Gegner der Bebauung einer Kleinblittersdorfer Grünfläche melden sich

Kostenpflichtiger Inhalt: Umstrittenes Bauvorhaben : Kleinblittersdorf: Jetzt reden die Baugegner

Anrainer wollen 6000 Quadratmeter komplett für Pflanzen und Tiere erhalten. Sonst drohe Schaden – weit über diese Fläche hinaus.

Eine Brise lässt die rot-weißen Bänder zappeln. Walter Rundstadler hat sie für das Gespräch mit der SZ gespannt. Und für die CDU-Fraktion des Gemeinderats, die danach kommt. Viereck reiht sich, von schmalen Streifen unterbrochen, an Viereck und stellt die Umrisse der geplanten Häuser und Garagen wirklichkeitsnah dar. Dort wo noch Wiese, Obstbäume und Trockenmauern sind, wo Amphibien im Tümpel hocken und die einzelgängerische Gelbbauchunke eine Wanne für sich hat. Rundstadler und seine Mitstreiter in einer rund 50-köpfigen Bürgergemeinschaft wollen, dass das so bleibt. Sie sehen das Idyll in Gefahr und tragen ihr Ziel im Namen: „Kein Bauland im Außenbereich“.

Das fordern sie, seit die Grünen im Ortsrat Kleinblittersdorf anregten, in diesem Bereich unterhalb des Schulzentrums Bauland für junge Familien zu schaffen. Die Grünen stützten ihren Vorstoß auf eine Entscheidung des Gemeindesrates. Der hatte am 28. März 1999 beschlossen, für das Gebiet „Vor dem Allment“ einen Bebauungsplan aufstellen zu lassen. Weiter ist in dieser Sache nichts geschehen. Bis die Ortsratsgrünen Ende 2019 mit ihrem Vorstoß die rund 6000 Quadratmeter erneut ins Gespräch brachten, um dort Bauland zu gewinnen (die SZ berichtete).

Die Bürgergemeinschaft hält das für einen Fehler und lädt zu Ortsterminen mit Flatterband und Info-Blättern ein. Demnach war die gemeindeeigene Fläche nie Bauland. Sie sei an die Anrainer verpachtet und diene seit 1953 als Hausgarten, zur Kleintierhaltung und als Streuobstwiese mit 40 Bäumen, die zwischen drei und 130 Jahre alt sind. „Etliche stehen dort seit Anfang der 1980er-Jahre, als die Gemeinde die Obstbäume den Anrainern selbst zur Verfügung stellte“, sagt Rundstadler.

Nicht zuletzt sei sie wertvoller Lebensraum für Orchideen, Vögel, Amphibien, Kleinsäuger und Insekten. Den Teil der Fläche mit dem Amphibienteich, der 37 Meter langen Trockenmauer und dem artenreichen Hecken habe das Umweltministerium sogar als geschütztes Landschaftselement eingestuft. Nach einer Bebauung wäre die Fläche den Kritikern zufolge zu mehr als 45 Prozent versiegelt.

Das schaffe vermeidbare Gefahren für die jetzigen Hauser in den umliegenden Straßen. Für die Bürgergemeinschaft steht fest, dass die wegen der Entwässerung unterbrochenen Grundwasserströme Kalklehmschichten austrocknen lassen und die daraus folgenden „Setzungen“ Gebäude beschädigen.

Das Starkregenvorsorgekonzept der Gemeinde empfehle, Flächen zu erhalten, auf denen Wasser versickern kann. Das gehe aber nur, wenn schon wasserführende Hänge nicht mehr bebaut werden. Diese Empfehlungen träfen voll auf das geforderte Bebauungsgebiet zu.

Hier sei ein Umdenken bei der Bebauung von Freiflächen im Außenbereich erforderlich. Außerdem sei die kleine Fläche für preiswertes, familienfreundliches Bauen ohnehin ausgeschlossen. Der hohe Grundwasserspiegel und die wegen des Bodens und der verbleibenden winzigen Freiflächen fehlenden Versickerungsmöglichkeiten verteuerten das Bauen und schränkten die Nutzung ein. Der Bau der Erschließungsstraße werde wegen des stark wasserführenden Untergrundes erhebliche Mehrkosten für die künftigen Eigentümer und die Gemeindekasse verursachen. Zum Beispiel auch, weil die einzige Verbindung ins Neubaugebiet durch eine gepflasterte Straße führe, die dem Schwerlastverkehr nicht gewachsen wäre, sollte wirklich im Außenbereich gebaut werden.

Außerdem halten es die Kritiker für falsch, wenn sich Kommunen mit zusätzlichem Bauland gegenseitig Bewohner abspenstig machen auf Kosten von Natur und Artenvielfalt. Stattdessen sollten sie Leerstände im Innenbereich füllen und Baulücken schließen.

Das gelte insbesondere im Ortsteil Kleinblittersdorf, wo bis Ende des Jahrzehnts jedes siebte Haus unbewohnt ist, was 135 Gebäuden entspricht. Das jedenfalls steht dem Baukritikern zufolge im Gemeindeentwicklungskonzept von 2014.

Der Teich des Gebiets, hier im Frühling aufgenommen, sieht nicht nur gut aus. Er ist Lebensraum für Amphibien. Foto: Bürgergemeinschaft kein Bauen im Außenbereich
Walter Rund­stadler ist einer der Anwohner, welche die Grünfläche erhalten wollen. Foto: Heiko Lehmann. Foto: Heiko Lehmann

All das legt die Bürgergemeinschaft seit Weihnachten Orts- und Gemeinderatsmitgliedern aller Fraktionen bei Ortsterminen dar. Immer in der Hoffnung, dort Häuser zu verhindern, wo jetzt noch rot-weiße Bänder flattern.