Apothekerkammer Saar: Problem mit Medikamenten-Engpass verschärft sich

Kostenpflichtiger Inhalt: Ärger in der Apotheke : 276 Medikamente kaum zu bekommen

Die Apothekerkammer Saar warnt: Das Problem des Medikamenten-Engpasses verschärft sich noch. Ersatz-Präparate seien aber vorhanden.

Viele Patienten im Saarland werden immer häufiger von ihrer Apotheke enttäuscht: Das Medikament, auf das sie seit Jahren angewiesen sind und das ihnen ihr Arzt verschrieben hat, können sie nicht mehr erhalten. „Ja, das Probleme mit dem Medikamenten-Engpass verschärft sich“, erklärte Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer Saarland, der SZ auf Anfrage. Inzwischen stünden 276 Medikamente auf der Liste mit Lieferenpässen für Humanarzneimittel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm).

 Auf dieser Liste stehen viele gängige Schmerzmittel oder Cholesterinsenker mit Wirkstoffen wie Hydromorphonhydrochlorid oder Simvastatin, Blutdruckmedikamente zählen ebenso dazu wie Psychopharmaka. „Bis dato können die Patienten nach Absprache mit ihrem Arzt und Apotheker auf Ersatzprodukte umsteigen“, sagte Wohlfeil. Bisher sei immer eine Lösung gefunden worden, wenn ein Medikament nicht mehr auf dem Markt zu haben war. Todesfälle aufgrund des Engpasses seien ihm nicht bekannt.

Wohlfeil räumte ein, dass die Patienten verunsichert seien, wenn das ursprünglich vom Arzt verschriebene Arzneimittel nicht zu bekommen ist. Das sei auch eine psychologische Hürde, wenn der Patient davon ausgehe, dass das Ersatzpräparat nicht zu 100 Prozent das ursprünglich verschriebene ersetzen könne.

„Aber die Engpässe sind ein globales Problem. Zuerst bedienen die Hersteller die Märkte, auf denen der meiste Profit erzielt wird“, sagte Wohlfeil. Hochpreisländer für Medikamente seien die USA und Großbritannien. Deutschland zähle nicht dazu. Der Grund für die Engpässe sei die Konzentrierung der Grundstoffherstellung auf drei große Fabriken in China und Indien. Die Versuche der Politik, bestimmte Herstellungsfabriken nach Deutschland zurückzuholen, seien bisher im Stadium der Absichtserklärungen stehen geblieben, meinte Wohlfeil.

Der Präsident der Saar-Ärztekammer Dr. Josef Mischo, der im Krankenhaus St. Ingbert arbeitet, betonte, dass die Bundesärztekammer ein „Nationales Notfalldepot für lebenswichtige Medikamente“ fordere. Dieses Depot solle bei Engpässen für vier Wochen ausreichenden Vorrat bereithalten. Mischo räumte ein, dass viele Ärzte bei der Verschreibung der Medikamente für die Patienten nicht die Zeit hätten, auf die aktuelle Engpass-Liste des Bfarm zu blicken. So kommen dann die Patienten mit einem Rezept in  die Apotheke, auf dem ein Arzneimittel steht, das der Apotheker nicht besorgen kann. Mischo sagte, im Allgemeinen seien die Ersatzpräparate gleichwertig. Allerdings könne es in Einzelfällen zu Unverträglichkeiten wegen Nebenwirkungen durch Zusatzstoffe im Ersatzmedikament kommen. Für die Haus- und Fachärzte sei es ärgerlich, nach den Alternativ-Arzneimitteln zu suchen, da es Zeit und Arbeit koste, sagte Mischo. „Als Ärzte sind wir sehr unglücklich mit der Situation“, sagte der Ärztekammer-Präsident. Die Politik müsse den Pharmafirmen Vorgaben machen, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet werde, betonte Mischo. Eine kurzfristige Entspannung der Engpass-Situation ist für den Chefarzt und Sanitätsrat jedoch nicht in Sicht.

Der Geschäftsführer der Apothekerkammer im Saarland, Carsten Wohlfeil. Foto: Becker&Bredel. Foto: BeckerBredel/bub/wib
Der Präsident der Ärztekammer im Saarland, Dr. Josef  Mischo. Foto: Ärztekammer. Foto: aÑrztekammer des Saarlandes/Susanne Kempf

Dennoch sollten aufgeklärte Patienten nach Ansicht von Verbraucherschützern auch selbst auf die Internetseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte schauen. Denn in der dortigen Liste der Lieferengpässe gibt es ständig Bewegung. So werden nicht nur Medikamente neu aufgenommen, sondern es wird auch die erfreuliche Nachricht verkündet, dass der Engpass für bestimmte Produkte beendet sein wird. So ist demnach ab November, also am Samstag, das äußerst gängige Schmerzmedikament Ibuflam 800 mg Retardtabletten wieder auf dem Markt zu haben. Dagegen müssen Patienten, die auf menschlische Immunglubuline (Antikörper) des Produkts Kiovig 100mg/ml Infusionslösung angewiesen sind, noch bis zum März 2021 ausharren.

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