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Zu christlich
Schule verlegt Weihnachtsfeier nach Kritik von Muslimin

Lüneburg. Die Lieder waren ihr zu christlich: Wegen einer muslimischen Schülerin ändert ein Gymnasium seine Tradition zum Fest der Liebe.

() Nach der Beschwerde einer muslimischen Schülerin veranstaltet das Lüneburger Gymnasium Johanneum in diesem Jahr keine verpflichtende Weihnachtsfeier während der Unterrichtszeit. Die Feier wird stattdessen auf den Nachmittag verlegt, und die Teilnahme ist freiwillig. Einem Bericht des NDR zufolge hatte sich die Schülerin im Vorjahr beschwert, dass die christlichen Lieder nicht mit ihrem Glauben vereinbar seien.



Die Feier soll nach Angaben der Schule heute stattfinden. Schulrektor Friedrich Suhr hatte gegenüber der „Landeszeitung Lüneburg“ erklärt, er wolle niemanden zu einer Weihnachtsfeier zwingen. Laut Landesschulbehörde können Schulen frei entscheiden, ob und in welchem Umfang sie eine Weihnachtsfeier während des Unterrichts anbieten. Grundsätzlich gebe es jedoch kaum Anfragen dazu, sagte Sprecherin Bianca Schöneich gestern in Lüneburg. „Wir raten den Schulen allerdings, dass mit glaubensbezogenen Inhalten maßvoll umgegangen werden soll“, betonte sie. 

Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU (EAK) sieht in der Entscheidung ein „äußerst bedenkliches Alarmsignal“. Es sei „bedauerlich und unverhältnismäßig“, wenn die Beschwerde einer muslimischen Schülerin „über das Singen christlicher Lieder am Ende dazu führt, eine jahrhundertelange und gute Schultradition in Frage zu stellen.“

Nach dem NDR-Bericht beruft sich die Schule, die im Jahr 1406 als Schule der St. Johanniskirche gegründet wurde, auf das niedersächsische Schulgesetz. Darin heißt es im dritten Paragrafen, dass öffentliche Schulen grundsätzlich Schülerinnen und Schülern aller Bekenntnisse und Weltanschauungen offenstehen. In Erziehung und Unterricht sei die Freiheit zum Bekennen religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen zu achten und auf die Empfindungen Andersdenkender Rücksicht zu nehmen.