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Landgericht Saarbrücken verbietet Kollegah Performance von umstrittenem Lied

Kostenpflichtiger Inhalt: Jüdischer Kläger gewinnt vor Gericht : Landgericht Saarbrücken stoppt Rapper Kollegah

Der Rapper tritt nächste Woche in Saarbrücken auf. Das Landgericht untersagte ihm nun die Performance einer Textzeile, die als antisemitisch kritisiert wird.

Das Saarbrücker Landgericht hat den Konzertveranstalter in einem Beschluss der 5. Zivilkammer verpflichtet dafür zu sorgen, dass der umstrittene Rapper Kollegah die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ aus seinem Lied 08/15 nicht in der Saarbrücker „Garage“ vorträgt. Dort ist ein Konzert Kollegahs für den kommenden Mittwoch, 11. Dezember, angekündigt.

Geklagt gegen den Auftritt hatte der Dillinger Jude Gilbert Kallenborn. Kallenborn sehe sich durch die antisemitischen, judenverspottenden und homophoben Texte des Rappers in seinen Grundrechten verletzt, heißt es in dem Beschluss, der der SZ vorliegt (Az.. 5 T 438/19). „Der Beschluss wird bundesweite Folgen haben. Und zwar gegen die Profit-Musikbranche, die Geld mit Judenhass macht“, sagte Kallenborn zu dem Beschluss. Die „Sprachtiraden“ des Rappers erinnerten ihn an die Sprache des Nazi-Hetzblatts „Der Stürmer“, so Kallenborn. Die Beschwerde gegen den Kollegah-Auftritt sei „harte Arbeit“ gewesen. Zunächst hatte Kallenborn das Saarbrücker Amtsgericht bemüht. Dieses hatte den Erlass einer einstweiligen Verfügung aus formalen Gründen zurückgewiesen. Kallenborn habe dem Amtsgericht keine konkreten Antragsgegner nennen können. Das holte er beim Gang vors Landgericht jedoch nach.

Dass der Rapper Kollegah bei seinen Konzerten Texte mit antisemitischen, frauenfeindlichen und menschenverachtenden Inhalten vortrage, sei „allgemein bekannt und bedarf keines weiteren Beweises“, urteilten die drei Richter des 5. Senats. Der Antragsteller Kallenborn sei als Jude „persönlich betroffen“ von Kollegahs Liedgut. Dem stehe auch nicht entgegen, dass Kallenborn 1950 geboren sei und selbst der Nazi-Verfolgung nicht mehr ausgesetzt gewesen sei. Die Textzeile, die Kollegah in der „Garage“ nicht mehr singen darf, mache sich über die im KZ Auschwitz inhaftierten verhungernden und des letztes Restes ihrer Würde beraubten Menschen lächerlich und sie verächtlich, so die Richter.