1. Saarland
  2. Landespolitik

Marienhaus erwartet weitere Krankenhaus-Schließungen im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Marienhaus fürchtet weitere Schließungen : Marienhaus fürchtet schnelles Aus für Kliniken

Die nächsten Kliniken im Saarland könnten schon bald dichtmachen, glauben die Manager von Marienhaus – vor allem im Norden des Saarlandes. Der Politik werfen sie vor, ihre wahren Absichten nicht auszusprechen.

Beschließt die Landesregierung im April den Bau einer Nordsaarlandklinik, werden in den Krankenhäusern Losheim, Lebach und Hermeskeil recht schnell die Lichter ausgehen – und nicht erst, wenn die neue Klinik in einigen Jahren fertig ist. Das machten der Geschäftsführer und der Generalbevollmächtigte des katholischen Trägers Marienhaus, Heinz-Jürgen Scheid und Thomas Wolfram, am Mittwoch in einem SZ-Redaktionsgespräch deutlich.

„Das wäre der Sargnagel für diese Standorte“, sagte Wolfram. „Losheim wird schneller weg sein, als die ersten Bagger rollen. Und Lebach wird schneller vom Netz sein, als irgendjemand ein Fundament gegossen hat.“ Mit der Fertigstellung einer Nordsaarlandklinik, deren Kosten auf rund 100 Millionen Euro geschätzt werden, rechnen die beiden Krankenhaus-Manager aber frühestens im Jahr 2024.

Bis Ende März läuft noch die Suche nach einem Investor für eine Nordsaarlandklinik, anschließend soll das Kabinett über die dann vorliegenden Optionen entscheiden. Gesundheitsministerin Monika Bachmann und ihr Staatssekretär Stephan Kolling (beide CDU) führen seit Wochen bundesweit Gespräche mit potenziellen Investoren, auch mit privaten Konzernen. Wenn kein Investor gefunden werde, wovon Scheid und Wolfram ausgehen, müsse die Suche beendet werden, fordern sie. „Eine Verlängerung wäre tödlich für uns“, sagte Scheid.

Das Ministerium begründet die Investoren-Suche mit der Befürchtung, dass die Standorte Losheim und Lebach langfristig nicht sicher sind und die Versorgung im Nordsaarland dann nicht mehr gewährleistet ist. Lebach hat Probleme mit dem Brandschutz und der Auslastung, Losheim hat auch nach Überzeugung der Marienhaus-Leute in der derzeitigen Struktur keine Zukunft. Marienhaus wird sich an der Ausschreibung für eine Nordsaarlandklinik jedoch nicht beteiligen, wie Scheid und Wolfram sagten. Damit wird die vom Land favorisierte „saarländische Lösung“ unwahrscheinlicher.

Marienhaus bestreitet grundsätzlich den Bedarf an einer neuen Klinik im Norden. „Die Patienten haben sich alle ihre Versorgungseinrichtungen gesucht, ob in Saarbrücken, St. Wendel oder Trier“, sagte Wolfram. „Es ist ein ausreichendes Angebot da, sonst würden die heute bestehenden Krankenhäuser im Nordsaarland geradezu überlaufen. Wir haben aber überall viele freie Kapazitäten.“

Sollte sich kein Investor für eine Nordsaarlandklinik finden, will Marienhaus die 2017 abgegebene fünfjährige Bestandsgarantie für Losheim einhalten. „Dazu stehen wir“, sagte Scheid. Allerdings soll es dann ein „alternatives medizinisches Leistungsangebot“ geben, um den Standort zu sichern und einen Beitrag zur stationären Versorgung im Nordsaarland zu leisten. Denn allein mit einer konservativen Orthopädie, die von den Krankenkassen infrage gestellt wird, und einer kleinen Inneren Medizin sei die Klinik in Losheim „nicht überlebensfähig“, räumte Wolfram ein. „Das ist völlig klar.“

Scheid und Wolfram sehen weitere Krankenhausschließungen im Saarland als unausweichlich an. Die Bundespolitik mache kleinen Krankenhäusern das Leben mit Mindestmengen für Operationen und Behandlungen oder Vorgaben für Anzahl und Qualifikation von Ärzten und Pflegekräften extrem schwer.   „Das hat sich in den letzten zwölf bis 18 Monaten in einer Weise verschärft, die so nicht vorherzusehen war, die aber allen politisch Verantwortlichen bewusst war“, sagte Scheid. „Das kommt jetzt mit voller Wucht im Saarland an.“ Die Politik wolle ganz bewusst die Zahl der Krankenhäuser reduzieren. Sie spreche dies aber nie aus, sondern rede immer nur von Qualitätsverbesserungen, das höre sich sehr viel besser an.

Marienhaus-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Scheid Foto: Marienhaus/Frieling
Thomas Wolfram, Generalbevollmächtigter von Marienhaus Foto: Marienhaus/Frieling

Diese Entwicklung habe letztlich auch dazu geführt, dass Marienhaus die Klinik in Ottweiler 2021 schließen wird. Dort gebe es einen großen Sanierungsstau. Doch selbst wenn das Land alle Investitionen bezahlen würde, wären die Probleme nicht gelöst, sagte Scheid. Denn: „Ein Krankenhaus muss seine laufenden Kosten decken, um seinen Bestand zu sichern. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist das nicht möglich.“ Um in St. Wendel Platz für die Betten aus Ottweiler zu schaffen, soll auch das Gebäude der früheren Reha-Klinik genutzt werden. Marienhaus stehe nach einem „Restrukturierungsprogramm“, das unter anderem die Zentralisierung von Personalabrechnung und Bilanzbuchhaltung zur Folge hatte, inzwischen wieder stabil da und könne in seine Standorte investieren, sagte Scheid.