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Stadt Wadern und Bürgerinitiative kritisieren Vorschlag zu Losheimer Klinik

Kostenpflichtiger Inhalt: Wadern : „Ein Angebot, das nur Verlierer kennt“

Stadt Wadern und Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik weisen Vorschlag der Marienhaus GmbH zum Ausbau der Losheimer Klinik zurück.

Mit Skepsis und Kritik reagieren die Stadt Wadern und die Bürgerinitiative (BI) Nordsaarlandklinik auf den Vorschlag der Marienhaus GmbH, das Losheimer Krankenhaus auszubauen und um mehrere Abteilungen zu erweitern (siehe Infobox). Das geht aus einer gemeinsamen Presse-Erklärung von Stadt und BI hervor, in der diese die Offerte der Marienhaus GmbH, den sie als „Nebenvorschlag“ bezeichnen, umfassend analysieren.

„Grundlegend gilt es, jedes Engagement zu begrüßen, das hilft, die medizinische Versorgung im nördlichen Saarland auf neue Füße zu stellen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Bürgermeister Jochen Kuttler und BI-Sprecher Bernd Schröder. Insofern sei es zu begrüßen, dass Marienhaus ein Angebot zur alternativen medizinischen Versorgung der Hochwaldregion unterbreitet. Eine zeitnahe Erweiterung des St. Josef-Krankenhauses um eine chirurgische Abteilung, die Etablierung einer Abteilung Altersmedizin und die langfristige Realisierung des Neubaus eines Bettenhauses am Standort Losheim höre sich erst einmal gut an, finden Stadt und BI. Doch aus ihrer Sicht wirft dieses Angebot viele Fragen auf – unabhängig vom just beendeten Interessenbekundungsverfahren.

Faktisch gesehen sei die Marienhaus-Offerte keine Bewerbung im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens, sondern ein Nebenangebot, finden Kuttler und Schröder. Und weiter: „Bei objektiver Betrachtung stellt sich die Frage, warum Marienhaus dieses Angebot gerade jetzt unterbreitet.“ Neben einer guten Absicht könnte man nach Überzeugung von Stadt und BI die Dinge auch anders sehen: „Sollte es einen oder mehrere Bewerber für eine Nordsaarlandklinik geben, ist das Nebenangebot zum Standort Losheim eine Art Exit-Strategie“, finden sie. Denn: Sei die Landesregierung nicht bereit, die geforderten Gelder in den Umbau und die Erweiterung des St. Josef-Krankenhauses zu stecken, sei das Land nicht bereit, einen Sicherstellungszuschlag zu zahlen und damit eine Art Bestandsgarantie inklusive Dauersubvention abzugeben, dann sei am Ende die Politik schuld, wenn Marienhaus den Standort Losheim – „und möglicherweise den Standort Hermeskeil gleich mit“ – aufgebe. „Der Schwarze Peter wird somit den politischen Entscheidern zugespielt, die vermeintliche Verantwortlichkeit für Arbeitsplatzverluste auch. Eine Rechnung, die die Marienhaus GmbH auch bereits andernorts bei der Ankündigung von Krankenhausschließungen aufgemacht hat“, heißt es in der Erklärung.

In der Offerte der Marienhaus GmbH sei indes mit keinem Wort die Rede davon, wie sich der Träger an möglichen Investitionen vor Ort beteiligen wolle, kritisieren Stadt und BI. „Der schiere Aufbau von Kapazitäten ist noch kein Konzept, die unverhohlene Drohung mit Schließungen keine Antwort auf die wirklich drängenden Zukunftsfragen“, finden sie. Es stelle sich zudem die Frage, warum die Marienhaus GmbH in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit Schließung der St. Elisabeth-Klinik in Wadern nie angedeutet habe, dass sie an einem Alternativkonzept arbeite, geschweige denn eines in petto habe.

