Kostenpflichtiger Inhalt: Radverkehr im Saarland : Wie das Land Radfahrer fördern will

Radler im Saarland erhalten beim Radkauf zwar keinen Steuer-Rabatt wie Luxemburg, doch manche können das Dienstrad hierzulande leasen.

Seit rund einem Jahr gibt es die neuen roten Fahrradspuren auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke in Saarbrücken. Sie werden mittlerweile gut genutzt, ansonsten aber fehlt es vielerorts im Saarland noch an gut ausgebauten Radwegen. Die Untersuchung „Mobilität in Deutschland 2017“ vom Bundesverkehrsministerium zeigt etwa, dass das Saarland das Bundesland ist, in dem der Fahrradanteil am gesamten Verkehrsaufkommen mit gerade drei Prozent am geringsten ist. In Saarbrücken ist außerdem längst nicht jeder Fahrradbesitzer. Laut einer Verkehrsbefragung der Stadt waren im Jahr 2010 in allen Saarbrücker Haushalten durchschnittlich 0,55 Räder pro Person vorhanden. Das ist deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt, der bei 0,9 liegt.

Wie die öffentliche Hand aber mehr Menschen für den Umstieg aufs Fahrrad gewinnen kann, zeigt das Beispiel Luxemburg. Wer dort ein neues Rad kauft, kann seit 2017 eine steuerliche Vergünstigung von 300 Euro beantragen. Zwei Jahre nach der Einführung dieser Maßnahme haben 5963 Menschen davon Gebrauch gemacht. Das teilten Luxemburgs Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) und Finanzminister Pierre Gramegna (DP) jetzt mit. Seit Januar diesen Jahres wurde zusätzlich eine Kaufprämie für Fahrräder und E-Bikes eingeführt. Der Zuschuss beträgt 25 Prozent des Kaufpreises für ein neues Gefährt – gedeckelt auf 300 Euro. In den ersten acht Monaten des Jahres 2019 nutzten 2509 Menschen dieses Angebot der Regierung. Beide Maßnahmen können miteinander kombiniert werden.

Solche Steuerermäßigungen für den Kauf eines neuen Rads gibt es für die Saarländer nicht. Denn Steuern sind Bundessache. Für Privatpersonen hat das Saarland kein Förderprogramm. Dennoch greift das Land Kommunen finanziell unter die Arme, die Projekte für eine bessere Fahrradkultur umsetzen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Abstellanlagen, Hinweisschilder, Fahrradstreifen oder auch Beleuchtung für Radwege handeln.

„Gute Infrastruktur für den Radverkehr ist das A und O“, meint Thomas Fläschner, Landessprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Ein Steuer-Rabatt nach luxemburgischem Modell sei zwar ein interessanter Anreiz und begrüßenswert, doch er denkt nicht, dass dies der entscheidende Grund ist, um Menschen grundsätzlich von einem Umstieg aufs Fahrrad zu überzeugen. „Noch wichtiger ist es, die Radwege auszubauen, sodass man mit dem Rad ohne Gefahr durchgehend durch die Stadt fahren kann.“ Dass die Saarländer dennoch keine grundsätzliche Fahrrad-Muffel sind, zeigt das Dienstradleasing Jobrad. „Diese Möglichkeit wird hier gut angenommen. Leider existiert sie nur für Berufstätige außerhalb des Öffentlichen Dienstes. Und der eigene Betrieb muss mitspielen“, erklärt Fläschner.

Das Jobrad-Programm funktioniert folgendermaßen: Die Mitarbeiter eines Unternehmens können über die Firma ein Fahrrad über einen Zeitraum von drei Jahren leasen. Die Leasingrate wird vom Bruttogehalt abgezogen. Das Fahrrad ist versichert und darf vom Mitarbeiter nicht nur für den Weg zur Arbeit, sondern auch in der Freizeit genutzt werden.

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