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Hotel Merll Rieff in Merzig wird saniert und umgebaut

Kostenpflichtiger Inhalt: Sanierung des ehemaligen Hotels Merll Rieff : Traditionsgebäude bleibt Merzigern erhalten

Das Hotel Merll-Rieff wird für 1,6 Millionen Euro saniert. Einziehen werden Senioren des Projekts „Eigenständig wohnen im Alter“.

Über ein Jahrhundert galt das ehemalige Hotel-Restaurant Merll-Rieff in Merzig als ein Wahrzeichen der Stadt, bis es im Mai vergangenen Jahres seine Pforten sowohl für die Hotelgäste als auch für Restaurantbesucher für immer schließen musste.

Nicht nur die Küche des Hauses hatte einen großen Namen bei zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness, auch die Bierstube war Anziehungspunkt für Menschen jedes Alters. Kein Wunder also, dass das Bedauern groß war, als die ehemaligen Besitzer die Türen hinter sich schließen mussten. Umso erfreulicher ist es, dass das Gebäude nun weitestgehend in seinem ursprünglichen historischen Zustand erhalten und auf Vordermann gebracht werden soll – das bestätigt zumindest Alexander Mathieu, Chef der „AM Immobilien GmbH“, im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Mathieu, der in der Vergangenheit in Merzig schon mehrere Großprojekte gestemmt hat, investiert nun 1,6 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes. Das Baugerüst steht bereits, die Vorbereitungen haben begonnen. Das 1000 Quadratmeter große Gebäude von 1899 verfügt über vier Etagen, die allesamt erhalten bleiben sollen: „In den unteren drei Etagen werden Senioren-Wohngemeinschaften für das Projekt ‚Eigenständige Wohnen im Alter’ (EWA) entstehen, verrät der Investor. EWA ist ein Projekt der Leiterin Maria Bänsch, die bereits im Mai 2018 die saarlandweit erste Einrichtung dieser Art in der Merziger Hochwaldstraße 52 gegründet hat.

In der EWA leben die Senioren in Wohngemeinschaft weitestgehend selbstständig mit anderen Senioren zusammen und werden von einem ambulanten Pflegedienst betreut: „Ziel ist die Förderung der Selbstständigkeit, solange es geht – die Senioren sollen die Möglichkeit erhalten, in Würde zu altern“, betonte Bänsch bereits im vergangenen Jahr.

Die Schankstraße in Merzig mit dem Hotel-Restaurant Merll-Rieff als charakteristischem Blickfang am Beginn der Straße vorne rechts. Foto: Gisela Merll

Mit ermöglicht hatte das damalige Pilotprojekt „Senioren-Wohngemeinschaft“ der jetzige Investor Alexander Mathieu, dem das Gebäude gehört. Vom großen Erfolg des Konzepts der EWA überzeugt, zögerte Mathieu nach eigenen Angaben keinen Augenblick, als EWA-Leiterin Maria Bänsch auf ihn zukam und ihm den Vorschlag unterbreitete, eine weitere Senioren-Wohngemeinschaft im ehemaligen Hotel Merll-Rieff zu eröffnen: „Ich finde es eine tolle Idee und wirklich ideal gelegen für die älteren Leute, deshalb war ich sofort einverstanden.“

Das charakteristische Gebäude im Herzen der Kreisstadt biete alles, was man zum Leben brauche, und zwar in der unmittelbaren Nachbarschaft: „Es gibt ein Ärztehaus, eine Apotheke und diverse Geschäfte, auch die Fußgängerzone ist nur einen Steinwurf entfernt“, lobt der Investor die Lage.

So soll das ehemalige Hotel Merll-Rieff nach den Sanierungsarbeiten einmal aussehen. Foto: AM Immobilien GmbH & Co. KG Merzig

Wichtig sei Mathieu dabei vor allem, dass das Stadtbild Merzigs erhalten bleibt, weshalb das Gebäude so weit wie möglich in seinem historischen Zustand belassen werden soll.

„Die Fassade bleibt zum Großteil in ihrem derzeitigen Zustand, wir werden nur die Wände streichen und das Dach erneuern.“ Im Dachgeschoss wird zudem nach seinen Worten eine Penthouse-Wohnung mit großzügiger Glasfassade eingerichtet, die den künftigen Bewohnern einen Panoramablick über Merzig erlauben soll.

Die Wohnung im obersten Stock ist dabei allerdings für den Hausherren reserviert: „Ich werde wohl bald zum Merziger Bürger, auch deshalb ist mir das Stadtbild ja so wichtig“, verrät der derzeit in Mettlach wohnende Mathieu. Auch im Innern des Gebäudes soll so viel wie möglich vom historischen Charme erhalten bleiben, sagt Mathieu weiter. So werden zahlreiche Holzvertäfelungen und Bodenbeläge in ihrem ursprünglichen Zustand belassen.

Die unteren drei Etagen bieten auf einer rund 700 Quadratmeter großen Fläche Platz für elf Senioren, zudem wird es einen großen Gemeinschaftsraum sowie eine Küche für die Bewohner geben: „Außerdem planen wir das Gebäude absolut barrierefrei, alle Stockwerke sind über einen Fahrstuhl zu erreichen, und der Hintereingang verfügt über eine Rampe – also ideal für eine Senioren-WG“, sagt der Investor.

Mit der Bauleitung und Planung hat Mathieu das Merziger Architekturbüro Otmar Mohr beauftragt: „Es war mir ganz wichtig, nur Firmen aus der näheren Umgebung zu beauftragen, da es ein Merziger Projekt für die Merziger sein soll.“

Wie wichtig das Gebäude für die Identität der Kreisstadt sei, habe er auch an der unkomplizierten und ambitionierten Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt gespürt, wofür er sehr dankbar sei.

Dem Baubeginn steht also nichts mehr im Wege und die ersten Arbeiten können noch im Januar starten, zeigt sich der Investor zuversichtlich: „Wenn alles gut läuft, sind die Bauarbeiten Anfang 2021 abgeschlossen und die ersten Bewohner können ihr neues Zuhause beziehen.“

Letzter Tag im Hause Merll-Rieff in Merzig: Viele Freunde sowie viele ehemalige Mitarbeiter und Auszubildende kamen, um Manfred und Gisela Merll bei i Adieu und Danke zu sangen. Foto: rolf Ruppenthal/ 19. Mai 2019. Foto: Ruppenthal

Auch wenn das Projekt, nicht zuletzt wegen der eigenen Wohnung im Obergeschoss, für Mathieu nach eigener Aussage „aus kaufmännischer Sicht eine Katastrophe ist“, bereue er den Schritt in keinster Weise:„Es werden sicher noch weitere Projekte in Merzig folgen, auch wenn ich noch nicht verrate, wann und wo.“