Aus Sicht der Stadt Wadern und der Bürgerinitiative spielt in der Diskussion um die medizinische Versorgung im Hochwald auch die Standortfrage eine zentrale Rolle. „Der Kernort Losheim liegt zu nah an der Kreisstadt Merzig, jede neue Entwicklung hat unweigerlich einen Effekt auf das Angebot in Merzig, anders ausgedrückt: Wer am Standort Losheim aufrüstet, setzt ganz bewusst den Standort Merzig unter Druck“, finden Kuttler und Schröder. Sollte eine Abteilung in Sachen Altersmedizin folgen, stünde nach ihrer Überzeugung zudem die Absicherung der entsprechenden Einrichtung in Mettlach auf der Tagesordnung. Außerdem werde mit dem Abzug der Konservativen Orthopädie das Segment, das die Klinik Losheim bisher einigermaßen finanziell im Gleichgewicht hielt, entfernt.

„Mit einem Ausbau in Losheim ist niemandem geholfen, der vom Bohnental, aus Nonnweiler und auch aus Teilgebieten der Stadt Wadern noch immer weite Wege in Kauf nehmen muss, um eine stationäre medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen“, befinden die Verfasser der Erklärung. Auch die Ankündigung eines Verbundes der Kliniken Hermeskeil und Losheim könne man nach den bisherigen Erfahrungen „getrost als Lippenbekenntnis bezeichnen“, dafür seien die Entfernungen viel zu groß. Der frühere Verbund Losheim-Wadern habe schon wenig Synergien gebracht.

Abgesehen von den in der Tat schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für kleine Krankenhäuser könne man nach dem Dafürhalten der Stadt Wadern und der Bürgerinitiative der Marienhaus GmbH „auch nicht unbedingt nachsagen, zukunftsweisende Konzepte für ihre mittlerweile geschlossenen oder in der Schließung befindlichen Krankenhäuser gehabt zu haben“. Sanierungsstau, Fehlinvestitionen und ständige Konzeptwechsel hätten – neben der Daumenschraube durch bundespolitische Vorgaben – den Marienhaus-Kliniken in Wadern, Dillingen, Ottweiler und anderswo den Garaus gemacht.

Das nun ergangene Nebenangebot an das Land nach dem Motto „gebt uns euer Geld, wir erweitern Losheim“, empfinden Stadt Wadern und BI als „grotesk“. Hier werfe jener Träger seinen „alternativen Hut“ in den Ring, der 2017 mit Wadern das Krankenhaus schloss, „das geografisch, von der Bausubstanz und vor allen Dingen von den Expansionsmöglichkeiten her das Klinikum gewesen wäre, das die besten Entwicklungschancen in Richtung Zentralversorger im nördlichen Saarland gehabt hätte“. Und das, so heißt es weiter, „weder den Standort Merzig noch den Standort St. Wendel gefährdet, ja noch nicht einmal tangiert hätte“. Aus Sicht von Stadt und BI habe der Satz weiterhin Bestand, den Gesundheitsministerin Monika Bachmann auf einer Podiumsdiskussion in Wadern im November 2019 geäußert habe: „Wir haben kein Vertrauen mehr in diesen Träger!“ Für das Mittelzentrum Wadern ginge mit einer Umstrukturierung in Losheim keinerlei Stärkung einher – weder was die Versorgung mit medizinischen Dienstleistungen angeht, noch was die Wirtschaftskraft angehe. „Angesichts des Einzugsgebiets von 40 000 Menschen in der Region, für die Wadern der Bezugspunkt ist, ist ein solches Szenario völlig unannehmbar“, stellen die Verfasser der Stellungnahme klar.

