig zurückgebliebenen Problemkinder Penelope (Nathaly Plein) und Sven (Heiko Schu) lieferten sich einen anspruchsvollen Dialog auf höchstem Niveau. „Eine dicke Vegetarierin nennt man Biotonne“, lautete ein Hirnaushänger von Sven.

Oh nein, auf einem gestohlenen Fahrrad strampelte Alfriede (Michael Schmitt) an den gut gelaunten Passanten im Saal vorbei und traf zu allem Übel noch die Erna (Christa Schmitt). Frech gaben sich beide der Streitkultur hin. „Du gehst besser zu den anonymen Alkoholikern“, empfahl Alfriede der Erna. Die meinte: „Wie soll ich mit Leuten saufen, die ich nicht kenne.“ Augenzwinkernd tratschten die Seniorinnen mit überspitzter Zunge über die Oberthaler Politpromis. „Der Bürgermeister ist das Tampon von Oberthal“, sagte Erna. Klar wollte Alfriede wissen, warum. „Das ist doch o.b.“, schmiss Erna den Wattebauschhersteller mit dem Kürzel eines Oberbürgermeisters durcheinander. Zunächst wurde der Landtagsabgeordnete Hermann Scharf noch als Professor der Selfinologie geadelt, aber er sei auch beim Kinderfest mit einer Hüpfburg verwechselt worden.

„Willkommen im Saarland“ präsentierte die Gruppe Fröhlich die Stargrößen des kleinen Bundeslandes. Ob Ministerpräsident Tobias Hans (Mathias Schmitt) schon zu dieser Riege gehört? Da kein Babysitter aufzutreiben war, brachte er seine Zwillinge gleich mal mit. Mehr als 250 Jahre prägten Bergmänner die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung im Land: „Glück auf!“. „Mensch, was haben die Grubenhännesjer hier auf der Bühne einen Dreck gemacht“, maulte die Hausmeischda-Kopie (Klaus Schank). Schlagerkönigin Nicole (Heiko Schu) sang ihren Erfolgssong gar in schwedischer Sprache, der kleinkarierte Spießbürger und Familienoberhaupt Heinz Becker hockte mit seiner minderbemittelten Hilde und dem leidgeprüften Sohn Stefan im Wohnzimmer. Der saarländische Fürst der Finsternis, Graf Drakeli (Manuel Setz), tauchte ebenso persönlich wie die Saarlodris auf. Dagegen hob der Groniger Astronaut Matthias Maurer ins Weltall ab.

Doch nicht alle können im Ruhm baden oder kriegen einfach keine Frau ab. Der ledige Bauer (Philipp Backes) klagte liederweise davon. Mehrfache Versuche, über die Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ was Handfestes in der bäuerliche Kiste flach zu legen, scheiterten kläglich. Der künftige Plan des Landwirts klang simpel: „Ich habe mich für die Sendung Anne Will beworben“.

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (Manuel Setz) hatte den Weg in die Bliestalhalle gefunden. „Wie Ministerpräsident Hans bin ich ohne Abschluss auf dem internationalen Parkett gelandet“, so die Klimaretterin. Die Schule schwänzen habe sie nie gewollt, aber mit den Fridays-for-Future-Demos könne sie das Wochenende ergänzen. Clever kombinierte der Teenager-Darsteller Setz in seinem Vortrag politisch Relevantes mit Comedy-Eskapaden.

Glück auf, der Steiger kommt: Der frühere Bergbau gehört zur saarländischen Folklore. Foto: Frank Faber
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (Manuel Setz) hat freitags schulfrei und freut sich über verlängerte Wochenenden. Foto: Frank Faber

Gottseidank, dass bei der Sitzung nichts Schlimmes passierte. Denn wer dem Sanitöter (Michael Schmitt) in die Hände gefallen wäre, der war schon fast auf dem Tisch in der Pathologie. Danach rasteten alle aus, die Akteure des OCV Night Clubs drehten mit dem Publikum den Saal auf halbacht. „Reiß die Hütte ab“, forderte Mickie Krause (Timo Backes). Der kölsche Jung (Heiko Schu) fuhr einen Gang runter, zum Anbeißen schön tanzte das Ballett in Bollywood-Manier, und der Voxx-Club bildete den Rausschmeißer. Zum Absacker versammelten sich alle Akteure auf der Bühne. Und zum Schluss noch eine bittere Nachricht für Narren, die zur zweiten Gala-Prunksitzung wollen. Laut OCV-Vereinschef Schmitt gibt es für die Wiederholung am kommenden Samstag keine Karten mehr.