Rotkreuz-Gruppe "Helfer vor Ort" sind vor dem Notarzt im Warndt vor Ort

Kostenpflichtiger Inhalt: Unfallhilfe : Ersthelfer bewähren sich nach Reitunfall

Die „Helfer vor Ort“ des DRK springen im Raum Großrosseln ein, um Anfahrtszeiten des Notarztes zu überbrücken.

Wenn bei einem Rettungseinsatz jede Sekunde zählt, dann ist ein Unfallopfer auf dem Land in der Regel im Nachteil, weil Notarzt oder Rettungswagen (RTW) meist einen längeren  Weg zurückzulegen haben. Das bekamen auch Siglinde Heusch (52) und ihre 13-jährige Tochter Ann-Cathrin zu spüren. Das Mädchen war, wie schon so oft seit zweieinhalb Jahren, beim Reiten auf der Pferde- und Ziegenalm im Großrosseler Ortsteil Naßweiler, als sich während eines Galopps der Sattelgurt löste und Ann-Cathrin vom Pferd stürzte.

Der nächste freie RTW musste aus Saarbrücken kommen und war fast 20 Minuten unterwegs. Doch Ann-Cathrin hatte Glück im Unglück und profitierte als eine der Ersten von einer neuen ehrenamtlichen Helfergruppe, die der DRK-Kreisverband Saarbrücken  mit Unterstützung des Ortsverbandes Großrosseln genau zu diesem Zweck gegründet hat: Die Gruppe „Helfer vor Ort“ – bisher die einzige ihrer Art im Regionalverband – soll im ländlichen Raum um Großrosseln die Zeit-Nachteile bei Rettungseinsätzen ausgleichen. Die Rettungsleitstelle ist in das Konzept miteingebunden. Kommt ein entsprechender Notruf aus der Region, dann werden auch immer die „Helfer vor Ort“ informiert, um gegebenenfalls bis zum Eintreffen von RTW oder Notarzt eine Erstversorgung zu leisten.

„Natürlich muss man dafür gewisse Voraussetzungen mitbringen“, schildert DRK-Kreisbereitschaftsleiter Marco Hass (43), der Leiter der neuen Gruppe ist. Es genügt also nicht, mal eben einen „Erste-Hilfe-Kurs“ wie für den Führerschein zu absolvieren. Mindestvoraussetzung ist eine vierwöchige Fortbildung zum Sanitäter mit Abschluss. Marco Hass ist Notfallsanitäter – das wird man nach einer dreijährigen Berufsausbildung.

Bisher gehören etwa zehn Personen zu den „Helfern vor Ort“. „Über weitere wären wir natürlich sehr froh“, so Hass. Die Einsätze, die in Ausnahmefällen auch mal in die Völklinger Warndt-Stadtteile führen, werden im eigenen Pkw gefahren, an dem eine Plakette mit der Kennung „HVO“ angebracht ist. Wegen der Nähe zu Frankreich – ein Unfall-Einsatz erfolgte genau auf der Grenze – ist es auch von Vorteil, dass einige der ehrenamtlichen Helfer gut Französisch sprechen, wie etwa Torsten Koretz (28), der beim Reitunfall in Naßweiler ebenfalls vor Ort war.

Nach fast einem Jahr Vorbereitung waren die „Helfer vor Ort“ Ende April an den Start gegangen und hatten seither schon 45 Notfalleinsätze. Die Bandbreite reichte dabei von Herzproblemen über Schlaganfall und Autounfall bis zu einem älteren Herrn, der mit den Fingern in eine Kreissäge geraten war. „Und eine Geburt hatten wir auch schon“, schildert Torsten Koretz einen Einsatz in Großrosseln, „aber als wir ankamen, war das Baby schon auf der Welt – war alles gut gegangen.  Der Vater selbst hatte geholfen“.

An ihren Sturz erinnert sich Ann-Cathrin noch ganz genau, auch an das, was danach passierte, „aber nicht mehr daran, was nach dem Unfall zu mir gesagt wurde“.  Im Krankenhaus haben die Ärzte letztlich eine Gehirnerschütterung diagnostiziert, aber zwei Wochen später durfte die Achtklässlerin schon wieder reiten – mit einem mulmigen Gefühl? „Nein, Angst habe ich jetzt nicht beim Reiten“, sagt die Schülerin, die auch während des Besuchs der SZ in Naßweiler eine Runde auf dem 19-jährigen Pferd Blue dreht, „nur beim Galopp ist das noch irgendwie etwas seltsam. Aber das wird auch verschwinden“. Nach wie vor kommen sie und ihre Mutter sehr gerne zu dem Gnadenhof in Naßweiler, der sich auch gerade mit seinem Einsatz für Kinder einen guten Namen gemacht hat.

Als die „Helfer vor Ort“ schon kurz nach dem Unfall eingetroffen waren, kontrollierten sie zum Beispiel die Vitalfunktionen des noch unter Schock stehenden Mädchens und ihre Ansprechbarkeit. Vorsorglich – da nach einem solchen Unfall eine Verletzung am Genick nicht auszuschließen ist – wurde auch eine Halskrause angelegt. Zur Ausrüstung gehört auch weiteres medizinisches Gerät, darunter ein Defibrillator für den Fall eines Herzstillstandes. Finanziert werden die „Helfer vor Ort“ – Ausrüstung und Schulungen – vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und durch Spenden. Siglinde Heusch ist begeistert vom Einsatz der „Helfer vor Ort“: „Als Mutter ist man in so einer Situation einfach nur froh, wenn schnell jemand da ist, der Hilfe bringt.“

Infos: Wer sich für die „Helfer vor Ort“ interessiert, der erfährt Näheres per E-Mail an brehm@kv-saarbruecken.drk.de.

www.kv-saarbruecken.drk.de

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