„Das Nebenangebot der Marienhaus GmbH setzt auf ein Konzept von gestern“, stellen Kuttler und Schröder klar. Es sei genau das Gegenteil von dem, was man mutig, innovativ und zukunftsweisend nennen könne und dürfe. Dabei spiele keine Rolle, dass die Marienhaus GmbH nichts vom Konzept einer Nordsaarlandklinik halte. Das sei ihr gutes Recht. Auch die Annahme, dass die Häuser in Hermeskeil und Losheim von einer Umgestaltung der Kliniklandschaft im nördlichen Saarland betroffen wären, ist nicht von der Hand zu weisen. „Die Alternative ist aber entweder eine Dauersubvention des Standorts Losheim durch die öffentliche Hand einhergehend mit einer dramatischen Schwächung des Standorts Merzig und ein weiteres schleichendes Dahinsiechen der kleinen Standorte, zu denen auch Losheim gehören würde, selbst wenn hier ein Mindestmaß an Ausstattung für eine Klinik geschaffen würde“, heißt es in der Erklärung weiter. Genau diese Struktur habe auch das Waderner Krankenhaus nicht vor der Schließung bewahrt.

Kritik üben Stadt und Bürgerinitiative auch an der Art und Weise, wie die Marienhaus GmbH ihren Vorschlag kommuniziert habe: „Anstatt ein zukunftsweisendes Angebot abzugeben und eine Auswertung durch die Fachgremien abzuwarten und dann in eine sinnhafte Diskussion über Für und Wider der verschiedenen Möglichkeiten einzusteigen, wird Knall auf Fall öffentlichkeitswirksam klargemacht, dass der Staat das Krankenhaus in Losheim dauerhaft alimentieren soll – oder die Lichter würden nicht nur in Losheim, sondern möglicherweise auch in Hermeskeil ausgehen und St. Wendel würde schwer getroffen.“ Die Vorgehensweise in Bezug auf die Ankündigung des Trägers reihe sich in die unvermittelten Schließungsankündigungen der vergangenen Jahre ein: „Man offeriert ein ‚Friss-oder-Stirb’-Angebot, das am Ende nur Verlierer kennt.“

Die Stadt Wadern nimmt nach eigenem Bekunden das „Nebenangebot“ der Marienhaus GmbH zur Kenntnis. „Wir lehnen es aber strikt ab, weil es schlicht taktischer Natur ist, weil es nicht zukunftsweisend ist und nicht zuletzt, weil es den Bürgern im Hochwald keinen Deut weiterhelfen würde“, betonen Bürgermeister Kuttler und BI-Sprecher Schröder. Man sei aber jederzeit offen für neue Strategien, die die Versorgung der Bürger im Hochwaldraum – und zwar in seiner Gänze, also in jeder Kommune – abzusichern helfen. An solchen Strategien dürfe und solle sich gerne auch die Marienhaus GmbH beteiligen.

Jochen Kuttler Foto: Tina Mann Foto: Tina Mann/TINA MANN
Juso-Vorstandsmitglied Gabriel Hausen (li) unterrichtetmit der Übergabe der Petition, die der Juso-Kreisvorstand Merzig-Wadern verfasst hat, den BI-Sprecher Bernd Schröder. Die petition wird über den Landesvorstand an die SPD-Landtagsfraktion gesendet. FOTO: ERICH BRÜCKER Foto: eb

„Insofern warten wir die Auswertung des von der Landesregierung ausgeschriebenen Interessenbekundungsverfahrens in Ruhe ab. Genaues Hinschauen, Hinhören und Diskutieren lohnt sich in jedem Fall“, fahren Kuttler und Schröder fort. Jeder Vorschlag solle und dürfe auf den Tisch und sollte mit allen Beteiligten und alle engagierten Akteuren besprochen werden. Am Ende werde es wahrscheinlich keine Lösung geben, die alle zufriedenstellen oder in allen Punkten allen Forderungen gerecht wird. „Wir für unseren Teil nahmen und nehmen diese Offenheit in Anspruch, auch wenn wir klare Positionen vertreten und nicht müde werden, das Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse auch im ländlichen Raum zu reklamieren“, heißt es abschließend.