Vera Klein will Foodsharing im Kreis Merzig-Wadern bekannt machen

Kostenpflichtiger Inhalt: Foodsharing im Kreis Merzig-Wadern : Sie rettet Lebensmittel vor dem Müll

Die Initiative Foodsharing setzt sich bundesweit gegen Verschwendung ein. Vera Klein will das System im Grünen Kreis bekannter machen.

Der Joghurt in Vera Kleins Kühlschrank ist schon einige Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Hat sie ihn dort einfach vergessen? Oder hat sie zu viel gekauft? Im Gegenteil: Die Merzigerin hat den Joghurt gerettet. Denn als Mitglied der Initiative Foodsharing (siehe Info) kümmert sie sich um Lebensmittel, die viele andere einfach wegwerfen.

„Lebensmittelrettung hat mich schon immer interessiert“, erzählt die 60-Jährige. Sie erinnert sich an zahlreiche Berichte zu diesem Thema, die sie im Fernsehen gesehen hat. Nach ihrem Eintritt in die Rente vor fünf Jahren überlegte sie dann, wie sie sich in diesem Bereich engagieren könnte. Ihre Idee: ein Geschäft eröffnen, in dem die Reste aus Supermärkten, Bäckereien und Co. eine zweite Chance erhalten. Doch damit sei sie zunächst einmal auf Unverständnis gestoßen: „Keiner hat wirklich daran geglaubt und keiner beschäftigte sich mit dem Thema.“

Das war vor fünf Jahren – und mittlerweile ist Lebensmittelrettung ihrem Eindruck nach ein Thema geworden, das immer wieder auftaucht. Kein Wunder: Nach aktuellen Zahlen von Foodsharing werden in Deutschland jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Lebensmittel, die noch für den Verzehr geeignet sind.

Der Verein Foodsharing betreibt ein Internetportal, das sich ganz der Lebensmittelrettung widmet. Klein engagiert sich dort seit mehreren Jahren, vorwiegend in Dillingen, wo es bereits eine recht aktive Foodharing-Gruppe gibt. Aber „Merzig-Wadern liegt brach“, bedauert sie – und will genau diesen Zustand ändern. Als ehrenamtliche Botschafterin will sie die Idee von Foodsharing bekannter machen.

Das Ziel von Foodsharing ist es, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Das gilt sowohl im Großen als auch im Kleinen. Wer zu Hause Lebensmittel übrig hat, kann sich auf der Internetseite registrieren und diese als sogenannten „Lebensmittelkorb“ einstellen. „Dann meldet sich irgendjemand und holt es ab“, erläutert Klein. Eingestellt werden kann fast alles, vom zu viel gekauften Joghurt bis zur Gemüseernte aus dem eigenen Garten. Lediglich Dinge wie Fleisch oder Fisch sind verboten.

Foodsharing soll aber nicht nur Privatleute ansprechen, die vielleicht einfach zu viele Bananen gekauft haben. Ein wichtiger Anlaufpunkt sind die Einzelhändler vor Ort – doch davon gebe es in Merzig nach Worten von Klein derzeit noch wenige, die sich beteiligen. Eine Ausnahme ist der Natur- und Feinkostladen „Lupine“ in der Fußgängerzone. Mit den großen Ketten laufen derzeit Verhandlungen, erzählt Klein weiter.

Was passiert aber nun mit größeren Mengen, wie sie Supermärkte in anderen Orten an Foodsharing abgeben? „In Dillingen gibt es vier Verteilstellen, an denen Sachen reingestellt werden“, erläutert Klein. Will heißen: Die Sachen werden von den „Foodsavern“ bei Foodsharing abgeholt und dorthingebracht. Bedienen kann sich dann jeder: Es kostet nichts und man muss auch nicht bei Foodsharing angemeldet sein.

Eine solche Verteilstation gibt es im Kreis Merzig-Wadern noch nicht, die Verteilung erfolgt beispielsweise über Whatsapp-Gruppen. Verteilstellen seien bisher auch nicht notwendig, ergänzt Klein – denn es gebe ja noch kaum mitwirkende Betriebe. Allerdings hat sie bereits mehrmals größere Verteilaktionen in der Kreisstadt initiiert. „Wir haben Tüten gepackt und Tische aufgestellt“, erzählt sie von einer dieser Aktionen, bei denen sie unter anderem gerettete Kaffeestückchen aus einer Bäckerei im Kreis Saarlouis dabei hatte. „Nach zwei Stunden war alles weg“, freut sie sich darüber, dass sie alle Lebensmittel an den Mann – oder die Frau – bringen konnte.

Das große Problem sei, wie Klein zusammenfasst: „98 Prozent der Menschen verstehen nicht, was wir da machen.“ Negative Rückmeldungen habe sie bei den bisherigen Aktionen in Merzig jedoch nicht erhalten. „Die Leute haben sich das angeschaut und Flyer und Sachen mitgenommen“, erzählt sie. Sie hofft natürlich, dass sich mehr Menschen im Kreis aktiv beteiligen – und auch mehr Kaufleute.

Dabei ist es gar nicht das Ziel von Foodsharing, möglichst viel zu verteilen. Durch die Lebensmittelrettung sollen die Händler vielmehr auf das Problem der Überproduktion aufmerksam gemacht werden – mit dem Ziel, dass sie sich Gedanken machen, dass sie eigentlich zu viel anbieten. „Wir sind froh, wenn keine großen Mengen zusammenkommen“, sagt Klein. Denn dann habe der Grundgedanke gefruchtet. Sie betont: „Natürlich wollen wir eigentlich nichts retten.“

Weitere Informationen gibt es bei Vera Klein, Tel. (01 57) 78 32 31 07.

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