Bauarbeiten am Bahnhof in Ottweiler

Großbaustelle in Ottweiler : Die Kinder vom Bahnhof O.

Der Umbau des historischen Gebäudes in Ottweiler läuft. Beim Blick ins Innere fallen Spuren auf, wo sich stille Besucher verewigten.

Schuttberge innen und außen, durchgebrochene Decken, aufgewirbelter Staub im Sonnenlicht, eingerissene Wände, ein düsterer Gewölbekeller in weiten Teilen ohne elektrisches Licht. Und drumherum seit Monaten schon völlig eingerüstet. So sieht’s zurzeit auf der Baustelle Ottweiler Bahnhof aus.

Die Sanierung und der Umbau des alten Bahnhofsgebäudes in Ottweiler läuft. Die Stadt investiert unter Denkmalschutzaspekten mehr als eine Million Euro. Jugendzentrum, Touristinfo sowie Polizeiwache sollen Platz finden.  Ende 2019 sollen die Innenarbeiten abgeschlossen sein. Foto: Matthias Zimmermann

Trotz dieses eher rohbauähnlichen Antlitzes setzt Bürgermeister Holger Schäfer (CDU) weiter darauf, dass es beim Zeitplan bleibt und zum Jahresende Polizei, Touristeninformation und Jugendzentrum wie vorgesehen einziehen. Wenn, ja wenn da nicht noch weitere unvorhergesehene Dinge in dem denkmalgeschützten Hause ans Tageslicht gelangen. Obwohl dies bei einem Kellerraum zweifelsohne recht schwierig sein dürfte. Völlig überraschend war da plötzlich eine unterirdische Abstellkammer zusätzlich aufgetaucht, wie der Rathauschef berichtet. Was nicht verwundere. Denn von dem 1877 fertiggestellten Klinkerbau existieren keine Pläne mehr. So kommt die Sanierung des mehrgeschossigen Komplexes tagtäglich der Öffnung eines Überraschungseies gleich.

Das von der Stadt 2012  von der Deutschen Bahn (DB) gekaufte Haus beherbergte neben einer Gaststätte einst auch eine Schalterhalle und eine Wohnung. Schon seit vielen Jahren steht der Bahnhof leer, hatte das Unternehmen Anfang der 2000er den eigenen Kartenverkauf eingestellt. Es rentierte sich nach DB-Angaben nicht mehr.

Im ersten Stockwerk, wo früher eine Wohnung war: freigelegte Türstürze. Das Jugendzentrum soll diesen Trakt in Beschlag nehmen. Foto: Matthias Zimmermann

Die verschlossenen Türen hinderten jedoch einige nicht daran, einzusteigen und sich im Dachgeschoss an den Wänden zu verewigen. Grüße an die große Liebe, großflächige Sympathiebekundungen an den favorisierten Fußballverein. Und ein Unterzeichner all dessen, der sich offensichtlich an der Romanvorlage „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ orientierte: „Die Kinder vom Bahnhof O.“.

An dieser Stelle wird es künftig keinen Unterschlupf mehr geben, sagt Schäfer. Nachdem das neue Dach drauf ist, werden die Räume darunter verschlossen bleiben. Die geplante Wärmedämmung mache es unmöglich, den Speicher zu nutzen.

Unter dem Dach haben sich am Gemäuer Besucher klammheimlich verewigt. Ihre Liebe zu Menschen und Fußballvereinen, aber auch zu politischen Strömungen taten sie hier im Geheimen kund. Die Kinder vom Bahnhof O. Foto: Matthias Zimmermann
Das Eingangsportal mit provisorischer Baustellentür. Foto: Matthias Zimmermann
Das Treppenhaus: Die hölzerne Treppe steht ebenfalls unter Denkmalschutz und wird rekonstruiert. Foto: Matthias Zimmermann
Die Sanierung und der Umbau des alten Bahnhofsgebäudes in Ottweiler läuft. Die Stadt investiert unter Denkmalschutzaspekten mehr als eine Million Euro. Jugendzentrum, Touristinfo sowie Polizeiwache sollen Platz finden. Ende 2019 sollen die Innenarbeiten abgeschlossen sein. Foto: Matthias Zimmermann
Die Sanierung und der Umbau des alten Bahnhofsgebäudes in Ottweiler läuft. Die Stadt investiert unter Denkmalschutzaspekten mehr als eine Million Euro. Jugendzentrum, Touristinfo sowie Polizeiwache sollen Platz finden. Ende 2019 sollen die Innenarbeiten abgeschlossen sein. Foto: Matthias Zimmermann
Schutt vom Abbruch im Innern. Holzreste im Parterre. Foto: Matthias Zimmermann
Überreste vergangener Tage in einem der weit verzweigten  Kellerräume. Foto: Matthias Zimmermann
Blick aus einer Luke des Dachgeschosses Richtung Altstadt. Foto: Matthias Zimmermann
Zementsäcke und Steinpaletten stapeln sich, wo einst die Gaststätte war. Foto: Matthias Zimmermann

Eine Etage tiefer wird aber das Jugendzentrum Platz finden. Ein neuer Fahrstuhl wird neben der historischen Holztreppe die Möglichkeit bieten, dorthin zu gelangen. Im Erdgeschoss sollen Touristen Rat bekommen. Tageweise besetzt auf gleicher Ebene die Polizei ihr Büro. Kosten: mehr als eine Million Euro.