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Naturschutzverbände wollen Straße auf Redener Bergehalde stoppen

Kostenpflichtiger Inhalt: Naturschutz-Proteste : Halden-Straße in Reden löst Proteststurm aus

Keine freie Fahrt auf die Redener Bergehalde! Das fordern alle namhaften Naturschutzverbände – sie wollen das umstrittene IKS-Projekt stoppen.

Lang, lang ist’s her: Über das „ökologische Vorzeigeprojekt“ von einst, den „Garten Reden“, heute Erlebnisort mit rund 300 000 Besuchern, ist viel Gras gewachsen. Im besten Sinn: Die Halde gilt Spaziergängern, Radfahrern und Joggern als naturnahes Freizeitgebiet. Der Zulieferverkehr zur Alm-Gastronomie wurde als notwendiges Übel akzeptiert, die 18 Veranstaltungstage mit Massenbetrieb im Jahr ebenso. Doch jetzt ist Schluss mit der friedlichen Ko-Existenz von Naturschutz und Tourismus. Alle namhaften Umweltverbände des Landes blasen zu einem Proteststurm gegen ein Straßenbau-Projekt der Standort-Entwicklungs-Gesellschaft IKS: eine 1,5 Millionen Euro teure, 600 Meter lange zweispurige Strecke soll zu einem neuen „Multifunktionsplatz“ auf der Höhe führen, zu einer Parkfläche für 100 Autos. Freie Fahrt für lustige Almhütten-Gäste!

Diese Situation sehnen nicht nur die Almwirte seit Jahren herbei. Ihnen wurde ein Halden-Transportmittel vertraglich zugesichert. Doch die jetzt vorgesehene direkte Verbindung für Individualverkehr nennen die Landesvorstände von BUND, Saarwald-Verein und Nabu eine inakzeptable  „Alm-Autobahn“. In einer gemeinsamen Resolution zeigt man sich „schockiert“ und „bestürzt“. Die Argumentation in Kürze: Bergehalden seien Rückzugsräume der Artenvielfalt. Die im ursprünglichen Bebauungsplan festgelegten Schutz-Auflagen seien von der IKS  nie eingehalten worden, was bereits jetzt zum Rückgang seltener Arten geführt habe, auch die Wechselkröte und die Geburtshelferkröte seien betroffen.

Der Bau einer Straße würde dieses Szenario verschärfen. Es sei falsch, „das Schicksal der Bergehalde jetzt ökonomischen Einzelinteressen der Hüttenwirte“ zu opfern. Der Vorsitzende des Nabu Schiffweiler, Peter Treitz, erwartet zudem einen massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens: „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“, steht über seiner Stellungnahme. Die Straße an sich sei nicht das Problem, sondern die Folgen, sagt Treitz. Man rüste sich für Einsprüche gegen einen  neuen Bebauungsplan und plane juristische Aktivitäten: „Der Widerstand wächst täglich.“ Tatsächlich haben sich dieser Tage schon die Lauf-Fans, die Fribi Fun Runners, den Naturschützern angeschlossen. Doch da die IKS erst jetzt auf die Naturschutzverbände zugehen und deren Anregungen in die Pläne einfließen lassen will, weiß man vor Ort womöglich gar nicht so genau, was geplant ist?

„Wir bauen keine Rallye-Strecke“, sagt IKS-Geschäftführer Valentin   Holzer der SZ. Die Zufahrt werde durch ein Schrankensystem geregelt. Wer hinauf wolle, ziehe ein kostenpflichtiges Ticket. Bei Belegung aller Plätze öffne sich die Schranke nicht mehr. Bei Großveranstaltungen werde die Straße zudem gesperrt, dann würden Shuttles eingesetzt. Holzer: „Die Einnahmen aus den Parkgebühren werden zur Unterstützung des Natur- und Artenschutzes eingesetzt.“

All dies dürfte den Grund-Konflikt jedoch nicht entschärfen. Den formuliert der stellvertretende Ortsratsvorsitzende von Landsweiler-Reden, Detlef Reinhard (SPD): .„Das Vorhaben hat mit dem geltenden ursprünglichen Bebauungs-Plan und mit sanftem Tourismus nichts mehr zu tun.“ Sprich, man pocht auf die ursprünglichen Standort-Entwicklungs-Richtlinien, auf den „Garten Reden“. Zugleich gilt: „Wir sind nicht nur Neinsager“, so Reinhard. Die Entflechtung von PKW- und Fußgänger-Verkehr sei begrüßenswert, doch das jetzt vorgelegte Konzept eines aus der Mottenkiste. Zukunftsorientierte Mobilität sehe anders aus. Reinhard appelliert an den Gemeinderat, einem neuen Bebauungsplan nicht zuzustimmen. Das wäre dann das Aus für das IKS-Projekt. Jedoch hat sich der Neunkircher Kreistag bereits in Gänze für die IKS-Pläne ausgesprochen – sogar die Grünen. So wird Reden  wieder mal zum Politikum.