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Corona-Tests im Saarland funktionieren jetzt reibungslos

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronakrise : Corona-Tests im Saarland jetzt reibungslos

Bei einem deutlichen Anstieg der Verdachtsfälle würden die Kapazitäten wohl nicht mehr reichen. Hilft bald die Bundeswehr?

Als die neue Corona-Teststelle am Mittwoch um zwölf Uhr in der Alten Schmelz in St. Ingbert öffnet, stehen die Testwilligen schon in einer hundert Meter langen Schlange die Straße herunter. Der erste in der Reihe, ein Rentner, hatte sich bereits um 9.30 Uhr angestellt, wie er der SZ berichtet. Er habe eine wahre Odyssee hinter sich, sagt der Mann. Am Dienstag sei er schon in Neunkirchen gewesen und abgewiesen worden. In Saarbrücken, wo er sein Glück anschließend versucht habe, sei er dann nicht mehr an die Reihe gekommen.

„Heute bin ich kein Risiko eingegangen. Ich wollte unbedingt an die Reihe kommen“, sagt er mit dem Kissen unterm Arm bestens ausgerüstet, um auf einem der Steine in der Sonne zu sitzen und zu warten. Die chaotischen Szenen vom Dienstag, als die drei Teststellen in Saarbrücken, Neunkirchen und Dillingen geradezu überrannt wurden, wiederholen sich am Mittwoch in Dillingen und in St. Ingbert nicht.  Die drei Stationen wurden am Dienstag geschlossen, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) berichtete von Widerständen von Anwohnern und Vermietern, was der Neunkircher OB Jörg Aumann (SPD) für seine Stadt jedoch sogleich bestritt.

Seit Mittwoch finden die Tests an zwei neuen Orten statt, die erst am Morgen bekanntgegeben wurden – in der Alten Schmelz in St. Ingbert und der Sporthalle West in Dillingen. An den beiden Standorten ist die Stimmung unter den Testwilligen ruhig, alle stehen geduldig und mit großem Abstand hintereinander in der Schlange.

KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann zeigt sich nach dem Chaos vom Dienstag sehr zufrieden mit dem Verlauf der Tests am Mittwoch, die bis 17 Uhr möglich waren. „Es ist super gelaufen“, sagte er. Die Verwaltungschefs von St. Ingbert und Dillingen hätten das richtig gut organisiert. Die Leute seien in zwei Stunden durch gewesen, insgesamt wurden 400 Tests gezählt. Sicherheitsleute sorgten für einen geregelten Ablauf, Tumult gab es nicht.

Das MVZ Labor Saar in St. Ingbert, das die Teststäbchen aus den Testzentralen bekommt, legt Sonderschichten ein, um die Flut an Corona-Testungen zu bewältigen. „Unsere Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in zwei Schichten und teilweise bis Mitternacht. Ebenfalls arbeiten wir jetzt auch am Wochenende“, sagt Geschäftsführerin Bettina Georg. Das MVZ Labor ist nach eigenen Angaben das größte humanmedizinische Labor im Saarland. Aktuell würden 400 Tests am Tag bearbeitet. Eine Testreihe dauere vier Stunden. Es könnten daher unmöglich mehr Tests pro Zeit­einheit durchgeführt werden, was zu Prioritätensetzung zwinge: „Obwohl wir die Coronavirus-Diagnostik mit maximaler Kapazität durchführen, können leider nicht mehr alle Proben tagesgleich abgearbeitet werden“, bedauert Georg.

Mittlerweile hat auch das saarländische Umweltministerium gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium seine Laborkapazitäten als „stille Reserve“ zur Untersuchung von Abstrichen angeboten. Dabei handelt es sich um das Labor des Landesamtes für Verbraucherschutz, in dem normalerweise Tierseuchen untersucht werden. „Die Möglichkeiten und Kapazitäten haben wir“, sagt Umweltstaatssekretär Sebastian Thul (SPD).

Die Tests in Dillingen und St. Ingbert sollen erst einmal so weiterlaufen, auch übers Wochenende. Vorbereitet wird aber parallel auch ein Plan B: „Wenn die Entwicklung eine richtige Dynamik kriegt, werden wir weitere Standorte dazu nehmen müssen“, sagte Hauptmann.

Wenn es nach Innenminister Klaus Bouillon (CDU) geht, soll die Bundeswehr in Zukunft für die Corona-Tests im Saarland zuständig sein. Sein Haus hat zwei Anträge auf Amtshilfe an das Landeskommando der Bundeswehr in Saarlouis gerichtet. Dabei geht es um die Bereitstellung von Personal und Material für landesweit sechs Stationen, an denen Mitarbeiter im Freien bei durchfahrenden Personen Abstriche nehmen, sowie um einen Laborraum der Bundeswehr.

Das Innenministerium begründet den Antrag damit, dass die drei Corona-Teststellen in Neunkirchen, Dillingen und Saarbrücken am Dienstag wegen Überfüllung geschlossen werden mussten und die im Saarland vorhandenen Laborkapazitäten zu gering seien. Zudem beantragt das saarländische Innenministerium, dass die bestehenden Testzentren kurzfristig in Kasernen verlegt werden, etwa nach Lebach, Merzig und Saarlouis oder in das HIL-Werk.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) um Unterstützung gebeten, eine Entscheidung über den Amtshilfe-Antrag steht noch aus. KV-Chef Hauptmann sagte: „Wir kennen den Antrag nicht, mit uns hat keiner gesprochen. Wir gehen davon aus, dass das mit unserer Tätigkeit nichts zu tun hat.“